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Opel-Chef Karl-Thomas Neumann tritt zurück

Es hatte sich bereits angedeutet, jetzt ist klar: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wird den Autobauer bald verlassen. Was bedeutet das für die Übernahme durch PSA? Wer wird sein Nachfolger? Und was könnte Neumann machen?

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Opels Managerverschleiß auf dem Chefposten
Michael Lohscheller Quelle: Opel
Karl-Thomas Neumann Quelle: obs
Thomas Sedran Quelle: dpa
Stephen Girsky Quelle: dpa
Karl-Friedrich Stracke Quelle: dpa
Nick Reilly Quelle: REUTERS
Hans Demant Quelle: AP

Die Tage von Karl-Thomas Neumann bei Opel schienen bereits am Wochenende gezählt: Die „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ berichtete, er wolle das Unternehmen verlassen, sobald der Verkauf von General Motors an die französische Peugeot-Mutter PSA vollzogen sei.

Am Montag trat Neumann als Vorsitzender der Geschäftsführung des Autobauers zurück. Wie vermutet will er als Mitglied der Geschäftsführung an Bord bleiben, bis der Verkauf der GM-Tochter an Peugeot abgeschlossen sei – das teilte er zumindest über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum will Neumann Opel verlassen?

Seit den ersten Nachrichten über den Deal gab es Spekulationen über einen Abschied des 56 Jahre alten Neumann, dem eine Unterordnung unter PSA-Chef Carlos Tavares nicht zugetraut wurde. Schließlich hat Neumann den traditionsreichen Autobauer, der seit 1929 zum US-Konzern General Motors (GM) gehört, seit 2013 weitgehend eigenständig gelenkt. Diese Eigenständigkeit hätte Neumann eingebüßt, Paris wird Opel wohl an eine deutlich kürzere Leine nehmen als das die GM-Führung in Detroit gemacht hat. „Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten“, sagte der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz im Gespräch mit der „Automobilwoche“.



Zudem wird ein Dissens über die künftige Strategie von Opel vermutet. Neumann wollte Berichten zufolge die Rüsselsheimer – innerhalb von General Motors – zu einer reinen Elektromarke umbauen. Das sollte bis 2030 geschehen, wie das „Manager Magazin“ im Frühjahr berichtet hatte. An dem Fokus auf die Elektromobilität soll Neumann auch nach dem sich anbahnenden Eigentümerwechsel festgehalten haben. Er habe Sorge, ob die Franzosen die einschneidende Wirkung der Elektromobilität richtig erkennen.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärte jedoch, die Komplett-Umstellung von Opel bis 2030 sei unrealistisch. Man dürfe bei einer Volumen-Marke wie Opel die konventionellen Antriebe nicht so stark vernachlässigen, weil sie zu dem Zeitpunkt noch das weitaus größere Geschäftsfeld sein könnten. Das sieht die PSA-Spitze offenbar ganz ähnlich.

Was bedeutet das für Opel?

Obwohl Neumann sich in seinen vier Jahren in Rüsselsheim bei vielen Respekt verschafft hat – selbst Kritiker loben die griffige Werbung, das frische Image und die technisch stark verbesserte Produktpalette –, könnte es für das Unternehmen besser sein, wenn er Opel verlässt. PSA-Chef Tavares hat für Opel ambitionierte Pläne – regelmäßige Streitigkeiten zwischen den Managern würden das ganze Unterfangen lähmen. Und wenn PSA die Geduld verliert, stünde Opel wieder einmal vor einer ungewissen Zukunft.

Opels Produktionsstandorte in Europa

Dass Opel nun wohl ohne seinen technik-affinen Leitwolf nach Paris umparken muss, schwächt die Position des Unternehmens im neuen Konzern, glaubt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen. Schon während der Übergangsarbeiten konnte Neumann seine neue Machtlosigkeit erleben, wenn Betriebsräte und IG Metall die vereinbarten Produktions- und Entwicklungsvolumina in einem Tarifvertrag festschreiben wollten. Ihre Verhandlungspartner dafür kamen vom Mutterkonzern GM, der ein Übergangsteam nach Rüsselsheim entsandt hat.

Wer wird auf Neumann folgen?

Finanzchef Michael Lohscheller (48) übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung. „Glückwunsch, Michael Lohscheller! Mit Ihnen bekommt #Opel einen CEO, der das Unternehmen genau kennt. Das ist die gute Nachricht des Tages!“, schrieb Neumann bei Twitter.

