Nico Gabriel Carsharing ist gut für das Klima

Der DriveNow-Chef ist überzeugt, dass Carsharing dem Klima gut tut. Anderslautende Studien kritisiert er als eindimensional. Die Nutzer würden ihre Autos langfristig verkaufen.

DriveNow-Chef Nico Gabriel Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Gabriel, eine ganz persönliche Erfahrung: Ich wollte vor kurzem mit der U-Bahn in die Stadt fahren. Vor meiner Haustür stand ein Mini von DriveNow. Ich bin eingestiegen und losgefahren, weil es so schön bequem war. Dem Klima habe ich so aber geschadet. Ist Ihr Carsharing-System also klimaschädlich?

Nico Gabriel: Betrachtet man allein diese Situation, wird natürlich mehr CO2 ausgestoßen. Aber diese kurzfristige Betrachtung wird dem flexiblen Carsharing, so wie wir es anbieten, nicht gerecht. Studien, die negative Klimaauswirkungen befürchten lassen, sind zu eindimensional.

Die WirtschaftsWoche hat gerade erst eine solche Studie veröffentlicht. Carsharing führt zu Kannibalisierungseffekten. Der Nahverkehr leidet…

In vielen Studien werden Carsharing Kunden gefragt, welches Verkehrsmittel sie genutzt hätten, wenn es Carsharing nicht gäbe. Daraus wird dann vorschnell abgeleitet, dass Carsharing den öffentlichen Nahverkehr oder den Radverkehr kannibalisiert. Dieser Ansatz ist falsch. Man muss das Gesamtsystem betrachten. Schaffen wir es nämlich, durch attraktives Carsharing private Fahrzeuge in der Stadt abzuschaffen, ergibt sich automatisch eine Verringerung des gesamten Fahrtenniveaus und eine Steigerung der Nachfrage bei Bussen, Bahnen und dem Radverkehr.

Wie sich Carsharing auf die Nutzung anderer Verkehrsmittel auswirkt

Wie oft nutzen Ihre Kunden ein DriveNow-Auto?

Unsere Kunden fahren im Schnitt zwei bis drei Mal pro Monat mit einem DriveNow-Auto. Die Anzahl der ‚Heavy User‘, die also vielleicht mehrmals am Tag oder in der Woche fahren, ist dagegen gering. Das zeigt ebenfalls, dass der Vorwurf, wir würden massive Anreize schaffen, Auto statt Bahn zu fahren, nicht zutrifft.

Aber so ein bisschen animieren die flexiblen One-Way-Systeme wie DriveNow und Car2Go schon zum Einsteigen und Mehrfahren, oder?

Nicht zwangsläufig. Es gibt preissensible Kunden, die die U-Bahn vorziehen. Es gibt den bequemen Nutzer, der auch mal öfters eine One-Way-Tour mit einem DriveNow-Auto unternimmt. Zumal in der Regel der jeweilige Nutzungsfall darüber entscheidet, ob der Kunde die Bahn, das Fahrrad oder das Auto nutzen will. Wenn ich etwa mit Gepäck unterwegs bin oder es eilig habe, hat das Auto seine Vorteile. Am Ende muss alles zusammen betrachtet werden. Die Freefloater-Systeme wie DriveNow und Car2Go, die solche kurzen Fahrten ermöglichen, haben das Thema Carsharing ja erst so richtig populär gemacht. Plötzlich denken Kundengruppen über ein Thema nach, dass sie früher verlacht haben. Viele von ihnen können sich heute vorstellen, ihr Auto abzuschaffen.

Wie viele tun es denn wirklich?

Sieben Prozent unserer Kunden haben in internen Umfragen angegeben, bereits ein Fahrzeug wegen DriveNow abgeschafft zu haben. 25 Prozent verzichten zumindest darauf, sich ein weiteres Auto zu kaufen. Wenn man Carsharing langfristig betrachtet, kann ein Carsharing-Auto bis zu zehn private Pkw ersetzen. Dann profitiert das Klima. An diesen Langfriststudien arbeiten wir gerade, gemeinsam mit anderen Carsharern und den Städten.

Haben die Städte diese Geduld?

Auf jeden Fall. Wir sind in fünf deutschen Städten unterwegs. Die Verwaltungen wissen, dass Carsharing ein langfristiges Thema ist und ja auch nur im Zusammenspiel mit den anderen Verkehrsträgern wie Bussen, Bahnen, Taxis und dem Fahrrad funktioniert. Deshalb setzt sich bei den Städten immer mehr die Erkenntnis durch, enger mit uns zusammenzuarbeiten, um die gesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wir sind aber erst seit dreieinhalb Jahren auf dem Markt. Bis man auf sein Auto verzichtet, dauert das meist länger. Und es hängt davon ab, wie alltagstauglich Carsharing ist. Große Entlastungseffekte gelingen erst dann, wenn Carsharing skaliert werden kann. Die Gewohnheiten ändern sich langsam, aber dafür nachhaltig. Wer einmal sein Auto abgeschafft hat, wird rational und spürt, wie viel Geld er monatlich spart. 

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