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Opel-Verkauf PSA kauft Opel für 1,3 Milliarden Euro

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IG Metall strebt Verlängerung von Tarifverträgen an

Was will die starke Gewerkschaft hinter Opel, die IG Metall?

 

Die IG Metall will die nun anstehenden Verhandlungen über die Details des Zusammenschlusses positiv begleiten. „Wir sehen mehr Chancen als Risiken“, sagte Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte in Frankfurt am Main. Sein Bezirk umfasst die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen, in denen mit Ausnahme von Bochum alle Opel-Standorte in Deutschland liegen. Er gehe konstruktiv in den Prozess hinein, sagte Köhlinger ­, „ aber nicht blauäugig“. Natürlich wisse er, dass die nun anstehenden Verhandlungen auch Risiken bärgen. Der zwischen PSA und GM geschlossene Vertrag umfasse „mehrere hundert Seiten“. Nun müsse man die Detailfragen angehen. "Es sind viele Dinge zu klären“, sagte der Gewerkschafter.

Ein Beispiel ist der anstehende Sanierungsprozess von Opel. „Noch ist gar nicht klar, was in den nächsten Wochen und Monaten passieren wird“, sagte er. Aktuell aber setze er darauf, dass „es positive Synergieeffekte geben kann. Denn zu einer Sanierung gehört auch eine höhere Effizienz, beispielweise durch die Nutzung gemeinsamer Plattformen für die Produktion von Automobilen, durch positive Skaleneffekte, vielleicht auch durch zukünftige Marktzugänge“. Die IG Metall setze nun auf mehrere Dinge: die Entwicklung von Zukunftstechnologien, Erschließung neuer Märkte und nicht zuletzt auf die Motivation und die Bereitschaft der Beschäftigten, „um für Opel eine echte Perspektive unter dem Dach von PSA zu entwickeln“.

Opels Produktionsstandorte in Europa

Klar sei aber auch: „Wir erwartet Planungssicherheit für die Beschäftigten“, so Köhlinger. Er zeigte sich zwar zufrieden damit, dass die IG Metall mit dem Betriebsrat noch unter GM Standorte und Beschäftigung sichern konnte, die Vereinbarungen gelten allerdings nur bis Ende 2018 (Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen) beziehungsweise Ende 2020 (wo wird was gefertigt und wie viel wird in welchen Standort investiert). Köhlinger bezeichnete diese bestehenden Verträge als „Brücke in die Zukunft“. Diese Brücke sei eine „gute Voraussetzung für die Aushandlung langfristiger Standort- und Beschäftigungssicherung“, so Köhlinger. Im Umfeld der IG Metall hieß es, dass die Gewerkschaft mit den neuen Verhandlungspartnern versuchen wolle, die bestehenden Vereinbarungen zu verlängern und so die Standorte und Arbeitsplätze langfristig abzusichern. Allein: Vor Aufhebungsverträgen oder Altersteilzeitregelungen, die ein Mitarbeiter im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Arbeitgeber schließen kann, schützen die Verträge nicht. Ein Arbeitsplatzabbau durch die Hintertür wäre also möglich, würde aber teuer.

Von einem möglicherweise drohenden Stellenabbau wollte Köhlinger nichts wissen. Den müsse es „notwendigerweise gar nicht geben“. Stellenabbau sei auch kein unternehmenspolitisches Konzept. „Wir setzen nicht auf Kahlschläge. Und wenn das irgendjemand anderes tun würde, wüssten wir uns dagegen auch zur Wehr zu setzen“, sagte er.

Was der Fünf-Meter-Opel kann
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel
Opel Insignia Sports Tourer Quelle: Opel

Was sagt die Politik?

In einer gemeinsamen Erklärung von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und der drei betroffenen Ministerpräsidenten begrüßten die Politiker die erneuten Zusagen. „Jetzt, nach dem Signing, stehen allerdings noch weitere wichtige Schritte an. Die Verträge müssen intensiv geprüft werden, insbesondere von den Vertretern der Arbeitnehmer“ heißt es in der Erklärung. „In dem nun folgenden Prozess muss Transparenz sichergestellt werden. Es muss gewährleistet sein, dass das europäische Management von Opel/Vauxhall, der Gesamtbetriebsrat und der europäische Betriebsrat von Opel/Vauxhall in vollem Umfang in die weiteren Gespräche einbezogen werden. Ihr Wissen muss zum Wohle des Konzerns in die Beratungen einfließen.“

Der Oberbürgermeister von Rüsselheim, Patrick Burghardt, zeigt sich in einer Erklärung erfreut über die Beschäftigungsgarantien für das Entwicklungszentrum und die Produktionswerke. Außerdem sie die Stadt froh, "dass die ersten Meldungen durchaus positiv sind und die Entscheidung für den Verkauf nicht von langen Zeiten der Unsicherheit begleitet worden sind." Gleichzeitig betont er die Bedeutung des Entwicklungszentrums in Rüsselheim für Opel.

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