WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Peter Modelhart, Deutschlandchef von Jaguar Land Rover "Jaguar bleibt dem exklusiven Charakter treu"

In den vergangenen Jahren sind Jaguar und Land Rover hierzulande zweistellig gewachsen. Im Interview spricht Deutschland-Chef Peter Modelhart über die Markenstrategie, den Handel und neue Modelle.

Das zweite Volumenmodell
Auto-Präsentationen im Winter finden meist in Italien, Südspanien oder auf den Kanaren statt. In dem für mitteleuropäische Verhältnisse milden Klima wollen die Hersteller Ihre Autos der Presse in einem schon fast frühlingshaften Umfeld vorstellen – wie es der Kunde hat, wenn er den Wagen im Frühjahr kaufen kann. Land Rover ist einen anderen Weg gegangen und hat zu einer Fahrveranstalung auf Island geladen, mitten im Dezember, wenn auf der Insel höchstens fünf Stunden pro Tag die Sonne scheint. Quelle: Land Rover
Eine Präsentation auf Island in dieser Jahreszeit birgt auch immer ein gewisses Risiko, denn so ruhig und sonnig war das Wetter während der Veranstaltung nicht. Orkanartige Winde machen jegliche Aussagen über die Geräusche des Fahrtwinds im Innenraum unmöglich, über Laufruhe und Abrollkomfort wegen der montierten Spike-Reifen ebenso wenig. Dafür aber, wie sich der Allrad-Antrieb verhält – und darum get es schließlich bei einem Land Rover. Quelle: Land Rover
Dass Land Rover seinen neuen Discovery Sport ausgerechnet im dunkelsten Monat vorstellt, bedeutet nicht etwa, die Briten wollten ihr Design vertuschen. Die Front erinnert stark an den Range Rover Evoque, was nicht unbedingt schlecht sein muss – schließlich ist der Evoque das mit Abstand erfolgreichste Modell von Land Rover. Der Discovery Sport soll neben dem Lifestyle-lastigen Evoque zum vielseitigen Volumenmodell der Marke aufsteigen. Quelle: Land Rover
Bei aller Ähnlichkeit in Punkto Design und Technik unterschieden sich die beiden britischen Brüder in ihrer Ausrichtung grundlegend. Der Evoque opfert dem trendigen Lifestyle-Gedanken an der ein oder anderen Stelle den Nutzwert – der Kofferraum ist verhältnismäßig klein, die Rundumsicht wegen der flachen Scheiben bescheiden. Der Discovery Sport gibt den vielseitigen Gegenpart zum Evoque: Der Kofferraum ist größer und höher, die Rückbank um bis zu 16 Zentimeter verschiebbar und als einziges Modell dieser Klasse ist der Discovery Sport mit bis zu sieben Sitzen erhältlich – obwohl er einige Zentimeter kürzer als etwa ein Audi Q5 ist. Quelle: Land Rover
Allerdings ist Land Rover ehrlich genug, um nicht von einem vollwertigen Siebensitzer zu sprechen, sondern von einem 5+2-Sitzkonzept. Der Einstieg in die dritte Sitzreihe ist zwar etwas beschwerlich, aber einmal Platz genommen können es auch Erwachsene für eine kurze Strecke auf den beiden Klappsitzen aushalten. Wer allerdings mit sieben Insassen auf große Offroad-Tour gehen will, sollte weiterhin zum Discovery greifen – dafür ist der Sport dann doch zu eng. Mit den aufgestellten Klappsitzen schrumpft der Kofferraum auf gerade einmal 194 Liter. Quelle: Land Rover
Wegen der verschiebbaren Rückbank sind die Angaben zum Kofferraumvolumen differenzierter zu sehen: Bei maximaler Beinfreiheit für die Passagiere der zweiten Sitzreihe passen 480 Liter in das Ladeabteil. Wird die Rückbank nach vorne geschoben, sind es fast 690 Liter – jeweils bis zur Fensterkante. Bei umgeklappter Rückbank schluckt der Discovery Sport bis zu 1.700 Liter. Übrigens: Der Kofferraum bei 5- und 5+2-Sitzer ist jeweils gleicht groß. Nur einen Unterschied gibt es: Während der Fünfsitzer ein vollwertiges Reserverad hat, muss der Sport mit Theater-Bestuhlung mit einem kleinen Notrad auskommen. Quelle: Land Rover
Möglich macht diese Sitzanordnung bei nur 4,60 Metern Außenlänge – rund 23 Zentimeter weniger als beim großen Discovery – eine neue Hinterachs-Konstruktion, die dem Range Rover Sport entliehen ist. Das spart nicht nur Gewicht, sondern schafft auch den nötigen Platz, um die dritte Sitzreihe mit passendem Fußraum integrieren zu können. Quelle: Land Rover

WirtschaftsWoche Online: Die SUVs von Land Rover und Range Rover sind im Moment sehr beliebt – auch bei Autodieben. Zuletzt wurden auch aus Ihrem Trainingszentrum in Neuss einige Fahrzeuge gestohlen. Sind Range Rover so leicht zu knacken?
Peter Modelhart: Zu den Diebstählen in Neuss können wir nichts sagen, da aktuell noch die Ermittlungen laufen. Fahrzeugentwendungen sind ein industrieweites Problem, das betrifft Deutschland derzeit massiv. Wir hatten in der Summe 192 gestohlene Fahrzeuge, im Verhältnis zum Wettbewerb ist das immer noch sehr wenig. Aber wir reagieren natürlich darauf. 

