Porsche, Ferrari und Co. als Polizeiauto Dubais Polizei patroulliert in Luxus-Schlitten

Dubai liebt den Luxus – das gilt auch für die Polizei. Neben den Streifenwagen hat sie auch eine Flotte von Luxusflitzern. Wenig tauglich für die wirkliche Polizeiarbeit - aber darauf kommt es anscheinend auch nicht an.

In Dubai hat sich die Polizei eine PS-starke Flotte aufgebaut. Quelle: AP

Image ist alles in Dubai - auch bei der Polizei. Sie hat neben ihrer Flotte von schnöden grün-weißen Streifenfahrzeugen ein Arsenal an luxuriösen Sport- und Geländewagen angesammelt, die das Herz jedes Autofans höher schlagen lassen.

Dass die Gesetzeshüter in erlesenen Karossen mit reichlich Pferdestärken durch die Straßen kreuzen, passt in das auf Superlative bedachte Dubai, wo feuerwehrrote Ferraris an Ampeln röhren und Rolls-Royce-Cabrios auf einem Boulevard das höchste Gebäude der Welt umkreisen.

Das Arsenal der Polizei in der Wüstenmetropole reicht vom Aston Martin One-77 über den BMW i8 und Lamborghini Aventador bis zum Porsche Panamera S E-Hybrid. Aber wer erwartet, dass Gesetzeshüter in einem dieser Flitzer auftauchen, wenn man einen Auffahrunfall verursacht hat, der liegt falsch.

Der einzig wahre Turbo
Er ist seit Jahren das Topmodell der 911-Baureihe: der Porsche 911 turbo. Seit der aktuellen Baureihe hat Porsche noch eins draufgelegt, den turbo S. Beide Varianten haben jetzt die jüngste Modellpflege erhalten und – fast schon selbstverständlich – nochmals an Leistung und Perfomance zugelegt. Nötig gewesen wäre das wohl kaum, mit 520 und 560 PS standen beide Modelle bereits gut im Futter. Quelle: Porsche
Die neuen Top-Modelle der Baureihe 991 II, wie der überarbeitete 911 intern heißt, bringen im Falle des Turbo 540 PS und beim Turbo S 580 PS auf die Straße. Da kommt die Leistung auch wirklich an – das nochmals überarbeitete Allrad-System sorgt für eine enorme Traktion. Quelle: Porsche
Die neuen Turbos auf das Leistungsplus zu beschränken, würde dem Update aber nicht gerecht. Um sich von den ebenfalls zwangsbeatmeten Carrera und Carrera S mit 3,0 Litern Hubraum abzuheben, bleibt es beim Turbo bei 3,8 Litern – beim S-Modell hat Porsche zudem einen größeren Verdichter eingebaut. Leistungstechnisch gab es außer einem erhöhten Einspritzdruck kaum etwas zu verbessern, deshalb haben sich die Ingenieure der Fahrbarkeit des Boxermotors angenommen. Quelle: Porsche
Dabei stand die aktive Boost-Funktion im Fokus: Im Sport- und Sport-Plus-Modus wird mit einem kleinen Trick das Ansprechverhalten der Lader verbessert. Bei schnellen Lastwechseln bleiben die Drosselklappen offen, das Gas wird in diesem Moment nur über die Einspritzmenge und den Zündzeitpunkt gesteuert. Die offene Drosselklappe sorgt aber für einen konstanten Luftstrom am Turbolader, der somit weiter läuft und den Ladedruck so hoch hält. Das Ergebnis: Das Turboloch ist nicht einmal mehr zu erahnen, die Verzögerung beim Ansprechen gleich null. Quelle: Porsche
Auf der ehemaligen Formel-1-Strecke im südafrikanischen Kyalami bei Johannesburg, wo Porsche die Turbo-Modelle vorgestellt hat, ließ sich der Effekt des aktiven Boosts aber kaum herausfahren – im Verlauf der hügeligen Strecke gibt es kaum schnelle Lastwechsel, die Kurven sind viel weitläufiger als auf einer Landstraße. Eine enge Schikane fehlt ebenfalls. Dafür konnte der in "Lava Orange" lackierte Turbo S in Kyalami eine andere Stärke ausspielen: Die schon fast unheimliche Traktion seines Allrads. Quelle: Porsche
Mit all er Elektronik von Motor, Allrad, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung lässt sich der 1,6 Tonnen schwere Sportwagen erstaunlich handlich auf der Rennstrecke bewegen – aktive Motorlager, Hinterachslenkung, Wankausgleich, aktive Spoiler vorne und hinten und Torque Vectoring machen es möglich. Beim Turbo S gehört das fast alles zur Serienausstattung, beim Turbo sind Systeme wie die Hinterachslenkung gegen Aufpreis erhältlich. Die aufwändige Technik und die enorme Leistung können aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach den wenigen Kilometern auf dem Kyalami Grand Prix Circuit Linienwahl und Bremspunkt des Fahrers entscheidender für eine gute Rundenzeit sind als etwa der 40-PS-Unterschied zwischen einem Turbo und einem Turbo S. Quelle: Porsche
Verzögert wird beim Turbo S ab Werk mit den Hochleistungs-Keramikbremsen Porsche Ceramic Composite Brakes (PCCB). Beim Turbo muss noch ein 9186,60 Euro teures Kreuzchen gemacht werden, um in den Genuss der Keramikbremse zu kommen – ansonsten wird konventionell mit Stahl verzögert. Quelle: Porsche

Diese Fahrzeuge werden nicht bei Verkehrskarambolagen eingesetzt, auch nicht bei Auto-Verfolgungsjagden, wie Polizei-Leutnant Saif Sultan Rasched al-Schamsi erklärt. Sie tauchen bei speziellen Veranstaltungen und Anlässen auf oder kreuzen durch Gebiete mit besonders vielen Touristen, um den Besuchern ein glamouröses Bild von der Polizei zu vermitteln.

