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Oldtimer Ruhig Blut beim Oldtimer-Kauf

Auf dem Markt für klassische Automobile zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Geld ist dank Nullzins-Politik der EZB zwar reichlich vorhanden. Aber die Käufer sind nicht mehr gewillt, Mondpreise für altes Blech zu bezahlen. Bei Auktionen und auf Messen bleiben deshalb immer öfter teure Autos stehen. Zudem zeichnet sich ein Generationenwechsel ab.

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Fünf neue bei den zehn teuersten Oldtimern
Oldtimer-Sammler im High-End-Bereich Quelle: PR
„Keines der Top-Ten-Ergebnisse ist älter als 2013!“ wundert sich Oldtimer-Experte Frank Wilke von Classic Analytics Quelle: PR
Platz 10: Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Speciale Quelle: PR
Platz 9: Ferrari 250 GT California Spyder Quelle: PR
Platz 8: Ferrari 250 LM Quelle: PR
Platz 7: Ferrari 250 GT California Spyder (LWB) Quelle: PR
Platz 6: Ferrari 375 Plus Competizione von 1954. Zuschlag bei 18,4 Millionen Dollar. Quelle: PR

Die Chromteile sind auf Hochglanz poliert, die dunkelbraunen Ledersitze des Mercedes 300 SL Roadster haben eine wunderbare Patina, die Karosserie ist komplett rostfrei und frei von Kratzern. Wie aus der umfangreichen Fahrzeugakte hervorgeht, wurde der Sportwagen am 11. Dezember 1961 an seinen Erstbesitzer Josef Binder aus Scheidegg am Bodensee ausgeliefert.

Der erfolgreiche Werbegrafiker aus dem Allgäu liebte den Wagen offenbar über alles. Er ließ ihn öfter warten als nötig, bewegte ihn dafür seltener als üblich – und verkaufte ihn nach etwas mehr als vier Jahren aus Altersgründen an einen befreundeten Architekten aus Stuttgart. In dieser Familie blieb das Cabriolet dann mehr als 40 Jahre, die Wartungsgeschichte auch für diesen Zeitraum ist komplett erhalten. Mit einem Wort: Ein echter Traumwagen, gestern wie heute. Auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro haben die Experten des britischen Auktionshauses Bonhams den Oldtimer taxiert.

Ebenso extravagant und teuer ist der Mercedes-Benz 24/100, der vergangene Woche bei der Auktion von Bonhams im Mercedes-Museum nahe der Ikone aus den 1960er-Jahren parkt, bevor er vor die Bieterversammlung geschoben wird: Der in zwei Grüntönen lackierte und mit rotem Leder ausgeschlagene Klassiker wurde 1928 nach den Wünschen des amerikanischen Erstbesitzers von dem berühmten französischen Wagenbauer Jacques Saoutchik karossiert und von Mercedes mit einem 140 PS starken Kompressor-Motor versehen, den Ferdinand Porsche konstruiert hatte. Zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Euro, befanden die Experten, sollte dieses automobile Kunstwerk Freunden viersitziger Cabriolets aus den angeblich so goldenen Zwanziger Jahren wert sein.

