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Peking Auto Show Deutsche Autobauer im China-Fieber

China ist derzeit der größte Wachstumsmarkt für die deutsche Autoindustrie. Mit neuen Modellen und dem Ausbau der Fertigungskapazitäten wollen BMW, Mercedes und Volkswagen ihr Absatzvolumen weiter erhöhen. Die chinesischen Fahrzeughersteller sollten sie dabei nicht aus den Augen verlieren: Die Konkurrenz rückt näher.

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Aufmacher China VW Quelle: dpa

Der Silk- und Pearl-Market im Chaoyang-Distrikt von Peking ist ein Mekka für Menschen, die sich gerne mit edlen Markenartikeln schmücken, obwohl sie sich diese eigentlich nicht leisten können. Auf fünf Etagen gibt es in diesem Kaufhaus der Wünsche in kleinen, privat geführten Shops Sportschuhe und Polohemden, Handtaschen, Sonnenbrillen und Armbanduhren bekannter Weltmarken. Darunter sind Artikel, die teilweise schon etwas aus der Mode gekommen sind, aber auch jede Menge "Importe" aus der aktuellen Saison, von Adidas und Nike, Lacoste und Dior, Ray Ban und Boss, von Gucci und Armani, Rolex und Hublot. Die vier- und fünfstelligen Summen auf den Preisschildern weisen die Produkte auf den ersten Blick als echte Luxusprodukte aus - solange man nicht genau hinschaut.

Denn ausgezeichnet sind sie - wenn überhaupt - in Renmimbi, was die Sache schon einmal relativiert: 100 RMB entsprechen nach aktuellem Wechselkurs etwa 11 Euro. Zudem sind die Händler verhandlungsbereit. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick, Ausdauer und Hartnäckigkeit lassen sie sich auf 70 Prozent des Ursprungspreises herunterhandeln. Und sie machen dabei vermutlich immer noch einen guten Schnitt. Denn bei sämtlichen Produkten, die in dem Kaufhaus angeboten werden, handelt es sich um mehr oder minder gut gemachte Fälschungen, Fakes.


Noch vor zehn Jahren war auch die Auto China, die große Automesse in Peking, eine Art Fake Market: Chinesische Autohersteller boten hier der wachsenden Schar kaufinteressierter, aber noch zahlungsschwacher Konsumenten aus dem Land der Mitte Fahrzeuge an, die wie Luxusprodukte westlicher Hersteller aussahen, aber bei näherem Hinsehen gravierende Schwächen erkennen ließen. Weder stimmte die Verarbeitung noch hielt das Innenleben der Autos, was der schöne Schein versprach. Lang ist's her. Und die Verhältnisse haben sich mittlerweile völlig verdreht. Im Fake-Market im Chaoyang-Distrikt kaufen inzwischen beinahe ausschließlich europäische Touristen ein. Und auf der Auto China zeigen die chinesischen Fahrzeughersteller, dass sie inzwischen mit westlichen Anbietern mithalten können und das billige Kopieren von Premiumprodukten nicht mehr nötig haben.

Der neue Qoros 3 beispielsweise hat nicht nur europäische Crashtests mit Bravour gemeistert, sondern könnte sich auch mit Materialauswahl und Verarbeitung locker mit einem Ford Focus oder einem Opel Astra messen. Kein Wunder: Der Kompaktwagen wurde von dem früheren BMW-Designer Gert Hildebrand designet, sondern auch von deutschen und schwedischen Ingenieuren entwickelt. Auch der neue Brilliance H 330, der Ostern in Weltpremiere feierte, hat mit dem Billigmodell BS 6, mit dem sich die Chinesen 2006 auf den deutschen Markt wagten - und kläglich scheiterten - nichts mehr gemein. Und auch die neuesten Autos von BAIC und Dongfeng, Chery und SAIC, BYD und Great Wall Motor ringen deutschen Ingenieuren und Designern längst kein mitleidiges Lächeln mehr ab - es sind inzwischen ernstzunehmende Wettbewerber um den derzeit größten - und einzigen - Wachstumsmarkt weltweit.