Es sei ein guter Weg, die Uniformierten in der Öffentlichkeit beliebter zu machen, erläutert Al-Schamsi. So riefen viele Touristen und Einwohner sogar die Notruf-Nummer 999 an, um nach diesen Autos zu fragen. „Sie wollen wissen, an welchem Ort sie sind, wie sie sie finden können, und wollen mit ihnen fotografiert werden.“

Die größten Premium-Autobauer der Welt
Platz 14: TeslaDer Elektrofahrzeughersteller konnte seine Absatzzahlen im vergangenen Jahr um satte 75 Prozent steigern auf 50.500 Autos. Allerdings sind die Absatzzahlen teuer erkauft. Denn Tesla verdient an seinen Fahrzeugen bisher keinen einzigen Cent. Doch die Erwartungen sind umso höher. Bereits jetzt wird Tesla an der Börse mit einer halb so hohen Marktkapitalisierung wie BMW gehandelt. Mit dem Unterschied, dass BMW bereits jetzt knapp zwei Millionen Autos allein im Premiumsegment absetzt. Quelle: AP
Platz 13: JaguarDie traditionelle englische Nobelmarke hat ihren seniorenhaften Stil abgelegt. Die neuen Fahrzeuge von Jaguar sind modern, laut und sportlich. Der Strategieschwenk lohnt sich. 2015 verkaufte der Autokonzern 84.000 Fahrzeuge. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von drei Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 12: LincolnDie amerikanische Luxusautomarke produzierte für zahlreiche US-Präsidenten die Staatskarosse. Roosevelt, Truman, Eisenhower, Kennedy und Bush Senior ließen sich mit den Limousinen von Lincoln kutschieren. 2015 stieg der Absatz um 7,1 Prozent auf 101.000 Fahrzeuge. Quelle: AP
Platz 11: Cadillac Quelle: REUTERS
Platz 10: AcuraHondas Sport- und Premiumableger Acura wird mit derselben Strategie vertrieben, wie die Nobelableger von Toyota (Lexus) und Nissan (Infiniti). Seit 2006 verkauft Acura seine Autos auch in China. Der Absatz lag im vergangenen Jahr bei 177.000 Fahrzeugen. Quelle: dpa
Platz 9: InfinitiDer Hauptsponsor des Formel-1-Teams von Red Bull versucht den etablierten Premiummarken Audi, BMW und Mercedes Marktanteile abzuknöpfen und will vor allem in Europa Fuß zu fassen – mit durchwachsenem Erfolg. 2015 wurden gerade einmal 215.000 Fahrzeuge verkauft. Immerhin lässt die Wachstumsrate hoffen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Absatz um 16 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 8: PorscheSatte 19 Prozent mehr Fahrzeuge wurde Porsche im Jahr 2015 los. Insgesamt verkaufte der Hersteller von Supersportwagen 225.000 Fahrzeuge. Vor allem die SUVs Cayenne und Macan peppen die Bilanz der Stuttgarter auf. Quelle: dpa

Wie neulich, als die Polizei gleich mehrere vor einem Hotel geparkt hatte. Da wurde wie wild geknipst, als die Türen des BMW i8 wie Flügel nach oben schwangen, auf dem Nummernschild die Ziffern 2020 - eine Erinnerung daran, dass Dubai Gastgeber der Weltausstellung 2020 ist. Auch ein zweitüriger Bentley Continental und ein Nissan GTR waren dabei, letzterer funkelnagelneu, der Rücksitz noch in Plastik eingehüllt.

So zückte denn auch der Amerikaner Tim Dean seine Kamera. „Man sieht nicht viele Polizeiautos wie diese“, sagte der 24-jährige Tourist aus Florida. Er ist die bescheidenen Ford-Crown-Victoria-Autos der Polizei daheim gewohnt. Ob die Luxuswagen für die Gesetzeshüter in Dubai gekauft oder ob sie gespendet wurden, dazu wollte sich Al-Schamsi nicht äußern.

Update für den Allrad-Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari
Ferrari GTC4 Lusso Quelle: Ferrari

Bisher gibt es kaum Studien darüber, ob und, wenn ja, welchen Effekt solche Autos für die tatsächliche Polizeiarbeit haben. Der Einsatz in Dubai diene daher vielleicht mehr dem Ziel, ein bestimmtes Image zu vermitteln, sagt Professor Dennis Kenney vom John Jay College of Criminal Justice in New York. Diese Autos seien wirklich schnell, aber darüber hinaus für andere Aspekte der Polizeiarbeit nicht sehr geeignet.

Aber einen Flitzer zu steuern macht halt Spaß. Wie man kürzlich an einem Morgen sehen konnte, als Polizist Mohammed Ali einen Brabus Mercedes-Benz G63 AMG „ausführte“. Er brachte ihn vorsichtig über eine Bodenschwelle, ging dann in den Leerlauf und trat leicht aufs Gaspedal. Der V8-Motor reagierte mit einem kehligen Röhren. „Er ist sehr stark“, sagte der Polizist und lächelte.

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