Und wie?
Wir haben dieses Jahr bereits das vierte Software-Update gebracht, um unsere Fahrzeuge besser abzusichern. Wir haben ein Sicherheitssystem namens „InControl Secure“eingeführt. Damit kann das Auto erfasst und verfolgt werden, wenn es im Alarmmodus ist – und diese Daten können auch mit der Polizei geteilt werden. 

Zur Person

Wie können Dritte überhaupt an Ihre Fahrzeugsoftware kommen, um etwa die elektronische Wegfahrsperre zu überlisten?
Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, alle Diagnostikinformationen auch an andere Werkstätten freizugeben –und nicht nur an unsere eigenen. Sicherheitsrelevante Informationen dürfen aber jetzt erst nach Freigabe durch uns an nicht autorisierte Werkstätten weiterleitet werden.

Kann auch der Kunde etwas zur Sicherheit seines Autos beitragen?
Ja, selbstverständlich. Unsere Autos haben zum Beispiel ein „Secure Lock“. Dieses System wird aktiviert, wenn der Fahrer beim Abschließen zweimal auf die Verriegeln-Taste drückt –die meisten machen es aber nur einmal. Um darauf hinzuweisen, haben wir auch eine neue Broschüre aufgelegt, in der solche Informationen nochmals zusammengefasst werden. 

Jaguar-Rover-CEO Peter Modelhart Quelle: Auto-Medienportal.Net / Manfred-Zimmermann

Ist es für einen Nischenhersteller wie Jaguar Land Rover schwieriger oder einfacher als für einen Premium-Volumenhersteller mit einer riesigen Entwicklungsabteilung, die IT-Sicherheit der Fahrzeuge zu gewährleisten?
Da können wir sicherlich mithalten, denn so klein sind wir gar nicht mehr. Heute arbeiten über 7.000 Entwickler bei Jaguar Land Rover, in diesem Bereich sind wir enorm gewachsen. Deshalb haben wir da keine Nachteile gegenüber den großen Herstellern.

Sowohl Jaguar als auch Land Rover sind im vergangenen Jahr in Deutschland im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Wann werden sich diese enormen Wachstumsraten abflachen?
Im nächsten Jahr auf gar keinen Fall. Vergangenes Jahr ist Land Rover um zwölf Prozent gewachsen, in diesem Jahr sind wir nach elf Monaten 18 Prozent im Plus. Jaguar hat 2013 um 30 Prozent zugelegt. Bei Land Rover führen wir am 28. Februar den neuen Discovery Sport ein, der neben dem Evoque das zweite Volumenmodell werden soll. Und bei Jaguar kommt der XE, der als Mittelklasse-Limousine für das strategische Wachstum der Marke ganz entscheidend ist. Für neue, attraktive Modelle ist also gesorgt, die unseren Absatz weiter antreiben werden.

Jaguar Land Rover in Zahlen

Was erwarten Sie sich vom Discovery Sport?
Wir glauben, mit dem neuen Modell den Nerv der Kunden zu treffen. Sie wollen einen Geländewagen, der gut aussieht, komfortabel ist, wenig verbraucht und einen vielseitigen Innenraum hat. Da ist der Discovery Sport mit seinem 5+2-Sitzkonzept ein einzigartiges Modell in dieser Klasse – bei nur 4,60 Metern Außenlänge. Planzahlen zum Absatz will ich aber derzeit nicht nennen.

Obwohl im Discovery Sport nur Vierzylinder-Motoren angeboten werden, stammt keiner aus Ihrer neu entwickelten Ingenium-Baureihe. Werden die Ingenium-Motoren überhaupt beim Discovery Sport eingesetzt werden oder setzen Sie hier weiterhin auf zugekaufte Motoren?
Die ersten Ingenium-Motoren werden im Jaguar XE zum Einsatz kommen, der im Juni auf den Markt kommt. Ab diesem Zeitpunkt werden dann die Vierzylinder-Motoren Schritt für Schritt gegen die Ingenium-Motoren ausgetauscht. 

Das Abkommen mit Ford über den Kauf von Motoren – auch die V6- und V8-Aggregate – läuft noch bis 2017. Was kommt danach?
Wir sind mit Ford nicht nur als ehemaligen Mutterkonzern eng verbunden. Die Zusammenarbeit ist sehr intensiv und fruchtbar. Was wir nach 2017 machen, ist noch nicht entschieden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%