Deutsche Autobauer bauen Angebot zügig aus

Die Highlights der Automesse Peking
Das Wachstum und Potential des chinesischen Marktes machen die Pekinger Automesse besonders interessant für Autobauer. Sie präsentieren vom 20. bis 29. April einige echte Hingucker. Insbesondere viele Kompakt-SUV und Oberklassefahrzeuge werden in diesem Jahr vorgestellt. Quelle: PR
Landrover Discovery Vision Concept Die Briten bringen eine SUV-Studie mit. Nach dem Motto "smarter, besser vernetzt, attraktiver und noch leistungsfähiger" zeigt Landrover zum Beispiel neue Technologien wie Smart Glass. Das ermöglicht „Erweiterte Realität“ (augmented reality) für die gesamte Fahrzeugverglasung. Die Funktion zahlreicher Elemente, wie Türen, Blinker, Scheinwerfer oder Bildschirme werden zudem mit Gesten gesteuert. Die Bewältigung besonders enger Passagen wird erleichtert: Sichtbare Laser projizieren Markierungen, Symbole und Bilder auf den Boden und die Umgebung. Mit dem Concept Car läutet Land Rover außerdem einen Wechsel ein: Der Discovery wird vom einzelnen Modell zu einer Modellfamilie. Das Concept Car lässt klare Bezüge zur Abstammung des Discovery erkennen – beispielsweise mit charakteristischen Details wie der Stufe in der Dachlinie oder der großzügigen „Alpine“-Verglasung im Fond. Sinnbild für die Vielseitigkeit des Modells ist seine vielfach konfigurierbare Bestuhlung. So können die Sitze entweder flach zusammengeklappt oder mithilfe des Touchscreen-Menüs nach vorn und hinten verschoben werden. Quelle: dpa
Lincoln MKX ConceptFords Premiumtochter will noch in diesem Jahr mit zwei neuen Modellen auf dem chinesischen Markt angreifen - dem MKZ und den MKC. Als ersten Ausblick präsentieren die Amerikaner die Studie MKX. Der Mittelklasse-SUV soll erst 2016 bei den chinesischen Händlern stehen. Beim MKX handelt es sich übrigens um das Parallelmodell zum Ford Edge. Quelle: dpa
Citroen CX-RDas Concept Car lässt erahnen, wie der erste SUV aus dem Joint-Venture zwischen Citroën und der Dongfeng Motor Group aussehen wird. Es soll in China ein stark wachsendes Segment mit nahezu drei Millionen Einheiten im Jahr 2013, was eine Steigerung um mehr als 50 Prozent verglichen mit 2012 bedeutet, erobern. Der C-XR ist ein 4,26 Meter lang, 1,79 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Er bietet einen großzügigen Innenraum, vor allem im Fonds. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Peugeot 2008 ist nicht zu bestreiten. Die Studie hat einen 200 PS, 1,6-Liter Turbobenziner an Bord. 2015 soll der CX-R auf den chinesischen Markt kommen, danach eventuell auch nach Europa. Quelle: Citroën
BMW Vision Future LuxuryWeltpremiere für den neuen 7er BMW, der so aussehen könnte. Und mit einigen 'Specials' ausgestattet ist. Quelle: Presse
... die Edelkarosse, die allgemein auch als „9er BMW“ beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. Große Autos sind in China besonders wichtig. Jeder zweite 7er BMW werde schon auf dem weltgrößten Automarkt in China verkauft. Quelle: BMW
Der BMW 7er soll ab Ende 2015/Anfang 2016 nur noch als Langversion kommen, obligatorisch gibt es einen Allradantrieb. Eine Vierzylinderversion wird vermutlich allein einem Plug-In-Hybriden vorbehalten bleiben. Über ein Tablet lassen sich Musikstreaming, Navigation, Internet und TV steuern. Der neue 7er wird neben LED-Scheinwerfern auch Laserlicht als Fernscheinwerfer bekommen. Über den Antrieb ist noch nichts bekannt, vermutlich werden sich die Motoren jedoch stark am aktuellen Modell orientieren. Heißt: Es gibt bekannte Diesel und Benziner mit sechs, acht und zwölf Zylindern sowie einem Leistungsspektrum von 250 bis über 550 PS. Quelle: BMW

