Plug-In-Offensive Daimler setzt auf die Steckdose

Der Plug-In soll es richten: Um die strengen CO2-Vorgaben zu erfüllen, setzt Daimler auf die Kombination von Verbrenner und Elektroantrieb – ein Schachzug mit Risiko.

Mercedes verlangt für den S 500 Plug-In Hybrid mindestens 108.944,50 Euro.

Der Autobauer Daimler will in den kommenden Jahren sein Angebot an sparsamen Plug-In-Hybriden deutlich ausbauen. „Wir beginnen jetzt mit dem S 500 Plug-In und bringen bis zum Jahr 2017 zehn Modelle“, sagte Entwicklungsvorstand Thomas Weber der Fachzeitschrift „Automobilwoche“.

Neben dem angekündigten Ableger der luxuriösen S-Klasse sollen die E- und C-Klasse mit einem Plug-In-Antrieb ausgestattet werden. In einem zweiten Schritt sollen große SUV, Coupés und Cabrios folgen. Von der Plug-In-Offensive ausgenommen sind die Kompaktwagen auf Basis der A- und B-Klasse. „Die erreichen schon jetzt sehr niedrige Verbrauchswerte, aber die nächste Generation wird ebenfalls mit Plug-In-Antrieb entwickelt“, sagte Weber.

Plug-In-Hybride verfügen im Gegensatz zu einem herkömmlichen Hybrid über eine größere Batterie, die auch an einer Steckdose aufgeladen werden kann. Dieser Akku ermöglicht in der Regel eine rein elektrische Reichweite von 20 bis 50 Kilometern, was den gängigsten Alltagsfahrten entspricht. Es ist aber auch ein vollwertiger Verbrennungsmotor an Bord, der den Wagen unabhängig von der Elektro-Reichweite macht.

Auch die Konkurrenz setzt auf den Plug-In

Aus diesem Grund werden Plug-In-Hybride derzeit größere Chancen am Markt eingeräumt als reinen Elektrofahrzeugen. Audi und VW zielen mit ihren Plug-In-Hybriden A3 e-tron und Golf GTE auf Mittelklasse-Kunden, während BMW mit seinem Hybrid-Sportwagen i8 in der Preisklasse über 100.000 Euro unterwegs ist. Daimler-Entwicklungsvorstand Weber geht davon aus, dass bis 2020 ein Plug-In genauso selbstverständlich wie ein Diesel oder Benziner werde. „Wir rechnen bis zum Ende der Dekade mit sechsstelligen Stückzahlen“, sagte Weber.

Daimler will mit der Plug-In-Offensive den künftigen CO2-Vorgaben der EU einen Schritt näher kommen. Ab 2021 darf die Neuwagenflotte eines Herstellers in der EU durchschnittlich nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer betragen, Daimler liegt aktuell bei 134 Gramm. „Ohne einen Durchbruch für den Plug-In-Hybrid sind die Vorgaben nicht zu schaffen“, sagte Weber in einem Interview mit „Spiegel Online“.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

Mittelfristig sieht nicht nur Daimler den Plug-In als Zukunftstechnologie, speziell für größere Fahrzeuge. Der reine E-Antrieb zielt eher auf Autos für die Stadt. Mit genauen Prognosen hält sich Weber allerdings noch zurück, „dafür ließen sich die Märkte und die politischen Rahmenbedingungen noch zu schwer einschätzen“. Sollte der Erfolg der Plug-In-Hybriden ausbleiben, muss Daimler um seine Emissionsziele fürchten.

Viele Plug-In-Modelle gelten in der Branche als Leuchtturm-Projekte, die nicht kostendeckend arbeiten. Sollen die Plug-In-Hybride allerdings die von Weber angepeilten Stückzahlen erreichen, dürfen sie kein Zuschuss-Geschäft bleiben. „Schon mit unseren aktuellen Hybrid-Modellen verdienen wir Geld“, sagte Weber. "Zwar nicht ganz so viel wie mit konventionellen Antrieben, aber mit jedem weiteren verkauften Exemplar verbessert sich die Situation.“

Durch Skaleneffekte und Fortschritte in der Batterietechnik soll der Deckungsbeitrag aber kontinuierlich steigen. „Mittelfristig werden die Plug-In-Modelle deshalb die gleichen zehn Prozent Rendite einspielen, die wir bei allen anderen Autos auch erreichen wollen.“

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