Peking Auto Show Chinas Autobranche steckt im Umbruch

Sonntag startet die Automesse in Peking. China ist weltweit der profitabelste Markt für die Autobauer. Doch es mehren sich die Zeichen, dass die nächsten Jahre nicht mehr so rosig werden.

Die Vorbereitungen für die Auto Show in Peking laufen auf Hochtouren. Quelle: REUTERS

Von einer Krise ist auf den Straßen der großen Städte Chinas nichts zu merken: Peking erstickt nach wie vor im Stau. In Shanghai zwängen sich nagelneue dicke SUV durch die engen Gassen der ehemaligen französischen Konzession, und im Süden in Guangzhou und Shenzhen ist zumindest während der Rushhour kaum ein Fortkommen möglich. Die Dichte an Neuwagen ist bei weitem höher als in jeder deutschen Stadt. Auch die Zahlen sprechen für sich: 1,7 Millionen Fahrzeuge wurden im März in China verkauft, acht Prozent mehr als im Vormonat. Im ersten Quartal verkaufte Volkswagen sogar 11 Prozent mehr Autos als im Vorjahreszeitraum.

Und auch die Automesse in Peking trumpft auf: Auf 230.000 Quadratmetern zeigen internationale Autohersteller und Zulieferer ihre neuesten Produkte. Ohne Turnschuhe - nicht zu bewältigen. Die Fahrzeuge werden wie immer von recht dünn bekleideten und dauergrinsenden Damen jüngeren Alters präsentiert, in der Hoffnung, die männliche Käuferschaft könne der Illusion erliegen, mit dem Kauf eines Autos auch die Dame mitgeliefert zu bekommen.

Die Highlights der Automesse Peking
Das Wachstum und Potential des chinesischen Marktes machen die Pekinger Automesse besonders interessant für Autobauer. Sie präsentieren vom 20. bis 29. April einige echte Hingucker. Insbesondere viele Kompakt-SUV und Oberklassefahrzeuge werden in diesem Jahr vorgestellt. Quelle: PR
Landrover Discovery Vision Concept Die Briten bringen eine SUV-Studie mit. Nach dem Motto "smarter, besser vernetzt, attraktiver und noch leistungsfähiger" zeigt Landrover zum Beispiel neue Technologien wie Smart Glass. Das ermöglicht „Erweiterte Realität“ (augmented reality) für die gesamte Fahrzeugverglasung. Die Funktion zahlreicher Elemente, wie Türen, Blinker, Scheinwerfer oder Bildschirme werden zudem mit Gesten gesteuert. Die Bewältigung besonders enger Passagen wird erleichtert: Sichtbare Laser projizieren Markierungen, Symbole und Bilder auf den Boden und die Umgebung. Mit dem Concept Car läutet Land Rover außerdem einen Wechsel ein: Der Discovery wird vom einzelnen Modell zu einer Modellfamilie. Das Concept Car lässt klare Bezüge zur Abstammung des Discovery erkennen – beispielsweise mit charakteristischen Details wie der Stufe in der Dachlinie oder der großzügigen „Alpine“-Verglasung im Fond. Sinnbild für die Vielseitigkeit des Modells ist seine vielfach konfigurierbare Bestuhlung. So können die Sitze entweder flach zusammengeklappt oder mithilfe des Touchscreen-Menüs nach vorn und hinten verschoben werden. Quelle: dpa
Lincoln MKX ConceptFords Premiumtochter will noch in diesem Jahr mit zwei neuen Modellen auf dem chinesischen Markt angreifen - dem MKZ und den MKC. Als ersten Ausblick präsentieren die Amerikaner die Studie MKX. Der Mittelklasse-SUV soll erst 2016 bei den chinesischen Händlern stehen. Beim MKX handelt es sich übrigens um das Parallelmodell zum Ford Edge. Quelle: dpa
Citroen CX-RDas Concept Car lässt erahnen, wie der erste SUV aus dem Joint-Venture zwischen Citroën und der Dongfeng Motor Group aussehen wird. Es soll in China ein stark wachsendes Segment mit nahezu drei Millionen Einheiten im Jahr 2013, was eine Steigerung um mehr als 50 Prozent verglichen mit 2012 bedeutet, erobern. Der C-XR ist ein 4,26 Meter lang, 1,79 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Er bietet einen großzügigen Innenraum, vor allem im Fonds. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Peugeot 2008 ist nicht zu bestreiten. Die Studie hat einen 200 PS, 1,6-Liter Turbobenziner an Bord. 2015 soll der CX-R auf den chinesischen Markt kommen, danach eventuell auch nach Europa. Quelle: Citroën
BMW Vision Future LuxuryWeltpremiere für den neuen 7er BMW, der so aussehen könnte. Und mit einigen 'Specials' ausgestattet ist. Quelle: Presse
... die Edelkarosse, die allgemein auch als „9er BMW“ beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. Große Autos sind in China besonders wichtig. Jeder zweite 7er BMW werde schon auf dem weltgrößten Automarkt in China verkauft. Quelle: BMW
Der BMW 7er soll ab Ende 2015/Anfang 2016 nur noch als Langversion kommen, obligatorisch gibt es einen Allradantrieb. Eine Vierzylinderversion wird vermutlich allein einem Plug-In-Hybriden vorbehalten bleiben. Über ein Tablet lassen sich Musikstreaming, Navigation, Internet und TV steuern. Der neue 7er wird neben LED-Scheinwerfern auch Laserlicht als Fernscheinwerfer bekommen. Über den Antrieb ist noch nichts bekannt, vermutlich werden sich die Motoren jedoch stark am aktuellen Modell orientieren. Heißt: Es gibt bekannte Diesel und Benziner mit sechs, acht und zwölf Zylindern sowie einem Leistungsspektrum von 250 bis über 550 PS. Quelle: BMW

Und doch liegt Unbehagen in der Luft. "Die Stimmung ist verhalten optimistisch unter den deutschen Autobauern", sagt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai. "Das war vor zwei Jahren noch anders. Aber mittlerweile ist selbst Optimisten klar geworden, dass es in in China erhebliche wirtschaftliche Risiken gibt."

Zum einen ist Chinas Finanzsektor in eine Schieflage geraten, von der niemand so genau weiß, wie sie sich auswirken wird. In den letzten Jahren wurden Milliarden an informellen Krediten von sogenannten Schattenbanken ausgegeben. Die Schulden wurden in undurchsichtige Finanzprodukte verpackt und an Privatanleger verkauft. Erstmals sind Anfang dieses Jahres solche Produkte geplatzt, Firmen mussten Insolvenz anmelden. Optimisten gehen davon aus, dass der Staat einspringt, um angeschlagene Banken zu retten. Pessimisten unken: Die Pleiten könnten eine Kettenreaktion und einen Banken-Run auslösen.

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