Peugeot verhandelt mit Tata Rätselraten um Allianz von Opel und PSA

Um die Allianz zwischen den angeschlagenen Autobauern Opel und PSA Peugeot Citroen ranken sich wilde Spekulationen. Am Dienstag gab es Berichte über ein Scheitern, die Opel zurückwies - doch nun wurde bekannt, dass PSA sich bereits mit dem indischen Tata-Konzern über eine mögliche Zusammenarbeit berät, sollte die Allianz mit Opel vor die Wand fahren.

Die Zweckehen der Autobauer
VW - Suzuki Quelle: dpa
Daimler + BAICVor einigen Jahren ist der Autobauer Daimler bei seinem chinesischen Partnerunternehmen BAIC eingestiegen. Die Zentralregierung hat den Kauf des Anteils von zwölf Prozent an BAIC genehmigt. Inzwischen bahnt sich ein gegenseitiges Engagement an: Offenbar will sich BAIC bis Ende des Jahres 2015 bei Daimler einkaufen. Der Chef des Daimler-Joint-Venture-Partners Beijing Automotive (BAIC) in Peking, Xu Heyi, sagte der Zeitung "Beijing Times", dass sein Konzern einer der größten Anteilseigner bei den Stuttgartern werden wolle. Beide Seiten steckten jetzt "in der Schlussphase der Verhandlungen", wie die Zeitung zitierte. Daimler begrüßte das Vorhaben: "Wir freuen uns grundsätzlich immer über langfristig orientierte Investoren", sagte ein Sprecher. Der größte Einzelaktionär bei den Stuttgartern ist Angaben auf der Website zufolge derzeit der kuwaitische Staatsfonds mit einem Anteil von 6,8 Prozent. Quelle: dpa
Daimler + Tesla Quelle: Screenshot
General Motors + BMWDie Bayern und der US-Konzern gehen wieder getrennte Wege. Zumindest beim Thema Brennstoffzelle. Die Unternehmen wollten in der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. BMW sollte von GM Brennstoffzellen-Technologie erhalten und sich im Gegenzug an den Forschungskosten beteiligen. Der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer (Foto) setzte große Hoffnungen in die Partnerschaft. Sogar die Lieferung von Teilen war im Gespräch. Doch die Liaison kam nicht zustande. Stattdessen setzen die Bayern jetzt auf eine tiefergehende Kooperation mit ihrem japanischen Partner... Quelle: dpa
Toyota + BMWDie Bayern wollen mit den Japanern bis 2018 einen Sportwagen bauen. „Wir haben uns jetzt auf eine gemeinsame Architektur verständigt“, sagte der damalige BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess, der inzwischen VW-Markenchef ist. „Wichtig ist, dass das zwei unterschiedliche Fahrzeuge sein werden, die authentisch für die jeweilige Marke stehen.“ Im Dezember 2011 hatten die Bayern und die Japaner ihre Zusammenarbeit besiegelt. BMW erhält japanische Batterietechnik, dafür bekommt Toyota seit 2014 Dieselmotoren aus München. Die gemeinsame Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos war bereits Bestandteil der Vereinbarung. Laut der japanischen Zeitung „Nikkei“ plant Toyota außerdem die Lieferung von Hybrid-Technologie an BMW. Der gemeinsam entwickelte Sportwagen gilt als Test im Bereich Produktentwicklung, bevor die Kooperation enger wird. Ein weiteres Gerücht, das immer wieder durch die Branche wabert: BMW erhält von Toyota die Brennstoffzellen-Technologie des Mirai, um seine Elektro-Familie auszubauen. Klar ist aber noch nichts. Quelle: dpa
BMW + PSA Peugeot CitroenÜber Jahre unterhielt BMW mit dem französischen Autokonzern PSA eine Motorenkooperation. Der eine hatte eine besondere Expertise bei kleinen Benzinern, der andere bei kleinen Dieselmotoren. Beides ergänzte sich, so dass auf BMW-Seite PSA-Motoren im Mini eingebaut wurden. Doch inzwischen ist diese Zweckehe ohne böse Worte beendet: Die inzwischen dritte Generation des Mini teilt sich die Technik mit dem BMW 1er – und damit auch die von den Münchnern neu entwickelten Drei- und Vierzylindermotoren. Soll heißen: PSA ist raus. Da die Verträge aber ohnehin auslaufen, wurde die Ehe ohne Krach geschieden. Quelle: obs
