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Piëch und die Porsches Feuer und Wasser statt Pech und Schwefel

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Machtlos gegen die neue VW-Allianz

Es war nicht der erste Eklat unter den Vettern. Unvergessen ist das Ringen um den Porsche-Einstieg bei VW, als sich im September 2008 der Aufsichtsratschef Piëch seiner Stimme im Kontrollgremium enthielt und der Arbeitnehmerseite zu einem wichtigen Etappensieg verhalf. Piëch fiel Porsche damit in den Rücken. Sein Cousin gab sich fassungslos über das Verhalten des streitbaren Verwandten.

Die Opfer des Ferdinand Piëch
Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Quelle: dapd
Audi Quelle: dpa
Franz-Josef Kortüm Quelle: obs
Herbert Demel Quelle: dpa
Franz-Josef Paefgen Quelle: AP
José Ignacio López Quelle: REUTERS
Bernd Pischetsrieder Quelle: dpa

Die Familienzweige halten über die Hälfte der Stimmrechte bei Europas größtem Autobauer, in dem Konzern lebt ihr gemeinsames Familienerbe fort. Der gemeinsame Großvater, Ingenieur Ferdinand Porsche, hatte mit dem VW-Käfer der Grundstein für den Weltkonzern gelegt.

„Der Alte“ gegen den bubenhaften Ruhepol

Seine Enkel Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche sind Gegenpole. Das wird sichtbar, wenn sie bei Preisverleihungen auf einer Bildfläche erscheinen. Wolfgang Porsche ist nahbar, versprüht bubenhafte Freude, wenn er von seinen Autos schwärmt. „Er ist ein wichtiger Ruhepol“, sagt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück über „WoPo“, den 71 Jahre alten Doktor der Handelswissenschaften.

Wenn Piëch dagegen Hof hält, weichen Anwesende ehrfurchtsvoll zurück. Insider nennen den für seine machtvollen Halbsätze berüchtigten Österreicher das „Orakel von Salzburg“. Und trotz seines Rücktritts am vorvergangenen Samstag auf dem – womöglich erst vorläufigen – Höhepunkt der Krise fragt sich noch immer mancher in Wolfsburg: Wer weiß, ob da nicht noch etwas kommt?

Die Baustellen des VW-Konzerns
VW in den USA Quelle: dpa
Winterkorn mit dem Chinesischen Vize-Premier Ma Kai Quelle: obs
VW Quelle: dpa
MAN Quelle: dapd
Hauptwerk in Wolfsburg Quelle: dpa

Dass Piëch öffentlich einen Skandal provoziert, glaubt Wenger nicht – schon mangels Durchsetzungsmöglichkeiten eigener Positionen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass nach diesen Verträgen der schwächere Familienstamm bei Uneinigkeit seine Wünsche durchsetzen kann. Das Maximum wäre, aus meiner Sicht, im Falle der Uneinigkeit der stimmberechtigten Aktionäre der Porsche SE eine Stimmenthaltung in der VW-Hauptversammlung. Dann kann die Entlastung mit den Stimmen Niedersachsens beschlossen werden, wenn es beim Streubesitz nicht zu einer Generalmobilmachung mit ungewöhnlich hoher Präsenz kommt“, erklärt Wenger. „Letzteres sehe ich schon deshalb nicht, weil es bei den Streubesitzern kaum Unterstützung für Piëch geben wird.“

Doch nach dem dramatischen Machtkampf sind viele Fragen offen. Wer wird Piëchs Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze? Wie bekommt Winterkorn die massiven Probleme im US-Geschäft in den Griff und bei der gewinnschwachen Kernmarke VW rund um die Modelle Golf und Passat? Wie ist der Autobauer für die großen Zukunftsthemen aufgestellt, die digitale Vernetzung des Autos und die alternativen Antriebe?

Die VW-Aktionäre dürften Antworten erwarten auf diese Fragen. Und vor allem auf die Kernfrage: Warum kam es zum Machtkampf? Wird die Hauptversammlung gar zum Scherbengericht?

Ex-Aufsichtsratschef Piëch ist bisherigen Informationen zufolge nicht mit dabei in Hannover. Dennoch dürfte sich das Aktionärstreffen vor allem um seine Person drehen – welche Rolle spielt er künftig?

Auto



Denn Piëch ist zwar als Aufsichtsratschef zurückgetreten. Doch im Hintergrund wirkt er immer noch. Kurz vor der Hauptversammlung kam noch einmal Störfeuer aus der Salzburger Heimat Piëchs: Er protestierte gegen die Berufung seiner Nichten in den Aufsichtsrat, als Ersatz für ihn und seine ebenfalls zurückgetretene Ehefrau Ursula Piëch. Seine Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) hätten nur wenig Erfahrung in der Automobilindustrie. Stattdessen sprach sich Piëch für den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle sowie die Ex-Siemens-Vorstandsfrau Brigitte Ederer aus.

Piëch aber blitzte mit diesem Vorschlag ab – abermals auch an der neuen Bündnis aus Land Niedersachsen, Betriebsrat und der Familie Porsche. Die Hauptversammlung wird einen ersten Ausblick darauf geben, welche Macht diese Allianz haben wird.

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