Michael Lohscheller Quelle: Opel

Lohscheller ist seit September 2012 Chief Financial Officer und Geschäftsführer Finanzen und wechselte von VW nach Rüsselsheim. Bei den Wolfsburgern war er von 2004 bis 2007 Leiter Konzernmarketing und Vertriebssteuerung, danach leitete er bis zu seinem Wechsel das Finanzressort der Volkswagen Group of America. „Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen. Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und als Teil der PSA-Gruppe weiter an Schlagkraft gewinnen“, sagte Lohscheller laut einer Opel-Mitteilung. „Denn hier entsteht nach dem erwarteten Closing des Vertrags ein neuer europäischer Champion. “

Bereits zuvor war spekuliert worden, dass PSA auf eine interne Nachfolge setzt. Neben Lohscheller wurde auch Vertriebschef Peter Küspert für den Chefposten gehandelt, zudem wurden Marketing-Chefin Tina Müller in dem FAS-Bericht Chancen eingeräumt. Doch wie bei Neumann gab es auch um die Zukunft von Müller Gerüchte, seitdem der Verkauf an PSA bekannt wurde. Die von Müller ersonnene Kampagne „Umparken im Kopf“ war zwar unbestritten erfolgreich – doch ob es aus Paris künftig solche Freiheiten geben wird wie einst aus Detroit, ist unklar.

"Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn"

Was hat PSA mit Opel vor?

Opel soll so schnell wie möglich schwarze Zahlen schreiben. In einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag) bekräftigte Tavares seine Vorgabe, dass Opel spätestens 2020 Gewinn machen muss – allein mit dieser Zielmarke wären die von Neumann geplanten hohen Investitionen in die Elektromobilität utopisch. Den Plan für die Rückkehr in die Gewinnzone solle das Opel-Management innerhalb von 100 Tagen nach der Übernahme vorlegen und ihn dann umsetzen. Die FAZ spekuliert als Datum auf den 12. September, dem Beginn der Automesse IAA.

Tavares schweben dabei tiefgreifende Änderungen vor, um den Turnaround zu schaffen. „Es sind alle Führungskräfte eingeladen, mit mir den Weg zu gehen. Sie müssen nur wissen, dass es so wie bisher nicht bleiben kann“, so der Portugiese. Den erwarteten Abgang von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann kommentierte der PSA-Boss nur indirekt. Jeder müsse seine persönliche Entscheidung treffen, sagte er der Zeitung zufolge.

Wie wenig Opel noch in Opel ist
Opel Adam Quelle: Opel
Opel Karl Quelle: Opel
Opel Corsa Quelle: Opel
Opel Mokka X Quelle: Opel
Opel Ampera-e Quelle: Opel
Opel Astra Quelle: Opel
Opel Cascada Quelle: Opel

Opel solle so deutsch wie möglich bleiben, um sich mit den anderen Marken zu ergänzen meinte Tavares. Einsparmöglichkeiten sehe er insbesondere im Einkauf, beim Vertrieb und im Export. Beschäftigungsgarantien für die rund 38.000 Opel-Mitarbeiter über die bis 2018 laufenden Tarifverträge hinaus lehnte er aber ab. „Da muss man offen und ehrlich sein: Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn.“

Wie ist der Stand bei der Übernahme?

Die Übernahme könnte bereits im Sommer über die Bühne gehen. Der 31. Juli sei der frühestmögliche Zeitpunkt, sagte ein Opel-Sprecher vergangene Woche. Bis dahin müssten allerdings alle Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere die Freigabe durch die Kartellbehörden. Dies sei in einem Brief des Opel-Managements der Belegschaft mitgeteilt worden. Bisher war nur die zweite Jahreshälfte als Zeitraum genannt worden.

So fährt sich der erste Opel von Peugeot
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel
Opel Crossland X Quelle: Opel

Unter anderem sei auch eine Einigung in der Frage der Patente für Opel-Modelle erzielt worden, die dem bisherigen Mutterkonzern General Motors (GM) gehören. Es entstünde der zweitgrößte Autokonzern Europas nach Volkswagen.

Was macht Neumann nach seinem Ausscheiden bei Opel?

Die Zukunft des drahtigen Marathon-Läufers Neumann ist noch unklar. Der Elektro-Ingenieur hat in seiner Laufbahn für Motorola, Continental und in mehreren Positionen für den Volkswagen-Konzern gearbeitet und würde laut FAS gerne in der Branche bleiben. Hochrangige Entscheidungsträger bei Volkswagen könnten sich Neumann beispielsweise als Nachfolger des angeschlagenen Audi-Chefs Rupert Stadler gut vorstellen, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Neumann war lange Jahre bei VW. Unter anderem war er für die Elektromobilität zuständig und wurde später Chef des wichtigen China-Geschäfts. Der Niedersache würde Branchenexperten zufolge wegen seiner Affinität zur Elektromobilität gut zu Audi passen.

Der Vertrag von Audi-Chef Rupert Stadler ist zwar jüngst um fünf Jahre verlängert worden, doch dabei könnte es sich nur um ein taktisches Manöver gehandelt haben. Der Audi-Chef steht intern wegen seiner schlechten Kommunikation in der Dieselaffäre in der Kritik. Zuletzt hatte er in einem umstrittenen Interview mit der „Automobilwoche“ Verkehrsminister Dobrindt vorgeworfen, sich auf Kosten des Autobauers zu profilieren. Stadler hat Insidern zufolge nur unter der Bedingung eine Vertragsverlängerung erhalten, dass er vorzeitig von seinem Amt abtritt. Sprich: Stadler wird nur so lange gehalten, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist – was im Herbst der Fall sein könnte.

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