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Opel-Chef Lohscheller „Großer Wettbewerb um Investitionen im Konzern“

Exklusiv
Opel-Chef Michael Lohscheller. Quelle: dpa

Opel-Chef Michael Lohscheller ruft seine Mitarbeiter zum Kampf um Investitionen auf. Vor der Fusion des Mutterkonzerns PSA mit Fiat-Chrysler schwört er seine Belegschaft zudem auf neue Ziele ein.

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Opel-Chef Michael Lohscheller hat am späten Mittwochnachmittag auf einer digitalen Betriebsversammlung dafür geworben, im Konzern noch stärker um Investitionen zu kämpfen. Mit Verweis auf die im ersten Quartal bevorstehende Fusion der Opel-Mutter PSA mit Fiat Chrysler Automobiles (FCA) zum neuen Konzern Stellantis sagte er nach Informationen der WirtschaftsWoche: „Wir müssen uns intensiver und mit viel lauterer Stimme für Opel einsetzen.“ Ansonsten würden bei Stellantis Investitionen und Arbeit „woanders hingehen“: Das dürfe man nicht zulassen.

Lohscheller verwies darauf, dass etwa Fiat riesengroße Werke in der Türkei oder Polen habe. Man müsse jetzt die „Marke Opel schützen“. Es sei „enorm wichtig“, dass im kommenden Jahr die Produktion für das PSA-Modell DS4 in Rüsselsheim anlaufe. Die Volumina seien zwar nicht besonders groß, aber das Projekt habe eine riesige „innenpolitische Bedeutung“. Opel müsse es schaffen, „Arbeit aus dem Konzern zu uns zu holen“, berichteten Insider der WirtschaftsWoche über Lohschellers Worte. Man lebe in einem großen Konzern, wo viele Parteien schon heute versuchten, Investitionen und Arbeit an die eigenen Standorte zu holen. Opel sei da intern „in einem großen Wettbewerb“.
Dabei warb er auch dafür, sich von der Mutter PSA ein Stück weit zu emanzipieren: Es sei nicht immer besser, was von PSA komme. Man müsse nicht immer einfach alles kopieren, was aus Frankreich komme.

Mit Bezug auf Corona und die Situation in der Autoindustrie verwies Lohscheller darauf, dass sich auch Opel in einem „schweren Unwetter“ befinde. Es sei „nicht absehbar“, ob das Wetter in den nächsten Monaten besser werde. Opel habe schwierige Monate vor sich. Es gebe jedoch auch gute Nachrichten. In Kaiserslautern investiere Opel knapp zwei Milliarden Euro in die Fertigung von Batteriezellen für jährlich 500.000 Elektroautos. Lohscheller kündigte an, dass Opel künftig „500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr verkaufen“ werde. Die Zukunft von Opel sei elektrisch. Schon heute bestelle jeder dritte Privatkunde in Deutschland einen Corsa-e. Als positiv hob Lohscheller hervor, dass im kommenden Jahr die Produktion des Astra in Rüsselsheim anlaufen solle. Der Astra werde „Rüsselsheim als Fertigungsstandort für das nächste Jahrzehnt absichern“. Natürlich werde der Astra auch elektrifiziert.

Strafzahlungen aufgrund zu hoher CO2-Werte in der Flotte kann Opel nach Informationen der WirtschaftsWoche wohl vermeiden. Opel werde vermutlich „eine der besten, wenn nicht sogar die beste Marke“ beim Thema CO2 im Jahr 2020 werden. Man sei „sicher auf Kurs“.

Mit dem deutschen Marktanteil von fünf Prozent in 2020 und 6,3 Prozent im November zeigte sich Lohscheller mehr als unzufrieden: Das sei „überhaupt nicht zufriedenstellend“ und tue weder Opel noch dem Handel gut. Das entziehe Selbstvertrauen, man müsse dringend gegensteuern – sonst komme man in eine „Spirale“ aus weniger Volumen und weniger Volumen. Lohscheller verwies darauf, dass Deutschland der Heimatmarkt für Opel sei. „Hier müssen wir besser werden, hier müssen wir richtig gut unterwegs sein.“


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Auch Personalchef Ralph Wangemann sprach auf der Betriebsversammlung. Er betonte erneut, dass der Personalabbau „weit hinter den Erwartungen“ zurückliege. Opel will mehrere hundert weitere Stellen streichen, die Mitarbeiter sollen freiwillig gehen. Jetzt spreche man mit der IG Metall über den Tarifvertrag, mit dem Mitarbeiter eigentlich vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind. Opel stellte aber zuletzt in den Raum, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Denn der Vertrag enthält laut Wangemann eine Klausel, die es Opel erlaubt, den Vertrag zu kündigen, wenn der Schwellenwert von 15 Millionen in Europa verkauften Fahrzeugen unterschritten werde. Das werde dieses Jahr „definitiv der Fall“ sein, sagte er.

Laut der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) wurden im Jahr 2018 16,5 Millionen Fahrzeuge in der EU produziert, 2019 waren es über 18,5 Millionen. Mit der IG Metall versuche Opel jetzt aber, „Lösungen innerhalb des Tarifvertrages“ zu finden, sagte Wangemann. Opel will zudem die hochverzinste Altersvorsorge der Mitarbeiter kürzen. Zu dem Streit um diese Renten kündigte Wangemann an, dass Opel derzeit prüfe, eine Betriebsvereinbarung zur Rente zu kündigen, um das System zu modernisieren. Die Kündigung ist immer zum Jahreswechsel erlaubt. Noch hofft man auf eine Einigung mit dem Betriebsrat.

Opel wollte das nicht kommentieren, weil man sich zu Inhalten aus Betriebsversammlungen grundsätzlich nicht äußere.

Mehr zum Thema: Die geplante Fusion der Opel-Mutter PSA mit Fiat Chrysler Automobiles wird die deutsche Traditionsmarke in die Enge treiben – und einen erbarmungslosen Wettkampf mit Fiat um Modelle und Jobs auslösen.

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