Odin Automotive Streetscooter bekommt neuen Namen und soll Absatz verzehnfachen

Die Deutsche Post hat Streetscooter verkauft, bestellt aber dort aber weiterhin Lieferwagen. Quelle: dpa

Odin Automotive, der Käufer des Elektrotransporter-Herstellers Streetscooter, will den Absatz von Streetscootern massiv steigern und weitere Mobilitätsunternehmen kaufen. Das sagte Odin-Chef Stefan Krause im Gespräch mit dem WirtschaftsWoche-Podcast High Voltage.

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Odin Automotive, der Käufer des Elektrotransporter-Herstellers Streetscooter, will den Absatz von Streetscooter in den kommenden drei Jahren verzehnfachen, eine zweite Streetscooter-Produktion in den USA errichten und weitere Mobilitätsunternehmen kaufen. Außerdem soll Streetscooter demnächst einen neuen Namen bekommen. Das sagte der Chef von Odin Automotive, Stefan Krause, im WirtschaftsWoche-Podcast High Voltage. Krause war zuvor Vorstand bei BMW und der Deutschen Bank und ist Mitgründer des US-Elektroautoherstellers Canoo.

Krause lobte im High-Voltage-Interview das Streetscooter-Entwicklerteam als enorm kompetent und motiviert. Es gebe weltweit „kein anderes Team mit einer so tiefen Erfahrung“ im Bereich der städtischen Lieferdienste. Auch sei kein anderer Hersteller elektrischer Lieferfahrzeuge so weit. „Es wäre schade“, so Krause, „wenn ein solches deutsches Unternehmen von der Weltbühne verschwinden würde.“ Das Team um Odin Automotive habe in den zurückliegenden eineinhalb Jahren überlegt, einen neuen Hersteller von elektrischen Lieferfahrzeugen zu gründen. Es habe aber davon Abstand genommen, weil es Jahre gedauert und ein Vielfaches des Kaufpreises von Streetscooter gekostet hätte.

Die bestehende Streetscooter-Produktion in Düren sei mit einer Kapazität von rund 30.000 Fahrzeugen pro Jahr für die kommenden drei bis vier Jahre ausreichend, sagte Krause. Derzeit würden dort rund 3.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut, vor allem für die Deutsche Post. Schon ab dem kommenden Jahr sollen aber „viele weitere Kunden“ von dort beliefert werden und die Produktion voll ausgelastet werde. Zudem habe Odin die Produktionstechnik für den Aufbau einer weiteren Produktion in den USA erworben. Dort gebe es zahlreiche weitere Kunden, darunter die amerikanische Regierung.

Der Markt für die Lieferwagen von Streetscooter sei enorm groß, sagte Krause. In den kommenden Jahren müssten in sämtlichen Städten weltweit die Lieferwagen mit Verbrennungsmotor durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. „Jeder will das Problem lösen, aber es gibt keine Fahrzeuge“, sagte Krause. Etliche mögliche Kunden, darunter Autovermieter und Leasingfirmen, hätten deshalb bei Odin Automotive schon Interesse an Streetscooter-Fahrzeugen angemeldet. Die Marketingaktivitäten des Herstellers hätten aber gerade erst begonnen. „Wir wollen den Namen ändern, eine neue Marke etablieren“, so Krause. Zudem wolle Odin Automotive in den kommenden Jahren weitere Mobilitätsunternehmen kaufen, um ein breiteres Produktangebot zu haben: „Odin Automotive soll ein globaler Player für Mobilitätslösungen in Großstädten werden.“

Neben Odin Automotive ist Stefan Krause bei einer Mantelgesellschaft (SPAC, Special Purpose Acquisition Company) engagiert, die in europäische Mobilitätsunternehmen investieren will. Europäische Start-ups im Bereich Mobilität seien technisch ähnlich gut wie amerikanische, aber oft nicht mit genügend Kapital ausgestattet, um globale Anbieter werden zu können, sagte Krause. Sie bräuchten „ordentlichen Finanzspritzen von ein paar hundert Millionen Euro“, um global mitspielen zu können. Dies könne die Mantelgesellschaft gewährleisten. Sie sei mit führenden europäischen Anbietern im Bereich Mobilität im Gespräch und stehe bei zwei oder drei Firmen kurz vor einer Übernahme. Diese Firmen seien E-Auto-Hersteller, Hersteller von Komponenten für autonome Fahrzeuge und von Softwareplattformen. Über die Mantelgesellschaft sollten sie in den USA an die Börse gebracht „und globale Player“ werden. 

Jetzt reinhören: Odin-Automotive-Chef Stefan Krause im exklusiven Podcast-Interview.

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