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    32 Millionen für einen Ferrari
    Modell: Ferrari 355S Baujahr: 1957 Besonderheit: Graf Berghe von Trips fuhr in diesem Wagen die Mille Miglia Auktion: 5. Februar 2016 Schätzwert: 28.000.000 - 32.000.000 Euro Zuschlag: 32.075.200 Euro Details finden Sie hier. Quelle: Artcurial
    Modell: Mercedes 24/100 Baujahr: 1928 Besonderheit: Nach den Wünschen des amerikanischen Erstbesitzers von dem berühmten französischen Wagenbauer Jacques Saoutchik karossiert und von Mercedes mit einem 140 PS starken Kompressor-Motor versehen Auktion: 19. März 2016 im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart Schätzwert: 800.000 - 1200.000 Euro Zuschlag: 862.000 Euro Details finden Sie hier. Quelle: Bonhams
    Modell: Mercedes 24/100 Baujahr: 1928 Besonderheit: Nach den Wünschen des amerikanischen Erstbesitzers von dem berühmten französischen Wagenbauer Jacques Saoutchik karossiert und von Mercedes mit einem 140 PS starken Kompressor-Motor versehen Auktion: 19. März 2016 im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart Schätzwert: 800.000 - 1200.000 Euro Zuschlag: 862.000 Euro Details finden Sie hier. Quelle: Bonhams
    Modell: Mercedes-Benz SLR McLaren Stirling Moss Baujahr: 2009 Besonderheit: Sonderedition des McLaren SLR von 75 Exemplaren Auktion: 19. März 2016 im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart Schätzwert: - Euro Zuschlag: 2.300.000 Euro Details finden Sie hier. Quelle: Bonhams
    Modell: Mercedes-Benz SLR McLaren Stirling Moss Baujahr: 2009 Besonderheit: Sonderedition des McLaren SLR von 75 Exemplaren Auktion: 19. März 2016 im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart Schätzwert: - Euro Zuschlag: 2.300.000 Euro Details finden Sie hier. Quelle: Bonhams
    Modell: Ferrari 330 GT/C Baujahr: 1968 Besonderheit: Erstbesitzer des Ferrari, der unter Kennern als der beste Allround-V12 gilt, war Heinz-Dieter Blatzheim, ein Rennfahrer und Sammler. Auktion: 9. April 2016 auf der Techno Classica in Essen Schätzwert: 600.000 - 700.000 Euro Zuschlag: Auktion steht noch aus Details finden Sie hier. Quelle: Coys Europe
    Modell: Großer Werkmeister Baujahr: 1952 Besonderheit: Rennwagen-Unikat aus der DDR Auktion: 9. April 2016 auf der Techno Classica in Essen Schätzwert: 1.000.000 Euro Zuschlag: Auktion steht noch aus Details finden Sie hier. Quelle: Coys Europe

    Doch die hohen Erwartungen erfüllen sich bei der dritten „Mercedes-Benz Auction“ von Bonhams in Stuttgart nur zum Teil. Beim fast 90 Jahre alten Kompressor-Wagen klettern die Gebote tatsächlich in atemberaubendem Tempo von 450.000 bis auf über 800.000 Euro. Der Zuschlag erfolgt schließlich zu einem Preis von 862.000 Euro (inklusive 15 Prozent Aufgeld für den Auktionator sowie 19 Prozent Umsatzsteuer) an eine Bietergruppe aus dem Mittleren Osten.

    Für den 300 SL findet sich kein Käufer

    Bei der Versteigerung des 55 Jahre alten SL Roadsters jedoch geht nach einem ähnlich furiosen Auftakt sowohl dem Auktionator wie den Bietern der Atem aus – weil der Mindestpreis nicht erreicht wird, zieht der Verkäufer das Fahrzeug zurück. Und das passiert an diesem Nachmittag noch mehrmals: Von den insgesamt 56 angebotenen Fahrzeugen finden lediglich 27 einen neuen Käufer – der Rest bleibt unter dem Estimate.

    Dieses Schicksal erleiden bis zum Abend auch fünf weitere hochwertige Kompressorfahrzeuge, die ein Sammler aus den USA eingeliefert hat. Die Gebote für ein ebenfalls von Saoutchik karossiertes Mercedes-Benz 500 K Cabriolet aus dem Jahr 1935 kommen nicht einmal annähernd an den Schätzpreis von fünf bis sieben Millionen Euro heran. Den Höchstpreis des Tages erzielt dagegen ein Auto, das nicht einmal sechs Jahre alt ist: Ein 617 PS starkes Sondermodell des Supersportwagens Mercedes-Benz SLR McLaren geht für 2,3 Millionen Euro an einen jungen Bieter aus Saudi-Arabien.

