Pläne von Bentley und Rolls-Royce Die Luxus-SUVs für die Wüstenscheichs

Wer ein Luxus-SUV kaufen will, hat ein Problem: Oberhalb von 150.000 Euro gibt es kein Modell auf dem Markt. Bentley wird das beheben – Rolls-Royce will nachziehen.

Bislang hat Bentley nur diese schemenhafte Aufnahme des SUV-Modells veröffentlicht, das vermutlich „Falcon“ heißen wird. Über den Namen ist noch nicht entschieden, ober das Modell schon: Es wird 2016 auf den Markt kommen. Quelle: Bentley Motors Limited

Eine verlassene Wüste, irgendwo auf der arabischen Halbinsel. Die Sonne versinkt hinter den Dünen und färbt den Horizont in einem kräftigen Orange. Der Scheich genießt die Aussicht noch einen Moment, doch dann muss er sich auf die beschwerliche Reise in seinen luxuriösen Palast machen. Bislang muss er da in einen Toyota Hilux oder ähnlich rustikale Gefährte steigen. Ein Range Rover war schon das höchste der Gefühle.

In zwei Jahren könnte sich das ändern: Dann gleitet der Scheich deutlich standesgemäßer durch den tiefen Sand – in einem SUV von Bentley.

Der britische Hersteller von noblen Limousinen und Coupés wird in der ersten Jahreshälfte 2016 sein geländetaugliches Modell auf den Markt bringen. Auf Wunsch der Kundschaft, wie aus der Firmenzentrale im mittelenglischen Crewe zu hören ist. Diese Nachfrage dürfte in diesem Fall weder aus den Midlands noch aus dem Rest von Europa kommen, der Offroad-Bentley wird eher üppig dimensionierte Einfahrten oder Garagen in der Golf-Region, Russland oder den USA zieren – wo der Luxus noch offen zur Schau getragen wird.

Lamborghini baut SUV in Italien
Die VW -Sportwagentochter Lamborghini will den Markt für Geländewagen aufmischen. Vorstandschef Stephan Winkelmann kündigte am Mittwoch im Beisein von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi in Rom den Bau eines Luxus-SUV an, der 2018 zu den Händlern rollen soll. Luxuriöse Geländewagen sind derzeit vor allem in den USA und Asien stark gefragt. Erstmals wurde der Geländewagen von Lamborghini vor drei Jahren als Studie mit dem Namen Urus auf der Automesse in China einem größeren Publikum vorgestellt (im Bild). Zuletzt war spekuliert worden, er könnte bereits 2017 auf den Markt kommen. In der Branche wird vermutet, dass sich der Lamborghini-SUV die Plattform mit dem Audi Q7, dem VW Touareg und dem Porsche Cayenne teilen soll, von denen VW im vergangenen Jahr fast 200.000 Stück verkauft hat. Quelle: REUTERS
Lamborghini rechnet mit einem jährlichen Verkauf von rund 3.000 Exemplaren seines Luxus-SUVs. Dadurch würde sich der Absatz von zuletzt 2.530 Fahrzeugen mehr als verdoppeln. Bislang baut Lamborghini zwei Sportwagentypen – den Huracan als Nachfolger des Gallardo und den Aventador. In die Erweiterung seines Werks in Sant'Agata Bolognese und die Entwicklung des Geländewagens steckt Lamborghini nach eigenen Angaben einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dadurch sollen bis zu 500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt beschäftigt die Marke mit dem Kampfstier im Logo rund 1.100 Mitarbeiter, die meisten davon in seinem Stammwerk in Norditalien. Im Gegenzug für die Investition soll Lamborghini bis zu 90 Millionen Euro an Steuervergünstigungen und anderen Subventionen erhalten. Quelle: dpa
Das Lambo-SUV könnte laut den Experten von IHS Automotive aber nur zum Teil in Italien gefertigt werden. Im slowakischen Werk in Bratislava konzentriert der VW-Konzern die Fertigung der großen Luxus-SUVs, wie etwa dem Porsche Cayenne, Audi Q7 oder Bentley Bentayga. Beim Lamborghini könnte es ähnlich laufen wie bei Cayenne und Bentayga: In Bratislava wird die Karosserie gefertigt, zur Endmontage werden die Autos dann in das jeweilige Werk der Marke gebracht. Bei Bentley könnte der Bentayga bereits bald Zuwachs erhalten. Im Interview mit dem britischen Fachmagazin "Autocar" sagte Rolf Frech, Entwicklungschef der Nobelmarke, dass die Entwicklung eines weiteren SUV-Modells durchaus im Bereich des Möglichen liege.  "Autocar"  spekuliert, dass sich die Bentley-Designer dabei am BMW X6 orientieren könnten. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, betonte Frech. Quelle: AP
Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer will von dem SUV rund 3.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen – zum fürstlichen Preis von mindestens 200.000 Euro. Extrawünsche bei Lack, Leder oder sonstiger Ausstattung treiben den Preis weiter nach oben. Quelle: dapd
Bislang hat Bentley nur diese schemenhafte Aufnahme des SUV-Modells veröffentlicht, das „Bentayga“ heißen wird. Das gaben die Briten im Januar auf der Automesse in Detroit bekannt. Ebenso das Datum für den Marktstart: Die Serienversion wird erstmals auf der IAA im Herbst diesen Jahres gezeigt, 2016 soll der Bentayga dann bei den Bentley-Händlern stehen. Quelle: Bentley Motors Limited
Einen Ausblick auf die SUV-Vorstellungen der Briten gab die Studie EXP 9F, den Bentley 2012 auf den Automessen in Genf und Peking zeigte. Das kantige und etwas unproportioniert wirkende Design polarisierte – und das vollkommen bewusst: Bentley wollte provozieren und so die Medien und potenzielle Kunden dazu antreiben, ihre eigenen Vorstellungen von einem Bentley-SUV kundzutun. Quelle: REUTERS
Im vergangenen September kam vom Vorstand die Produktionsfreigabe – allerdings mit einem entschärften Design. Die Front wird sich – wie auf dem sandigen Foto zu erkennen – am typischen Vier-Augen-Gesicht der Marke orientieren. Die gesamte Linienführung wird wohl deutlich filigraner ausfallen. Für den standesgemäßen Vortrieb soll der aus dem VW-Konzern bekannte W12-Motor sorgen, der in dem SUV bis zu 610 PS leisten könnte. Quelle: Bentley Motors Limited