Noch haben Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Mercedes gut lachen - wer es sich leisten kann in China, greift zu einem der klassischen Premiumprodukte aus dem Mutterland des Automobils. Alle deutschen Marken konnten im abgelaufenen Jahr ihren Absatz zweistellig steigern. Und nach den Zahlen des ersten Quartals scheint die Rekordfahrt weiter zu gehen. Im Unterschied zu Europa ist das Auto in China immer noch eine Prestigeobjekt. Und wer es sich leisten kann, wählt das Topmodell der jeweiligen Baureihe mit Topausstattung - oder lässt es sich von deutschen Spezialisten nochmals verfeinern und individualisieren. Brabus etwa, Tuner von Mercedes-Fahrzeugen und Hersteller exklusiver Einzelstücke, hat gerade in China seinen 42. Stützpunkt eröffnet. Am Rande von Peking können Freunde der schnellen Fortbewegung die neuesten Produkte des Hauses besichtigen und auf einer angrenzenden Rennstrecke auf Wunsch auch Probe fahren - im Alltagsverkehr der Millionenstadt macht ein Auto mit 850 PS vor lauter Staus längst keinen Sinn mehr. Umweltbewegte Europäer mögen über derlei Unvernunft den Kopf schütteln - die Chinesen jedoch wollen ihren neuen Reichtum erst einmal genießen.


Die deutschen Autohersteller werden deshalb ihr Angebot in den nächsten Jahren zügig weiter ausbauen und auch die Produktion in China erweitern. Jede vierte S-Klasse von Mercedes wird inzwischen in China verkauft - im Jahr des Pferdes will Daimler-Chef Dieter Zetsche noch eine Schippe drauflegen. Auf der Auto-China präsentierte Zetsche unter anderem das neue Coupe der S-Klasse in 585 PS starker AMG-Sportausführung und die neue C-Klasse mit langem Radstand speziell für den chinesischen Markt. Die westlichen Autobauer haben sich intensiv mit ihren Kunden in China auseinandergesetzt und bieten nun in wachsender Zahl Sondermodelle für diesen Wachstumsmarkt an, mit viel Knieraum für die Fondpassagiere und anderen Features, die bei chinesischen Kunden besonders gut ankommen.

Kein Wunder: "Wo sonst in der Welt gibt es einen Markt mit derartigen Wachstumsraten", schwärmt Jochem Heizmann, der Präsident von Volkswagen Group China. So wird Audi ab kommendem Jahr exklusiv für die chinesischen Kunden eine Hybridversion des Audi A6 produzieren - Käufer in Europa kommen erst ab 2016 und mit der nächsten Modellgeneration in den Genuss dieses Fahrzeugs kommen. Audi hat in den zurückliegenden sieben Jahren sein Absatzvolumen in China verfünffacht und plant auch in 2014 mit einem zweistelligen Wachstum, wie China-Chef Dietmar Voggenreiter ankündigte. Ein Plus von 21 Prozent im ersten Quartal macht ihm Mut.

China ist der größte Einzelmarkt für Volkswagen

Die Stars der New York Auto Show
Corvette Z06 CabrioChevrolet präsentiert auf der New York Auto Show seinen neuen Kraftprotz mit einklappbarem Dach. Die Corvette Z06 hat auch in der Cabrio-Variante satte 633 PS unter der Haube. Verbaut ist der 6,2-Liter-V8-Motor mit Kompressor, der auch in der Coupé-Variante zum Einsatz kommt. Quelle: dpa
Fans des Z06 mussten lange auf eine offene Variante warten. Seit 1963 hat Chevrolet kein Z06 Cabrio mehr auf den Markt gebracht. Quelle: REUTERS
BMW Concept X5 eDriveAutobauer BMW zeigt auf der New York Auto Show mit Studie Concept X5 eDrive seine Vision für einen Hybrid-Allradler. Das Antriebssystem setzt sich aus einem 245 PS starken Vierzylinder-Ottomotor und einem elektrischen Antriebssystem mit 95 PS zusammen. Laut Hersteller erreicht der X5 eDrive bei rein elektrischem Fahren eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern. Quelle: obs
Ford Mustang GTZum 50-jährigen Geburtstag des Mustang präsentiert Ford in New York eine limitierte Sonderauflage. Die "Mustang 50 Year Limited Edition" basiert auf dem 2015er Ford Mustang GT Fastback-Coupe mit dem 5,0-Liter-V8-Motor und mit Performance Paket. Zur exklusiven Ausstattung der insgesamt nur 1.964 Editionssmodelle gehören Original-Details der ersten Mustang-Generation, so zum Beispiel die zwei ursprünglichen Außenfarben: Wimbledon White und Kona Blue. Quelle: obs
Porsche Boxster GTSPorsche ergänzt seinen Boxster um eine noch sportlichere GTS-Version. Der neue Boxster, der in New York Premiere feiert, hat 15 PS mehr als die klassische Ausführung. Das sind 330 Pferdestärken insgesamt. Dank neuer "Sport-Plus-Funktion" soll der Boxster GTS in 4,7 Sekunden auf 100 Stundenkilometer kommen. Die Spitzengeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 279 km/h an. Quelle: Porsche
Porsche Cayman GTSAuch den Cayman stellt Porsche in der GTS-Version vor. Mit den zusätzlichen 15 PS arbeiten insgesamt 340 PS unter der Haube. 4,6 Sekunden soll der Cayman GTS von 0 auf 100 brauchen und eine Höchstgeschwindigkeit von 283 Stundenkilometern erreichen.
Mini Cooper S CountrymanDer Kleine bekommt ein neues Gesicht. Auf der New York Auto Show wird das 2015er Modell des Mini Countryman vorgestellt. Auffälligste Änderung: Der Kühlergrill hat nun eine Querlamelle. Die Varianten Coop S und SD erhalten zudem ein rotes "S". Für die Allradversion gibt es außerdem noch einen optisch angedeuteter Unterfahrschutz.

