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Oldtimer Ruhig Blut beim Oldtimer-Kauf

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Interesse an Fahrzeugen aus den 1990er Jahren

Ähnlich sieht es Wolfgang Jochum, der beim Internet-Auktionshaus Auctionata das Classic Car Department leitet. „Die stetige, sehr starke Preisentwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass sich teilweise unrealistisch hohe Preisvorstellungen in den Köpfen der Verkäufer festgesetzt haben“, kritisiert er. Belege dafür finden sich nicht nur in den einschlägigen Internet-Börsen, sondern auch auf den bekannten Fachmessen.

Auf der Retro Classic, der großen Oldtimer-Messe in Stuttgart, war dieser Tage denn auch viel von „Mondpreisen“ die Rede: Selbst ein von Rost befallenes Exemplar des Porsche 911 aus den 1970er Jahren war hier kaum für unter 100.000 Euro zu bekommen, selbst für heruntergekommene Mercedes-Pagoden aus den 1960er Jahren wurden Preise um die 150.000 Euro aufgerufen.

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    Zehn erschwingliche Oldtimer
    Renault 16 Bauzeit: 1965-1980 Preis im Zustand 2: 7.000-9.000 Euro Quelle: Presse
    Ford Capri I 2600Bauzeit: 1970-1973 Preis im Zustand 2: 10.000-12.000 Euro Quelle: Presse
    BMW 2800 CS Bauzeit: 1968-1971 Preis im Zustand 2: 18.000-20.000 Euro Quelle: Presse
    Opel GT 1900Bauzeit: 1968-1973 Preis im Zustand 2: 15.000-19.000 Euro Quelle: Presse
    Porsche 944Bauzeit: 1981-1987 Preis im Zustand 2: 10.000-12.000 Euro Quelle: Presse
    Audi Coupé SBauzeit: 1970-1976 Preis im Zustand 2: 15.000-19.000 Euro Quelle: Presse
    Peugeot 404 CabrioletBauzeit: 1962-1964 Preis im Zustand 2: 21.000-25.000 Euro Quelle: Peugeot

    Und bei einer Auktion von 50 Young- und Oldtimern durch Classicbid auf der Messe blieben trotz intensiver Werbung und einer großen Zahl von zahlungskräftigen Interessenten mehr Autos stehen als vom Anbieter erhofft. Auch das belegt: Gekauft wird längst nicht mehr alles, was auf den Markt geworfen wird. Der Verkäufermarkt wandelt sich zum Käufermarkt.

    Generationswechsel im Gange

    Und noch eine andere Entwicklung kristallisiert sich bei den Besuchen von Fachmessen und Auktionen heraus: Das Interesse an Fahrzeugen aus den 1990er-Jahren steigt stärker als das an den klassischen Oldtimern, für das der deutsche Gesetzgeber ein Mindestalter von 30 Jahren vorsieht. Hier zeichnet sich offenbar ein Generationenwechsel ab: Mit Vorkriegsfahrzeugen oder Autos der Wirtschaftswunderzeit lässt sich die zu Wohlstand gekommene „Generation X“ nicht reizen. Ihre Traumwagen heißen Mercedes 190 E 2.5-16 Evo 2, Porsche 993, Ferrari Testarossa oder Lancia Delta Integrale. Ein Jaguar E-Type lässt sie ebenso kalt wie eine Mercedes Pagode oder ein spartanischer Porsche 356, für die sich noch ihre Eltern begeistern konnten.

    Oldtimer und ihre Bewertung

    „Die Preise beispielsweise für einen Porsche 964 sind in jüngster Zeit stärker angezogen als die für ein G-Modell“, fällt Heinz Gottwick von der Classic Garage Gottwick in Stuttgart auf. Kein Wunder: Die Youngtimer haben in aller Regel bereits Servolenkung und ABS an Bord, oft auch schon Airbags und einen Katalysator. Das macht sie alltagstauglich und lässt sie auch ohne H-Kennzeichen problemlos durch Umweltzonen rollen.

    Michael Haag vom Auktionshaus Coys Europe blickt deshalb der „Mega-Auktion“ gespannt entgegen, die er und seine Kollegen am 9. April am Rande der Techno Classica in Essen (6. bis 10. April) durchführen. In der Gruga-Halle kommen insgesamt 130 mehr oder minder alte Autos verschiedener Marken unter den Hammer. Für jeden Geschmack und Geldbeutel, für jede Generation und jeden Genießertyp ist etwas dabei. Aufgerufen werden jede Menge Ferraris und Porsches, BMWs und Jaguars, aber auch hochpreisige Exoten – und wunderschöne Youngtimer mit noch großem Wertsteigerungspotenzial wie ein Ferrari 456 GT von 1996, ein Aston Martin DB7 Cabriolet von 1999 oder ein Porsche 964 Turbo von 1994. Wenn es gut läuft, könnte am Ende der Auktion ein Verkaufsergebnis von rund 15 Millionen Euro stehen. 

    Eine Prognose mag Haag nicht abgeben. „Die Leute sind vorsichtiger geworden bei ihren Käufen.“ Aber das sei nur natürlich: „Man kauft ja schließlich auch nicht blind jede Aktie.“ Geld sei jedenfalls mehr als genug vorhanden und ein seltenes, gut ausgesuchtes altes Auto in einer Zeit, in der Sparer von der europäischen Geldpolitik abgestraft werden, immer noch ein gutes Investment – „auch wenn,“, so mahnt er, „die potenzielle Wertsteigerung nie der alleine Grund für den Erwerb eines Oldtimers sein sollte, sondern immer nur ein angenehmes Beiwerk.“ Auch für Garagengold gebe es schließlich keine Zinsen, der Besitz einer automobilen Pretiose koste erst einmal: Benzin, Versicherung, Pflege, Unterbringung. Und erst beim Wiederverkauf zeige sich, ob man das richtige Objekt erworben hat. Haag: „Das will alles bedacht sein.“

    Vor Schnellschüssen im Eifer des Bietergefechts und getrieben von Gier sei also gewarnt. Es gilt, bei allen Emotionen und der Faszination, die alte Technik auslösen kann, ruhig Blut zu bewahren. Das gilt auch, wenn die Versteigerung in Essen zum Höhepunkt kommt und ein Rennwagen-Unikats aus der ehemaligen DDR aufgerufen wird: Der „Große Werkmeister“.

    1952 bauten ehemalige Mitarbeiter der Auto Union in Thüringen unter Verwendung eines BMW-Motors einen Monoposto auf, um damit an Rennen der Formel 2 teilzunehmen. Geschätzt wird der Wert des Wagens, der in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert wurde, auf rund eine Million Euro. Ob der Schätzpreis erreicht wird, vielleicht sogar übertroffen? Haag ist optimistisch: „Die teuersten Autos sind immer am leichtesten zu verkaufen.“

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