BMW und Brilliance Quelle: dpa/dpaweb
VW + SAIC Quelle: dpa
SAIC + General Motors Quelle: REUTERS
Daimler + VWDaimler wird ab 2017 keine Transporter mehr für Volkswagen fertigen. Die Schwaben ordnen ihre Produktion neu, wie Daimler am 6. September mitteilte. Die Kapazitäten würden für den nächsten Sprinter benötigt, der derzeit entwickelt wird. „Deshalb werden unsere Mitarbeiter in Zukunft nur noch unsere eigenen Marken produzieren“, sagte der Chef der Transportersparte Volker Mornhinweg. Die bis Ende 2016 angesetzte Auftragsfertigung des VW-Crafter (im Bild) werde daher nicht fortgeführt. Die Kooperation zwischen Daimler und VW hatte 2005 begonnen. Bis Ende 2012 fertigte Daimler 280.000 Transporter für die Wolfsburger. Den eigenen Sprinter baut Daimler derzeit im Schnitt 150.000 Mal im Jahr. Über den wirtschaftlichen Nutzen der Kooperation haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Quelle: dpa/dpaweb
Daimler + NissanCarlos Goshn und Dieter Zetsche wollen gemeinsam Autos in Mexiko fertigen. Der japanische Autobauer werde wahrscheinlich in der Fabrik in Aguascalientes einen neuen Kompaktwagen seiner Premium-Markte Infiniti montieren, der mit Motor und Fahrgestellteilen des Mercedes-Kompaktwagens A-Klasse ausgerüstet wird. Der Q30 genannte Wagen soll noch 2015 seine Premiere feiern, er wurde erstmals Im Frühjahr auf der Automesse in Genf gezeigt. Anfang 2016 soll dann der QX30, das Infiniti-Gegenstück zum Kompakt-SUV Mercedes GLA auf den Markt kommen. Für die Kleinwagen Smart und Renault-Twingo nutzen die Partner gemeinsam entwickelte Motoren und Bodengruppen. Daimler stellt außerdem Motoren und Getriebe für die Nissan-Premiummarke Infinti zur Verfügung. Außerdem wird Mercedes für Schwellenländer sein erstes Pick-up-Modell auf Basis des erfolgreichen Nissan Navara auf die Räder stellen. Quelle: REUTERS
Völlig unbelastet ist die Partnerschaft allerdings nicht. Das schlechte Abschneiden des auf dem Renault Kangoo basierenden Citan im Euro NCAP Crashtest (3 von 5 Sterne) führte jedoch zu einem extrem negativen Medienecho, da es den hohen Ansprüchen von Mercedes („das Beste oder nichts“) bei weitem nicht genügte. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management, hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Allianzen der Autobauer analysiert und bewertet. Die Erfolgsaussichten für die deutsch-französisch-japanische Partnerschaft hält er für "mittel bis hoch". Die Partner ergänzen sich gut, "Allerdings könnte Daimler als Premiumhersteller mit Fahrzeugen/Komponenten aus der Renault-Nissan Modellpalette Qualitätsprobleme drohen, die das Premium-Image belasten." Daimler und Renault-Nissan sind gegenseitig mit 3,1 Prozent aneinander beteiligt. Quelle: Screenshot
Fiat + ChryslerWoran Daimler einst gescheitert war, scheint Fiat erfolgreicher zu sein: die Ehe mit Chrysler. Zwar haben sich mit der Krise 2008/2009 die Bedingungen geändert, auch die Ansprüche von Fiat-Chef Sergio Marchionne sind gänzlich andere. Seit 2014 firmieren die Fiat S.p.A. und die Chrysler Group LLC als Fiat Chrysler Automobiles. Der Hauptsitz ist in London, der Steuersitz ist in den Niederlanden. Gehandelt werden die Aktien in Mailand und New York. Quelle: dpa
Daimler + BYD Quelle: dapd