    Die zehn schönsten Oldtimer-Rallyes
    Bodensee-KlassikCharakter: Sportliche Wertungsfahrt als Gleichmäßigkeits- und Zuverlässigkeits-Veranstaltung Zugelassene Autos: Old- und Youngtimer bis zum Baujahr 1995 Dauer: 5 Etappen in 3 Tagen Streckenlänge: ca. 600 Kilometer durchs Voralpenland Nenngeld: 1490 Euro für 2 Personen Besonderheiten: Hohe Promidichte, wertvolle Preise, wunderschöne Landschaften Quelle: Presse
    Bosch Boxberg KlassikCharakter: Oldtimer-Ausfahrt mit Gleichmäßigkeits- und Zuverlässigkeitsprüfungen sowie zahlreichen Geschicklichkeitsübungen Zugelassene Autos: Old- und Youngtimer bis zum Baujahr 1985 Dauer: 5 Etappen in 2 Tagen Streckenlänge: ca 300 Kilometer durchs Hohenloher Land Nenngeld: 390 Euro Besonderheiten: Rallye mit familiären Charakter, organisiert durch den Verein der Bosch-Oldtimer-Schrauber; perfekter Werkstatt-Service; Abwechslungsreiche Wertungsprüfungen auf dem Bosch-Testgelände inklusive Rundkurs. Quelle: Presse
    Donau ClassicCharakter: Gleichmäßigkeitsfahrt für historische Fahrzeuge durch Zentralbayern Zugelassene Autos: Old- und Youngtimer bis Baujahr 1991 Dauer: Zweieinhalb Tage Streckenlänge: rund 500 Kilometer in drei Etappen Nenngeld: 1030 Euro (Frühbucher 990 Euro) Besonderheiten: größte Oldtimer-Rallye mit einem internationalen Starterfeld und vielen Vorkriegs-Pretiosen bis zu 250 Autos; perfekte Organisation dank Sponsoring durch Audi Tradition Quelle: Presse
    Heidelberg HistoricCharakter: Sportlich-herausfordernde Rallye durch das Kraichgau und die Kurpfalz Zugelassene Autos: Oldtimer bis zum Baujahr 1976; Sonderklasse auf Einladung Dauer: Zweieinhalb Tage Streckenlänge: 590 Kilometer, mit 16 Gleichmäßigkeitsprüfungen auf abgesperrten Strecken Nenngeld: 790 Euro (inklusive Übernachtungen 1120 Euro) Besonderheiten: Hohe Promidichte, hohe Beteiligung der Öffentlichkeit durch Anfahrt historischer Marktplätze; A-Event der FIVA; wertvolle Preise
    Sachs Franken-ClassicCharakter:  Sportlich-ambitionierte Wertungsfahrt als Gleichmäßigkeits- und Zuverlässigkeits-Veranstaltung mit rund 20 Prüfungen; auf Wunsch auch ohne Wertungsprüfungen Zugelassene Autos: Oldtimer bis zum Baujahr 1983; Fahrzeuge mit besonderer Bedeutung im Rallyesport Dauer: Zweieinhalb Tage mit Prolog Streckenlänge: rund 500 Kilometer mit vier Etappen Nenngeld: 1290 Euro (Frühbucher ab 990 Euro) Besonderheiten: Fahren wie Gott in Franken unter großer öffentlicher Beteiligung - von Bad Kissingen über die Rhön bis Würzburg und Schweinfurt; SMS-Ergebnisdienst; Siegerehrungen mit großem Showprogramm; Wertungsprüfungen auf abgesperrten Stadtrundkursen. Quelle: Presse
    Sachsen ClassicCharakter: Sportlich ambitionierte Gleichmäßigkeits- und Zuverlässigkeitsprüfung für historisch wertvolle Autos und Motorräder Zugelassene Fahrzeuge: Oldtimer bis Baujahr 1977, ausgewählte Youngtimer bis Baujahr 1995 Dauer: 3 Tage Streckenlänge: 620 Kilometer in 3 Etappen Nenngeld: 1650 Euro Besonderheiten: Hier kommt es auf jedes Hunderstel einer Sekunde an; einmalige Landschaften und eine rege Teilnahme der Bevölkerung lassen Mille-Miglia-Feeling aufkommen; hohe Promi-Dichte durch zahlreiche Sponsoren aus der Industrie. Quelle: Presse
    Hamburg-Berlin-KlassikCharakter: Sportliche Wertungsfahrt auf Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit für bis zu 180 Autos Zugelassene Autos: Oldtimer und Youngtimer bis 1995 Dauer: 3 Tage Streckenlänge: 750 Kilometer in sechs Etappen Nenngeld: 1490 Euro, Rallye-Lehrgang 100 Euro Besonderheiten: Große Nord-Rallye, die auf Seitenstraßen und durch einsame Landschaften im ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet von Berlin aus in die Hansestadt führt; große Industriebeteiligung mit hoher Promi-Quote. Quelle: Presse

    In den zurückliegenden fünf Jahren blühte der Handel mit historischen Fahrzeugen, galten seltene Autos als lukrative Wertanlage, als Alternative zu Aktien und Immobilien in der Nullzins-Ära. Oldtimer von Mercedes, aber auch von Ferrari und Porsche erlebten deshalb in kürzester Zeit zum Teil phantastische Wertsteigerungen. Platzt die Blase jetzt, wird aus dem vielgefeierten „Garagen-Gold“ jetzt wieder einfach nur altes Blech? Oder war die trotz perfekter Rahmenbedingungen enttäuschende Verkaufsquote von 51 Prozent bei der Oldtimer-Auktion in Stuttgart nur ein Ausreißer, geschuldet der hohen Dichte ähnlicher Veranstaltungen in diesem Frühjahr?

