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Nico Gabriel Carsharing ist gut für das Klima

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"Der wirtschaftlicher Betrieb einer großen Elektroflotte gestaltet sich schwierig"

Das ist das Ideal…

Und dafür gibt es Belege. Eine Berliner Familie hat sich zum Beispiel bei uns angemeldet. Das Paar wollte mal sechs Monate lang ausprobieren, ob es funktionieren kann, mit Kindern komplett auf ein eigenes Auto zu verzichten. Inzwischen ist die Familie bei einem Jahr angekommen, ohne dass sie ihr Auto vermissen. Und was macht das Kind? Es spricht nicht mehr vom Auto, sondern vom ‚DriveNow‘. Hier wächst eine Generation heran, die Mobilität ganz anders kennen lernt.

Haben Sie noch ein eigenes Auto?

Ja, ich habe einen Dienstwagen. Den fährt aber meistens meine Frau. Den Zweitwagen haben wir abgeschafft. Vor drei Jahren war ich übrigens ein überzeugter Autofahrer. Das hat sich geändert. Ich fahre heute vor allem mit der U-Bahn nach Hause.

Die Carsharing-Angebote im Überblick

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will Carsharing per Gesetz fördern. Kommunen sollen Sonderparkplätze für Carsharing-Autos einrichten und den Unternehmen kostenlose Parkplätze zur Verfügung stellen können. Was wäre Ihnen lieber?

Sonderparkplätze bringen uns im Free Floating eigentlich nicht so viel. Der Vorteil für unsere Kunden ist ja, dass sie das Auto überall abstellen können. Rabatte auf die Parkgebühren helfen uns schon mehr. Denn die machen in allen deutschen Städten, in denen wir unterwegs sind, rund zehn bis 15 Prozent unserer operativen Kosten aus. Als Free Floater werden wir heute benachteiligt. Die Anwohnervignette kostet in einigen Städten nur 50 Euro pro Jahr. Wir zahlen weit mehr als 1000 Euro pro Fahrzeug und dürfen in einigen Anwohnerzonen noch nicht einmal parken. So wird Autobesitz in Städten gefördert und Carsharing benachteiligt. Wir fordern lediglich gleiche Rahmenbedingungen.

Das sehen die Anwohner sicher anders…

Wahrscheinlich viele, aber nicht alle. Es gibt ja Autobesitzer, die ihr Auto nur selten nutzen und es nur deshalb nicht abgeschafft haben, weil die Carsharing-Verfügbarkeit noch nicht hoch genug ist. Deshalb ist die Frage generell, wie die Städte den Mehrverkehr in der Stadt reduzieren wollen. Das schaffen sie am besten, wenn die Anreize steigen, das eigene Auto abzuschaffen und multimodal unterwegs zu sein. Dazu gehören finanzielle Anreize genauso wie ein überzeugender Verkehrsmittelmix. Spannend sind Mobilitätsstationen, wie sie jetzt auch in München ausgebaut werden. Dort treffen sich klassische und flexible Carsharer, Nahverkehr, Taxis und Mietfahrräder. Solche Systeme werden stark genutzt. Das ist die Zukunft.

In Arbeit
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Sie haben in Berlin und München 60 Elektrofahrzeuge in der Flotte. Funktioniert das?

Die Resonanz hat mich positiv überrascht. Die Elektroautos werden genauso häufig angemietet wie unsere Benziner, obwohl sie bis zu sechs Stunden am Tag laden müssen. Gleichzeitig ist das Laden eine große Herausforderung. Derzeit ist ein wirtschaftlicher Betrieb einer großen Elektroflotte noch nicht möglich.

In London hat sich Car2Go zurückgezogen, Sie sind dann rein. Wollten Sie zeigen, dass Sie es besser können?

Wir glauben an das Potenzial der Stadt. London hat aber deshalb ein schwieriges Umfeld, weil die Stadt sehr dezentral organisiert ist. Die übergeordnete Dachorganisation Transport for London unterstützt Carsharing zwar, hat aber keinen Zugriff auf die Bezirke. Wir mussten also mit jedem einzelnen Bezirk Parkgenehmigungen verhandeln. Wir haben für London mehr als zwei Jahre Vorlaufzeit investiert, um mit den Behörden zu sprechen. Wir stehen in London erst am Anfang. Die Anlaufphase läuft aber erfolgsversprechend.

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