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Pilotprojekt Vorfahrt für Carsharing in New York

New York Carsharing Quelle: imago images

New York muss mit immer mehr Autos auf den Straßen fertig werden, nicht zuletzt wegen einer geplanten U-Bahn-Reparatur. Die Stadt hat sich dafür etwas einfallen lassen – zum Ärger vieler Autobesitzer.

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Parkplätze sind in New York Mangelware. Mancher Autofahrer kreist eine halbe Stunde um den Block, bis sich endlich eine Parklücke auftut. Deshalb sind nicht alle New Yorker begeistert, dass die Stadt jetzt auch noch 230 Plätze am Straßenrand exklusiv zwei Unternehmen zur Verfügung stellt: Den Carsharing-Firmen Enterprise CareShare und Zipcar. Die dürfen ihre Autos zudem auf weiteren 55 Stellplätzen im Besitz der Stadt und auf 24 Parkplätzen vor kommunalen Wohnanlagen abstellen.

Die Übung gehört zu einem auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt, mit dem die Stadt New York ihren Bürgern das Carsharing schmackhaft machen will. „Wenn es funktioniert, werden wir das sehr aggressiv auf die ganze Stadt ausweiten“ verkündet Bürgermeister Bill de Blasio unter einem Banner mit dem Slogan: „Mehr Sharing, weniger Autos“.

Das Programm befeuert die Debatte zwischen den Freunden der gemeinsamen Autonutzung und Fahrzeugbesitzern, die fürchten, künftig noch mehr Zeit mit der Parkplatzsuche verplempern zu müssen. Viele ärgern sich, dass die profitorientierten Unternehmen CarShare und Zipcar für ihre Exklusivstellplätze nur einen Spottpreis entrichten: Am Straßenrand zahlen sie 765 Dollar (657 Euro) pro Parkplatz, für die anderen Plätze 1000 bis 1200 Dollar – pro Jahr. Immerhin: Wer in einer kommunalen Wohnung lebt, erhält beim Carsharing Rabatt.

„Ein Parkplatz ist nicht leicht zu finden, Punkt“, sagt Jerry Armer, in dessen Viertel Cobble Hill in Brooklyn 18 Stellplätze für die Carsharing-Firmen reserviert worden sind. Ängstliche Nachbarn hätten ihn mit Fragen und Kritik bombardiert, seit das Programm im Juni bekannt gegeben wurde, sagt Armer, der eine Art Verbindungsmann zwischen Anwohnern und Stadtverwaltung ist. Wer seinen fahrbaren Untersatz endlich in eine Lücke bugsiert hat, müsse dann bisweilen fast einen Kilometer bis zu seiner Wohnung marschieren. Hinzu komme, dass der mühsam ergatterte Parkplatz ein oder zweimal pro Woche wieder geräumt werden muss, weil die Stadtreinigung kommt.

Bürgermeister de Blasio will mit dem Pilotprojekt nicht zuletzt dem steigenden Autoverkehr entgegenwirken, mit dem die Stadt rechnen muss, weil sie eine U-Bahn-Linie für längere Zeit schließen wird, um sie zu reparieren. Die Züge transportieren zwischen Manhattan und Brooklyn täglich 225 000 Menschen, die dann auf andere Verkehrsmittel ausweichen werden. Durch zusätzliche Transportmöglichkeiten will die Stadtverwaltung überdies der zunehmenden Umweltverschmutzung beikommen.

Dabei ist New York schon jetzt die US-Großstadt mit den wenigsten Privatautos pro Einwohner. 56 Prozent der Haushalte besitzen kein eigenes Auto, hat die Universität Michigan schon 2014 herausgefunden.

Die Idee, das Verkehrsaufkommen mit Hilfe von Carsharing zu senken, ist nicht neu. Jedes gemeinsam genutzte Fahrzeug könne die Zahl der Autos im Straßenverkehr um neun bis 13 senken, hat die Universität Kalifornien schon 2010 ausgerechnet. Viele Autobesitzer kauften angesichts des Carsharings nämlich nicht so schnell ein neues Fahrzeug und verzichteten eher auf einen Zweitwagen.
San Diego hat denn auch schon vor sechs Jahren angefangen, Parkplätze nur für gemeinsam genutzte Autos zu reservieren. In Dallas gibt es solche Stellplätze seit knapp vier Jahren, und auch im Zentrum von Austin existiert eine solche Regelung.

In New York war der Start etwas holprig. Kaum, dass die Hinweisschilder auf die Parkplatzreservierungen aufgestellt waren, schleppte das Ordnungsamt Falschparker ab. Dabei hatte die Stadt eine zweiwöchige Gnadenfrist versprochen. Viele hätten sich dadurch ziemlich angegriffen gefühlt, sagt die Präsidentin des Cobble-Hill-Vereins, Amy Breedlove. „Das war wirklich ziemlich missbräuchlich“, klagt sie. „Die kamen mit Presslufthämmern und stellten ein Schild hin und als nächstes kam das Ordnungsamt und legte Parkkrallen an und schleppte ab.“ Die Verkehrsbehörde hat inzwischen versichert, sie werde die dabei verteilten Knöllchen wieder einkassieren.

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