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Oliver Zipse Dafür steht der neue starke Mann bei BMW

Oliver Zipse wird schon im August neuer Vorstandsvorsitzender von BMW. Was ist vom neuen Chef zu erwarten? Quelle: imago images

Mit Oliver Zipse steigt erneut ein Produktionsvorstand zum Chef von BMW auf. Er soll beim Konzern mit starker Hand die Wende schaffen, damit der Konzern auch in der elektrischen Automobil-Zukunft bestehen kann.

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In der Automobilindustrie hat sich der künftige BMW-Chef Oliver Zipse schon einen Namen gemacht. Der 55-Jährige steht dafür, dass die Münchner ihre Produktion durch ein ausgeklügeltes Netz an weltumspannenden Produktionsstandorten weniger abhängig von Handelskonflikten und konjunkturellen Schwankungen gemacht haben. So baut der Konzern mit dem weiß-blauen Logo etwa den gefragten Stadtgeländewagen X3 inzwischen in den USA, China und Südafrika und kann die Märkte so je nach Bedarf beliefern. BMW gilt deshalb in der Branche als vorbildlich. „Wenn etwas rund läuft bei denen, dann sind es die Werke“, lobt ein Brancheninsider.

Doch sonst läuft es bei BMW gar nicht rund. Die Münchner haben mit dem batteriegetriebenen i3 und dem i8 zwar früh auf Elektromobilität gesetzt, drohen nun aber abgehängt zu werden, da Konkurrenten wie Volkswagen massiv in E-Autos investieren. Der Druck ist nach Ansicht von Experten noch dadurch gestiegen, dass BMW zu Jahresbeginn im Autogeschäft erstmals seit zehn Jahren einen Verlust geschrieben hat und vor harten Einschnitten steht. Nach dem Rücktritt von Harald Krüger soll Oliver Zipse nun der „starke Mann“ auf dem Chefposten sein, der das Steuer herumreißt.

Mit dem Manager mit dem Schmiss an der Oberlippe verbindet man bei BMW den Wunsch nach stärkerer Führung. „Das ist einer, der sagt, wo es langgeht“, beschreibt ein enger Mitarbeiter Zipse. Das sei eine Eigenschaft, die man im BMW-Vierzylinder an der Münchner Stadtautobahn seit einiger Zeit an der Unternehmensspitze vermisst habe. Zipse wird nachgesagt, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen. „Eher im Gegenteil. Er ist sehr entscheidungs- und durchsetzungsstark. Wenn er eine Position für sich gefunden hat, dann setzt er die auch durch“, sagt der Vertraute.

Als Erfolg gilt auch das System von Leit- und Partnerwerken, das Zipse eingeführt hat. Seitdem haben Standorte die Oberaufsicht für bestimmte Fahrzeugsegmente, andere müssen sich unterordnen. Spartanburg etwa hat eine führende Rolle bei der X-Baureihe. Zugerechnet wird Zipse auch, dass er damit begonnen hat, die Produktion so aufzustellen, dass die Werke alle Antriebsarten bauen können, vom Verbrenner über Hybridautos bis zum reinen Stromer.

Der letzte Schlipsträger

Erfolge in der Produktion allein reichen nach Meinung von Experten jedoch nicht, um einen Autobauer auf dem Weg in die Elektromobilität zu steuern – der sich zudem gegen die zunehmende Konkurrenz von IT-Konzernen behaupten muss. „Ein CEO muss eine Vorstellung davon haben, wie sich die Mobilität in Zukunft entwickeln wird. Das geht weit über die Optimierung eines bestehenden Geschäfts hinaus“, sagt Carsten Breitfeld, Chief Executive von Iconiq Motors aus China und selbst ehemaliger BMW-Ingenieur. „Er muss in der Lage sein, Teams aufzubauen, Talente anzuziehen und eine Kultur zu fördern, die sich zunehmend an der Unterhaltungselektronik und der Dynamik des Internet orientiert“, so Breitfeld. Der Chef eines Autokonzerns müsse begeistern können und die Mitarbeiter mitnehmen.

Das gehörte bisher nicht unbedingt zu Zipses Stärken. Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen, verheiratet mit einer Japanerin, wird eher als Manager alter Schule beschrieben. Er ist einer der letzten Schlipsträger in der Branche. Dagegen trat der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche zuletzt auch auf großer Bühne gerne in Turnschuhen und Jeans auf. Auch Volkswagen-Chef Herbert Diess, selbst früher bei BMW, gibt sich gerne lässig.

Zipse gilt aber als gewandter Gesprächspartner, der auch mal die Ellbogen ausfahren kann. Das sei kein Nachteil in einer Branche, in der der Wettbewerb eher schärfer werde, meinen Experten. Ob er auch gut darin sei, Partnerschaften zu managen, müsse abgewartet werden. Solche Vereinbarungen mit anderen Autobauern werden immer wichtiger, um die Kosten zu senken.

War Krüger zu sanft?

Krüger, der nach wochenlangen Spekulationen über seine Zukunft an der BMW-Spitze Anfang Juli seinen Rückzug erklärt hatte, pflegte eine Führungskultur, die auf Konsens setzt. 2015 war der damals jüngste Vorstandschef eines Automobilherstellers vom Aufsichtsrat ausgewählt worden, um das „Wir-Gefühl“ bei BMW zu stärken, wie ein früherer BMW-Manager sagt, der bei dem Autobauer noch bestens verdrahtet ist. Zuletzt sei Krüger aber vorgeworfen worden, er sei zu nachdenklich. „Krüger war vielleicht damals die richtige Entscheidung. Doch inzwischen haben sich die Zeiten geändert.“

Dem „starken Mann“, als der Zipse intern gilt, gehören daher bei BMW viele Sympathien. Man erwartet von ihm, dass er vorangeht – und dabei nicht vergisst, die Mitarbeiter beim Wandel der Mobilität mitzunehmen. Das Produktionsressort war schon für andere Manager Sprungbrett an die Unternehmensspitze. Sowohl Krüger als auch dessen Vorgänger Joachim Milberg und Norbert Reithofer leiteten zunächst diese größte Sparte des Konzerns, bevor sie nach ganz oben befördert wurden. Reithofer wechselte 2015 in den Aufsichtsrat und übernahm dort den Stuhl von Milberg als Vorsitzender des Gremiums.

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