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Porsche Porsche-Chef Müller dämpft die Erwartungen

Auch bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das abgelaufene Geschäftsjahr war ein Riesenerfolg. Aber 2014 steht die VW-Tochter vor großen Herausforderungen.

Matthias Müller Quelle: dpa

Porsche-Chef Matthias Müller trat vorsichtshalber ein wenig auf die Bremse. Bei aller Euphorie über die glänzenden Geschäfte im vergangenen Jahr – es gebe keine Garantie, dass die Rekordfahrt im gleichen Tempo weitergehe, warnte er auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart: „Auch wenn Porsche beim Absatz und Umsatz zulegen wird, ist 2014 für uns ein Jahr voller Herausforderungen.“ Wohl war. Zwar sind in den ersten beiden Monaten des Jahres die Verkäufe des Sportwagenherstellers im Vergleich zu den Vorjahresmonaten nochmals um drei Prozent gestiegen. Das macht, klar, Hoffnung auf mehr.

Aber die eigentlichen Herausforderungen stehen den Stuttgartern noch bevor: Im April beginnt offiziell der Verkauf des neuen Macan, des Hoffnungsträger von Porsche im wachsenden Markt für Kompakt-SUVs. Für das Auto hat Porsche das Werk Leipzig massiv ausgebaut und auch neues Personal eingestellt. Dass der Wagen ein Erfolg wird, steht für alle, die ihn bereits fahren und auch im Gelände testen konnten, außer Frage. Die Ingenieure haben gute Arbeit geleistet und ein Auto auf die Straße gestellt, das Maßstäbe setzt in Fahrdynamik und Fahrspaß. Dennoch, so hört man, läuft die Produktion langsamer hoch als ursprünglich gedacht. Schuld hat der Wunsch von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dem Macan eine Motorhaube zu verpassen, die über die Kotflügel hinaus reicht und die Scheinwerfer einschließt.

Die so genannte übergreifende Haube gibt dem Wagen zwar einen breiten und bulligen Auftritt. Das riesige Bauteil aus Aluminium aber lässt die Experten der Qualitätssicherung immer wieder schier verzweifeln, weil es Nachlässigkeiten in der Montage anhand des Fugenverlaufs sofort sichtbar werden lässt. Zudem hat die Fertigung der Haube selbst in den vergangenen Woche einige unerwartete Probleme aufgeworfen: Beim Umbördeln der Kanten bekam das Alublech Risse. Die hohe Ausschussquote, berichtet ein beteiligter Ingenieur, habe dazu geführt, dass die Kammlinie in der Produktion immer noch nicht erreicht sei und die produzierten Fahrzeuge hinter der Planung zurückblieben. 50.000 Fahrzeuge pro Jahr will Porsche von dem neuen Modell fertigen. Nach Stand der Dinge wird dieses Ziel frühestens im nächsten Jahr erreicht.

Auch an anderer Stelle hat das stark ingenieursgetriebene Unternehmen derzeit mit Problemen zu kämpfen: Die Produktion des Porsche 911 GT3, des besonders sportlichen und 475 PS besonders starken Spitzenmodells der Elfer-Baureihe, ist derzeit gestoppt, nachdem in den vergangenen Wochen zwei Fahrzeuge in Flammen aufgegangen waren. Über 700 Autos des Typs, die bereits ausgeliefert sind, warten nun im Werk oder in den Porsche-Zentren auf Nachbesserung – sehr zum Verdruss der Besitzer. Viele von ihnen wollten das Autos in der anbrechenden Motorsportsaison bei Rennen einsetzen – und stehen nun ohne Fahrzeug da. Nach intensiver Suche kennt Porsche nun die Ursache der Brände. Zu den Details aber mochte sich Müller auf der Pressekonferenz nicht äußern: „Wir kennen die Gründe“, sagte Müller.

Pleuelschrauben

Derzeit erprobe das Unternehmen „Abstellmaßnahmen“ und werde sich dann „sehr detailliert“ zum weiteren Vorgehen äußern. Vorerst gibt es nur Mutmaßungen. Dem Vernehmen nach trägen Pleuelschrauben Schuld an dem Desaster: Sie sollen hohen Belastungen in dem Hochleistungsmotor nicht gewachsen sein, brechen und den Motor zerschlagen. Der Imageschaden ist jedenfalls schon jetzt gewaltig. Porsche wird sich einiges einfallen lassen müssen, um die Besitzer der Autos für die Zeit zu entschädigen, in der sie ihre 150.000 Euro teuren Autos nicht nutzen konnten.

Immerhin: Bei der Wiedergutmachung braucht Porsche nicht zu knausern - die Kasse ist wieder gut gefällt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit einem Verkauf von 162.145 Autos einen operativen Gewinn von 2,58 Milliarden Euro – das entspricht einem Gewinn von rund 15.911 Euro pro Fahrzeug oder einer Umsatzrendite von 18 Prozent. Porsche ist für den VW-Konzern also weiterhin eine Perle. Den „Turbo-Sonderzahlungs-Bonus“ von 8200 Euro haben sich die Porsche-Mitarbeiter in diesem Jahr also allemal verdient.

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Und wie geht es weiter mit Porsche? Das Absatzziel von 200.000 Fahrzeugen, das Müller für das Jahr 2018 ausgegeben hatte, ist bereits in Reichweite und wird – wenn die Weltwirtschaft keinen Strich durch die Rechnung macht - spätestens im kommenden Jahr erreicht werden. Der Macan und der neue 911 Targa werden dem Unternehmen nicht nur in Deutschland neue Kundenzuführen. Muss man sich bei solchen Verkaufszahlen Sorgen machen um die Exklusivität der Marke? Würden all die Autos in Europa abgesetzt werden, wäre das sicher der Fall. Aber 200.000 Porsche verteilt über die Welt sind immer noch wenig genug, um die Begehrlichkeit hoch zu halten: Ob der Weltmarktanteil 0,18 oder 0,2 Prozent beträgt, ist  letztlich unerheblich. Weitere Modellreihen – angedacht sind ein Supersportwagen oberhalb des Elfer und eine viertürige Limousine unterhalb des Panamera – könnten die Modellreihe weiter abrunden und die Verkaufszahlen auf neue Rekordwerte treiben.

Fast noch wichtiger als die Arbeit an neuen Autos ist aber die Arbeit am Image der Marke, die vor bald 70 Jahre mit reinrassigen leichten Sportwagen begann und heute in weiten Teilen der Welt eher als Hersteller von SUVs bekannt ist – der Elfer spielt etwa auf dem chinesischen Markt kaum eine Rolle. Insofern ist es gut, dass sich Porsche wieder intensiver im Motorsport engagiert: Für einen Sieg beim Langstreckenklassiker 24 Stunden von Le Mans dürfte es in diesem Jahr zwar noch nicht reichen. Aber ein Achtungserfolg gegen die Konzernschwester Audi und gegen Toyota sollte dabei schon herausspringen. An defekten Pleuelschrauben sollte die Zielankunft jedenfalls nicht scheitern.

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