    Kein Grund zur Panik, meint Dietrich Hatlapa. Der ehemalige Investmentbanker zählt zu den besten Kennern des Oldtimer-Marktes. Der von ihm entwickelte HAGI-Index bildet seit vielen die Preisentwicklung in diesem Geschäft ab und gilt als wichtigster Gradmesser der Branche. Basis dafür sind im Wesentlichen die Verkaufs-Ergebnisse, die weltweit bei Versteigerungen von automobilen Klassikern und Vintage Cars – wir reden von Autos mit Preisen von deutlich über 100.000 Euro bis hin zu mehreren Millionen – erzielt werden.

    Die wichtigstens Accessoires für Rallyefahrer

    „Wir erleben derzeit eine Konsolidierung des Marktes nach einer Phase der Überhitzung“, fasst Hatlapa seine Beobachtungen der vergangenen Wochen zusammen. So lag der HAGI-Index Ende Februar mit 308,5 Punkten zwar um 0,32 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dafür habe der Index für Oldtimer der Marke Mercedes einen neuen Höchstwert erreicht und notiere fast vier Prozent höher als zu Jahresbeginn. Sehr gute Ergebnisse, die der legendäre Flügeltürer 300 SL und das Coupes der Baureihe W111 kürzlich bei Auktionen in Paris erzielten, schlügen sich hier nieder.

    Dafür sei bei anderen Marken und Modellen die Preisentwicklung ins Stocken geraten. Hatlapa: „Jetzt trennen sich Spreu und Weizen“. Die Nachfrage nach erstklassigen Fahrzeugen in Top-Zustand und mit besonderer Geschichte, so seine Prognose, werde weiter anziehen. Dafür beruhige sich nun der Handel mit Allerwelt-Oldtimern in durchschnittlich gutem Zustand und ohne besondere Herkunft. Hatlapa: „Und das ist gut so.“

    Interesse an Fahrzeugen aus den 1990er Jahren

    Ähnlich sieht es Wolfgang Jochum, der beim Internet-Auktionshaus Auctionata das Classic Car Department leitet. „Die stetige, sehr starke Preisentwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass sich teilweise unrealistisch hohe Preisvorstellungen in den Köpfen der Verkäufer festgesetzt haben“, kritisiert er. Belege dafür finden sich nicht nur in den einschlägigen Internet-Börsen, sondern auch auf den bekannten Fachmessen.

    Auf der Retro Classic, der großen Oldtimer-Messe in Stuttgart, war dieser Tage denn auch viel von „Mondpreisen“ die Rede: Selbst ein von Rost befallenes Exemplar des Porsche 911 aus den 1970er Jahren war hier kaum für unter 100.000 Euro zu bekommen, selbst für heruntergekommene Mercedes-Pagoden aus den 1960er Jahren wurden Preise um die 150.000 Euro aufgerufen.

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      Zehn erschwingliche Oldtimer
      Renault 16 Bauzeit: 1965-1980 Preis im Zustand 2: 7.000-9.000 Euro Quelle: Presse
      Ford Capri I 2600Bauzeit: 1970-1973 Preis im Zustand 2: 10.000-12.000 Euro Quelle: Presse
      BMW 2800 CS Bauzeit: 1968-1971 Preis im Zustand 2: 18.000-20.000 Euro Quelle: Presse
      Opel GT 1900Bauzeit: 1968-1973 Preis im Zustand 2: 15.000-19.000 Euro Quelle: Presse
      Porsche 944Bauzeit: 1981-1987 Preis im Zustand 2: 10.000-12.000 Euro Quelle: Presse
      Audi Coupé SBauzeit: 1970-1976 Preis im Zustand 2: 15.000-19.000 Euro Quelle: Presse
      Peugeot 404 CabrioletBauzeit: 1962-1964 Preis im Zustand 2: 21.000-25.000 Euro Quelle: Peugeot

      Und bei einer Auktion von 50 Young- und Oldtimern durch Classicbid auf der Messe blieben trotz intensiver Werbung und einer großen Zahl von zahlungskräftigen Interessenten mehr Autos stehen als vom Anbieter erhofft. Auch das belegt: Gekauft wird längst nicht mehr alles, was auf den Markt geworfen wird. Der Verkäufermarkt wandelt sich zum Käufermarkt.