Dafür wird die Fertigung im Land weiter ausgebaut und die Modellpalette mit dem neuen A3 und dem Q3 im Segment der Kompaktfahrzeuge ausgebaut - um dem wachsenden Mittelstand in China ein attraktives Angebot machen zu können. Die Bedeutung des Marktes für den Konzern unterstreicht auch der neue Flagship-Store, den Volkswagen im kommenden Jahr in Peking eröffnet - den weltgrößten seiner Art. Unter dem Motto "Rei Wei Ben" will Heizmann in den kommenden Monaten die Kundenorientierung des Konzerns in China noch einmal intensivieren: Auf die speziellen Bedürfnisse chinesischer Autokäufer soll nicht nur bei der Fahrzeugentwicklung und -abstimmung Rücksicht genommen werden (weichere Sitze sind gefragt, auch andere Lackierungen), sondern auch in Verkauf und im Service: In einigen Audi-Betrieben können sich Kunden bereits heute die Haare schneiden lassen, während ihr Auto gewartet wird.


Lange vorbei sind die Zeiten, in denen ein Autokonzern wie Volkswagen in China Fahrzeuge wie den Santana anbot, als diese auf den Kernmärkten in Westeuropa bereits zu den Ladenhütern zählte. "China ist", weiß Konzernchef Martin Winterkorn, "längst der größte Einzelmarkt des Volkswagen-Konzerns." Und dieser spielt in der Wachstumsstrategie des Konzerns eine entscheidende Rolle. Bis 2018 will der Konzern in China 18,2 Milliarden Euro investieren, in die Produktion, ins Vertriebsnetz und in neue Modelle.


Noch nicht eingerechnet ist dabei eine größere sechsstellige Summe, die das geplante Budget Car von Volkswagen kosten wird - mit dem soliden, sparsamen Kompaktauto zum Preis von rund 7000 Euro will das VW-Konzern chinesische Billiganbieter wie Brilliance auf deren Heimatmarkt, aber auch in Lateinamerika und in Südostasien in Schach halten. Im Vorstand ist die Entscheidung für das Auto kürzlich gefallen, in den kommenden Wochen soll auch der Aufsichtsrat für das Projekt gewonnen werden. VW-Vorstand Hans Demant wirbt intensiv für sein Projekt: "Ein Konzern wie Volkswagen kann es sich nicht leisten, einen Markt für rund 10 Millionen Autos weltweit zu ignorieren." Volkswagen habe hier derzeit eine offene Flanke, die schleunigst geschlossen werden müsse. Denn wie man gute Autos baue, wisse man inzwischen auch in China.

In Arbeit
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Volker Steinwascher, der deutsche Vizepräsident des chinesischen Premiumherstellers Qoros, berichtet in Peking von einer Chinesin, die vor wenigen Wochen auf dem Genfer Automobilsalon mit Tränen in den Augen auf dem Qoros-Stand erschien und sich unter heftigem Händeschütteln bei ihm bedankte, dass man sich als Chinesin nicht mehr für die Produkte der heimischen Autoindustrie schämen müsse. In Genf war Qoros zwischen Rolls-Royce und Maserati platziert. In Peking stand der kompakte Qoros 3 immerhin in direkter Nachbarschaft zu BMW. Es geht voran.

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