Das Gerangel um eine mögliche Zusammenarbeit der Automobilkonzerne PSA Peugeot Citroen und Opel geht in eine neue Runde. PSA erwägt einem Medienbericht zufolge eine Allianz mit dem indischen Tata-Konzern. Die Unternehmen sprächen über Art und Ausmaß einer möglichen Zusammenarbeit, berichtete das "Manager Magazin" am Mittwoch vorab unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Peugeot-Chef Philippe Varin suche nach einer Alternative für den Fall, dass die Kooperation mit dem US-Autobauer GM und dessen Tochter Opel scheitere. Dem Bericht zufolge erhofft sich Peugeot von einer Zusammenarbeit mit Tata den Aufbau einer gemeinsamen Billigmarke ähnlich der Renault-Tochter Dacia. Außerdem könne Tata den Franzosen im Notfall mit Kapital helfen. Die Peugeot-Aktie reagierte mit Kursgewinnen auf den Bericht. PSA wollte die Informationen am Mittwoch nicht bestätigen.

Dass PSA schon anderweitig seine Fühler ausstreckt, läuft dem offiziellen Standpunkt von Opel entgegen. Der Konzern wies nur kurz zuvor Medienberichte über ein drohendes Scheitern der Zusammenarbeit mit dem französischen Autokonzern PSA-Peugeot-Citroen zurück und verkündete, "die Allianz macht genau die Fortschritte, die wir erwartet haben“. Die Gespräche seien nicht auf Eis gelegt. Vielmehr sollten bis Jahresende Vereinbarungen zu einer gemeinsamen Einkaufsorganisation und Produktentwicklung stehen. Auf eine enge Zusammenarbeit im Bereich Logistik haben sich PSA und die Opel-Mutter General Motors bereits geeinigt.

So stand es 2014 um Opel

Spekulationen über eine mögliche Fusion Opels mit dem Autogeschäft von PSA waren von den Unternehmen nie bestätigt worden. Dieses Szenario scheint nun endgültig vom Tisch. Die Zeitung „Financial Times Deutschland“ berichtete am Mittwoch, PSA sei unzufrieden mit der Allianz. Die Franzosen erhofften sich von GM Hilfen für den Ausbau ihres Geschäfts in China und Lateinamerika. Die Amerikaner seien aber nur an einem Partner für die Sanierung von Opel interessiert. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Bündnis scheitert“, hatte das Blatt „konzernnahe Kreise“ zitiert.

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Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vize Steve Girsky hatte jüngt betont, dass GM durch die Allianz vor allem Synergien bei Entwicklung und Einkauf in Europa erreichen wolle. Das gelte für Fahrzeuge, die nur für Europa gedacht seien und daher nicht von der Größe des GM-Konzerns profitieren könnten. Die beiden Unternehmen wollen ihre jährlichen Kosten dadurch binnen fünf Jahren um ungefähr zwei Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) senken. „Wir konzentrieren uns darauf, diese Synergien umzusetzen“, sagte der Opel-Sprecher.

Allerdings erwarten Experten, dass GM Europa und PSA bald auch gemeinsam Autos fertigen könnten. Girsky hatte das kürzlich nicht ausgeschlossen: „Die Teams von GM/Opel und PSA arbeiten daran, schriftliche Vereinbarungen abzuschließen; gleichzeitig denken wir über weitere Schritte der Zusammenarbeit nach.“

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