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Pläne von Bentley und Rolls-Royce Die Luxus-SUVs für die Wüstenscheichs

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Rolls-Royce überlegt noch

Genau dazu war das Concept Car gedacht – um zu provozieren und die eigene Vorstellung der Kunden vom Design eines Bentley-SUVs zu hören. Das Seriendesign, das sich auf dem bislang einzigen veröffentlichten Foto und den Aufnahmen der getarnten Prototypen abzeichnet, wird eher dem Markengesicht von Bentley entsprechen: Vier runde Scheinwerfer statt der überdimensionierten LED-Leuchten, geschwungene elegante Linien statt aufgesetztem Kasten-Design.

So weit ist man im südenglischen Goodwood noch nicht, um über konkrete Design-Vorschläge zu sprechen. Dennoch stehen die Rolls-Royce-Verantwortlichen vor ähnlichen Fragen: Wie kann man ein Fahrzeug für Schlamm und Sand mit dem Anmut und Anspruch einer der besten Luxus-Limousinen vereinen? Und wie soll dieses Auto dann aussehen?

Mit diesen Autos passen Sie durch keine Baustelle
AudiGroße Limousinen sind chic, noch beliebter sind bei den Deutschen Autofahrern allerdings Geländewagen und SUV. Das Problem an diesem Fahrzeugtypus ist aber nicht nur, dass ihre Besitzer damit Nebenstraßen nahezu unpassierbar für andere Verkehrsteilnehmer machen oder erst gar keinen Parkplatz finden. Sie sind auch zu breit für Fahrbahnverengungen in Baustellen. Bei Fahrbahn-Verengungen ist die linke der beiden Fahrspuren nämlich auf eine Fahrzeugbreite von zwei Meter beschränkt. Und das ist nicht nur für die SUV zu eng. So sind auch der Audi A4, A5, A6, A6 Allroad Quattro, A7, Audi Q3, Q5 und Q7 zu breit für linke Spuren in Baustellen. Denn entscheidend ist nicht die angegebene Außenbreite des Wagens, sondern die tatsächliche Breite inklusive Außenspiegel. Und die liegt bei den genannten Modellen zwischen 2,02 Metern (Audi A5 und Audi Q3) und 2,18 Metern (Audi Q7). Wer eines dieser Modelle fährt, muss in Baustellen also wahlweise die Spiegel einklappen, um andere nicht zu touchieren, oder auf der rechten Spur zwischen den Brummis hertuckern. Die komplette Liste der "dicken Autos" finden Sie übrigens beim Autodaten-Experte Schwacke. Quelle: obs
BMWIn der Schwacke-Auflistung der meistverkauften Modelle ab der Kompakt-Klasse stellt sich heraus, dass der größte Teil an Pkw ausdrücklich nicht auf verengten Fahrbahnen mit 2,0 Meter zugelassener Breite fahren darf. Dazu gehören auch folgende Modelle von BMW: Die 3er Serie von BMW mit einer Außenbreite von 1,81 Metern, aber einer tatsächlichen Breite von 2,03 Metern, die 5er Reihe mit 2,10 Metern Breite (angegeben 1,86 Meter), der X1 mit 2,04 Metern, der X3 mit 2,09 Metern, der X5 mit 2,18 Metern (angegeben 1,94 Meter) und der BMW X6 mit 2,20 Metern. Quelle: obs
OpelSelbst Mittelklassewagen von Opel sind zu fett fürs Ballett. Der Opel Astra ist zwar nur einen Zentimeter breite als die übliche Baustellen, aber das genügt, um sich den Spiegel abzufahren oder den anderen Verkehrsteilnehmern unschöne Rallye-Streifen in den Lack zu kratzen. Noch tiefer werden diese Kratzer mit dem Opel Zafira (2,03 Meter), dem Opel Insignia (2,08 Meter) und dem Opel Zafira Tourer (2,10 Meter). Quelle: dpa
VolkswagenEntgegen der landläufigen Meinung betrifft die Zweimeter-Grenze immer häufiger selbst Kompakt-Pkw wie den aktuellen VW Golf (2,03 Meter). Auch der Volkswagen CC, der VW Passat, der Sharan, der T5, der Tiguan, der Touareg und der Touran haben nicht nur in engen Parkhäusern Probleme sondern auch nichts auf engen Baustellen-Fahrbahnen verloren. Quelle: dpa
Land RoverSelbst bei Fahrspur-Verengungen auf maximal 2,2 Meter dürfen einige Modelle nicht auf die linke Spur wechseln. Dazu gehören der Land Rover Sport (im Bild rechts) mit 2,22 Metern Breite, der Lancia Voyager oder der Mercedes Viano mit jeweils 2,25 Metern und der Volkswagen T5 mit 2,28 Metern Breite. Quelle: obs
MercedesWer die angeordnete Maximalbreite missachtet, riskiert übrigens ein Bußgeld von 20 Euro. Also Achtung, sollten Sie eine A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse, E-Klasse, M-Klasse oder einen Mercedes CLS, GLK oder den bereits erwähnten Viano fahren. Die genannten Modelle sind nämlich inklusive Außenspiegel zwischen 2,01 Meter (B-Klasse) und 2,25 Meter (Viano) lang. Und das obwohl laut der eingetragenen Außenbreite kein Wagen breiter als 1,90 Meter (Viano) ist. Quelle: dpa
FordFahrer, die sich mit dicken Autos auf enge Spuren quetschen, müssen aber noch mehr befürchten, als ein kleines Bußgeld: Wird der Fahrer eines zu breiten Pkw in einen Unfall verwickelt, kann sogar der Kasko-Schutz eingeschränkt werden. Darüber hinaus kann wegen einer Mitschuld der Schadenersatz der gegnerischen Haftpflicht-Versicherung reduziert werden. Zu diesen zu breiten Wagen gehören auch der Ford Focus (Bild) mit 2,01 Metern, der Ford B- beziehungsweise C-Max mit je 2,07 Metern, der Ford Kuga mit 2,08 Metern, der Ford Mondeo mit 2,09 Metern und die Modelle Ford Galaxy und Ford S-Max mit jeweils 2,15 Metern Breite. Quelle: obs