Als Wegbereiter für die SUV-Welle gilt der Range Rover, der bereits in den 1970er Offroad-Eigenschaften und Allradantrieb mit einem luxuriösen Innenraum kombinierte. Einen wahren Sprung erlebten die großen Sports Utility Vehicles Ende der 1990er, als Premiummarken wie Mercedes mit Modellen wie dem ML oder BMW mit dem X5 auf den Markt kamen. Heute finden sich SUVs in jeder Größe und Form in den Prospekten nahezu aller Hersteller. Wer kein SUV im Angebot hat, gilt als Verlierer.

Den Trend verschlafen zu haben, davon will man bei Bentley nichts wissen – im Gegenteil. „ Unser SUV wird der erste wirkliche Luxus-SUV auf dem Markt sein. Es gibt SUVs von Premiumanbietern wie Mercedes- Land Rover oder BMW, aber noch kein Angebot eines Luxusherstellers“, sagt Marketing-Vorstand Mark Rose. „Deshalb laufen wir keinem Trend nach, sondern etablieren ein neues Segment.“

Unter 200.000 Euro geht nichts

Ein Blick auf die Preise untermauert die Aussage von Rose: Die großen Premium-SUVs starten teilweise bei rund 50.000 Euro, die stärksten und teuersten Varianten stehen mit rund 130.000 Euro in der Liste. Bentley wird für sein selbsternanntes Luxus-SUV dem Vernehmen nach nicht weniger als 200.000 Euro verlangen – als Basispreis, versteht sich. Mit Sonderwünschen bei Lack und Leder wird die Summe nochmals weiter steigen.

Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer, nach einem Jahr als Audi-Entwicklungschef seit Juni bei den Briten wieder in Amt und Würden, macht keinen Hehl daraus, mit dem eigenen SUV direkt an Mercedes GL, Porsche Cayenne und dem Range Rover in puncto Luxus und Komfort direkt an die Spitze zu wollen. 3.000 Exemplare von seinem Luxus-SUV will Dürheimer pro Jahr absetzen – und so die Gesamtverkäufe von Bentley auf über 15.000 Fahrzeuge bringen.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Bei der Premium-Konkurrenz ist selbst in den Top-Varianten beim Achtzylinder Schluss, der Bentley bietet hingegen einen standesgemäßen Zwölfzylinder. „An meinem dritten Arbeitstag bin ich einen Prototyp des SUV gefahren und war begeistert“, sagt Dürheimer. „Unser Wagen tritt einem ins Kreuz, wie es eben nur ein Zwölfzylinder kann. Er wird den höchsten Topspeed und die besten Fahrleistungen bieten.“

Dafür soll der aus dem VW-Konzern bekannte W12-Motor sorgen, der in dem SUV bis zu 610 PS leisten könnte. Später ist auch der Einsatz des Vierliter-V8-Biturbos denkbar. Im Coupé Continental GT erfreut sich dieser V8 so großer Beliebtheit, dass er inzwischen auch in der Limousine Flying Spur angeboten wird. Selbst Diesel- oder Hybridantriebe sind in Crewe kein Tabu mehr. „Wir prüfen diese Möglichkeiten derzeit“, sagt Marketing-Vorstand Rose.

Einen Vorgeschmack auf das Bentley-SUV gab es auf dem Genfer Autosalon 2012, als die Briten die Studie EXP 9F präsentierten. Das Design polarisierte – während es die einen als zukunftsweisend empfanden, sahen es andere als einen stillos aufgepumpten Range Rover mit protzigem Kühlergrill und viel zu großen Scheinwerfern.

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