      Generationswechsel im Gange

      Und noch eine andere Entwicklung kristallisiert sich bei den Besuchen von Fachmessen und Auktionen heraus: Das Interesse an Fahrzeugen aus den 1990er-Jahren steigt stärker als das an den klassischen Oldtimern, für das der deutsche Gesetzgeber ein Mindestalter von 30 Jahren vorsieht. Hier zeichnet sich offenbar ein Generationenwechsel ab: Mit Vorkriegsfahrzeugen oder Autos der Wirtschaftswunderzeit lässt sich die zu Wohlstand gekommene „Generation X“ nicht reizen. Ihre Traumwagen heißen Mercedes 190 E 2.5-16 Evo 2, Porsche 993, Ferrari Testarossa oder Lancia Delta Integrale. Ein Jaguar E-Type lässt sie ebenso kalt wie eine Mercedes Pagode oder ein spartanischer Porsche 356, für die sich noch ihre Eltern begeistern konnten.

      Oldtimer und ihre Bewertung

      „Die Preise beispielsweise für einen Porsche 964 sind in jüngster Zeit stärker angezogen als die für ein G-Modell“, fällt Heinz Gottwick von der Classic Garage Gottwick in Stuttgart auf. Kein Wunder: Die Youngtimer haben in aller Regel bereits Servolenkung und ABS an Bord, oft auch schon Airbags und einen Katalysator. Das macht sie alltagstauglich und lässt sie auch ohne H-Kennzeichen problemlos durch Umweltzonen rollen.

      Michael Haag vom Auktionshaus Coys Europe blickt deshalb der „Mega-Auktion“ gespannt entgegen, die er und seine Kollegen am 9. April am Rande der Techno Classica in Essen (6. bis 10. April) durchführen. In der Gruga-Halle kommen insgesamt 130 mehr oder minder alte Autos verschiedener Marken unter den Hammer. Für jeden Geschmack und Geldbeutel, für jede Generation und jeden Genießertyp ist etwas dabei. Aufgerufen werden jede Menge Ferraris und Porsches, BMWs und Jaguars, aber auch hochpreisige Exoten – und wunderschöne Youngtimer mit noch großem Wertsteigerungspotenzial wie ein Ferrari 456 GT von 1996, ein Aston Martin DB7 Cabriolet von 1999 oder ein Porsche 964 Turbo von 1994. Wenn es gut läuft, könnte am Ende der Auktion ein Verkaufsergebnis von rund 15 Millionen Euro stehen. 

      Eine Prognose mag Haag nicht abgeben. „Die Leute sind vorsichtiger geworden bei ihren Käufen.“ Aber das sei nur natürlich: „Man kauft ja schließlich auch nicht blind jede Aktie.“ Geld sei jedenfalls mehr als genug vorhanden und ein seltenes, gut ausgesuchtes altes Auto in einer Zeit, in der Sparer von der europäischen Geldpolitik abgestraft werden, immer noch ein gutes Investment – „auch wenn,“, so mahnt er, „die potenzielle Wertsteigerung nie der alleine Grund für den Erwerb eines Oldtimers sein sollte, sondern immer nur ein angenehmes Beiwerk.“ Auch für Garagengold gebe es schließlich keine Zinsen, der Besitz einer automobilen Pretiose koste erst einmal: Benzin, Versicherung, Pflege, Unterbringung. Und erst beim Wiederverkauf zeige sich, ob man das richtige Objekt erworben hat. Haag: „Das will alles bedacht sein.“

      Vor Schnellschüssen im Eifer des Bietergefechts und getrieben von Gier sei also gewarnt. Es gilt, bei allen Emotionen und der Faszination, die alte Technik auslösen kann, ruhig Blut zu bewahren. Das gilt auch, wenn die Versteigerung in Essen zum Höhepunkt kommt und ein Rennwagen-Unikats aus der ehemaligen DDR aufgerufen wird: Der „Große Werkmeister“.

      1952 bauten ehemalige Mitarbeiter der Auto Union in Thüringen unter Verwendung eines BMW-Motors einen Monoposto auf, um damit an Rennen der Formel 2 teilzunehmen. Geschätzt wird der Wert des Wagens, der in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert wurde, auf rund eine Million Euro. Ob der Schätzpreis erreicht wird, vielleicht sogar übertroffen? Haag ist optimistisch: „Die teuersten Autos sind immer am leichtesten zu verkaufen.“

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