„Rolls-Royce steht nicht in erster Linie für "Sport" und auch nicht für "Utility"“, sagt Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Övtös im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Wenn wir ein Fahrzeug in dieser Klasse anbieten, muss dieses selbstverständlich die Qualitäts- und Komfortansprüche unserer Marke erfüllen, aber gleichzeitig die gewünschte Funktionalität bieten, die in diesem Segment gefragt ist. All das führt zu vielen Überlegungen, wie das optimale Paket aussehen muss.“

Bei diesen Überlegungen mache man Fortschritte, mehr will der Unternehmenschef derzeit nicht sagen. Nur, dass er viele Anfragen für ein SUV-Modell bekommt. Da der gebürtige Deutsche Rolls-Royce als eine der „kundenorientiertesten Firmen im Automobilbereich“ sieht, wird er seinen solventen Käufern gut zuhören. „Für uns ist es sehr wichtig, von jedem Kunden das Feedback aufzunehmen, wie zufrieden er ist und welche Verbesserungsvorschläge er hat“, sagt Müller-Ötvös. „Somit haben alle unsere Kunden einen nicht unbeträchtlichen Einfluss darauf, wie das künftige Angebot aussehen wird.“

Eher Plug-In als reiner Elektroantrieb

Das beinhaltet auch die Antriebe. Der Zwölfzylinder wird zum Teil des Markenerlebnisses stilisiert, einen V8 wie bei Bentley wird es laut Aussage von Müller-Ötvös nicht geben. Auch die Chancen für die vor drei Jahren gezeigte Elektro-Studie von Rolls-Royce stehen eher schlecht. „Unsere Kunden haben das Modell ambivalent gesehen, weil damit viele Nachteile wie etwa die Ladezeit oder die Reichweite verbunden waren“, sagt der Rolls-Royce-Chef. „Derartige Konzepte müssen für den Kunden kompromisslos sein. Ein Plug-In-Hybrid ermöglicht emissionsfreies Fahren in der Stadt, aber auch hohe Reichweiten mit dem Verbrennungsmotor.“

Diese Luxus-Autos kommen 2014 außerdem auf den Markt

Während sich Rolls-Royce weiter mit Grundsatzfragen zu einem SUV-Modell beschäftigt, blickt man bei Bentley bereits auf die Jahre nach der Präsentation des Luxus-Allradlers. „Für die Zeit danach gibt es eine Reihe von Möglichkeiten“, sagt Marketing-Mensch Rose. „Aber jedes neue Modell wird etwas Neues bieten, so wie der SUV. Und das bedeutet sicher nicht einen niedrigeren Preis.“

Einige Klassen unter den Luxus-SUVs will auch Jaguar bei der Suche nach Stückzahlen und Ertragsquellen von dem Trend zum höhergelegten 4x4-Modell zu profitieren – trotz der Offroad-Kompetenz von Land Rover im eigenen Haus. Noch ist der C-X17, so der vorläufige Name, zwar nur eine Studie. Es gibt aber wenig Zweifel, dass bald eine bereifte Raubkatze über Stock und Stein unterwegs sein wird.

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