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Porsche-Prozess Die tückischen Geschäfte des Wendelin W.

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Am Rande des Ruins?

Die Kaufoptionen verpflichteten Maple, Geld an Porsche zu zahlen, wenn der VW-Aktienkurs über einen vereinbarten Schwellenwert (Strike) steigt. Da der Aktienkurs von VW theoretisch hätte unendlich steigen können, konnte daraus ein unkalkulierbares Risiko für Maple entstehen. Sie leitete deshalb einen Teil der Optionen an andere Banken weiter. Maple oder eben die andere Bank sichern sich gegen solche Risiken in der Regel ab, indem sie selbst VW-Aktien kauft. Wenn der Kurs dann steigt, muss die Bank zwar Ausgleichszahlungen an Porsche zahlen, profitiert aber auch vom gestiegenen VW-Aktienkurs.

In der Woche vor dem 26. Oktober 2008 sank der VW-Kurs aber. Wollten die Banken mit den VW-Aktien keine Verluste machen, mussten sie Papiere verkaufen. Damit hätten sie aber zwangsläufig einen weiteren Kursrutsch ausgelöst. Das hätte dann bei Porsche aber zu Verlusten aus den Verkaufs-Optionen geführt. Denn wäre der Kurs unter einen vorab vereinbarten Schwellenwert gesunken, hätte Porsche der Maple Bank einen Ausgleich zahlen müssen.

Laut Staatsanwaltschaft hätten sich aus den von Porsche bis Oktober 2008 erworbenen Optionen „im Falle eines weiteren Kursverfalls der Volkswagen-Aktie zu diesem Zeitpunkt Zahlungsverpflichtungen in einer Größenordnung ergeben, die die liquiden Mittel Porsches um ein Vielfaches überstiegen“. Selbst wenn Porsche noch die unbelasteten VW-Aktien hatte: Im Falle eines Kurssturzes hätten die erstens kräftig an Wert verloren. Und mitten in der Finanzkrise ließe sich damit kaum Bargeld generieren.

Das Unternehmen drohte, davon gehen die Staatsanwälte aus, wegen Härters und Wiedekings Wetten zu kollabieren.

Härter räumte in dem Prozess wegen Kreditbetrugs selbst ein, dass ein Kredit, den er für die Übernahme brauchte, im letzten Quartal 2008 nicht zu bekommen war. Ob Porsche in der Gemengelage durchgehalten hätte, steht in den Sternen. Den Beweis trat Porsche nicht an, weil infolge der Pressemitteilung zur geplanten 75-Prozent-Übernahme der VW-Kurs wieder stieg.

Auto



Wie Porsche ohne die Meldung aus der Misere herausgekommen wäre, kann Härter der 13. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart ab Donnerstag erklären. Vielleicht versteht der vorsitzende Richter Frank Maurer ihn etwas besser als sein Kollege aus dem Kreditbetrugsprozess: Maurer ist Spezialist für Aussagepsychologie. Auch das Innenleben von Großkonzernen kennt Maurer: Er ließ sich zeitweilig beurlauben, um 2010 für die Telekom als Datenschutzermittler zu arbeiten.

Allerdings: Vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden der 13. Strafkammer leitete der 41-Jährige „nur“ eine Berufungskammer am Landgericht Stuttgart. Maurer beschäftigte sich dort zum Beispiel mit den Vorsitzenden eines Handballvereins, die Steuern und Sozialabgaben hinterzogen haben sollen. Erfahrungen als Vorsitzender Richter in überregional bedeutenden Wirtschaftsstrafprozessen hat Maurer keine. Er scheint dennoch gewillt, die Sache zügig durchzuziehen. Die wesentlichen Zeugen sind bis zur Weihnachtspause geladen, was darauf hindeutet, dass er den Fall bis Jahresende vom Tisch haben will.

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