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Porsche Prozess gegen Ex-Chef Wiedeking geht in Verlängerung

Die Ankündigung kommt überraschend: Das Landgericht Stuttgart hat die Beweisaufnahme im Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wieder eröffnet. Es soll noch zwei weitere Verhandlungstermine geben.

ARCHIV - Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (M), steht am 22.10.2015 zum Auftakt des Prozesses im Landgericht in Stuttgart (Baden-Württemberg). Den früheren Vorständen wird im Zusammenhang mit der geplanten aber gescheiterten Übernahme von VW Marktmanipulation vorgeworfen. Foto: Marijan Murat/dpa (zu lsw Vorausmeldung: «Porsche Prozess» vom 18.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Der Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geht überraschend in die Verlängerung. Das Landgericht Stuttgart hat die Beweisaufnahme wieder eröffnet. Zusätzlich zu den beiden noch ausstehenden Prozesstagen sollten zwei weitere Verhandlungstermine festgesetzt werden, teilte das Landgericht am Mittwoch mit. Das ursprünglich für 4. März geplante Urteil dürfte sich damit verschieben. Die Entscheidung des Gerichts ist ungewöhnlich, da es die Beweisaufnahme vor dem Plädoyer der Staatanwaltschaft bereits abgeschlossen hatte. Zu den Gründen für die erneute Beweisaufnahme wollte sich das Gericht am Mittwoch nicht äußern.

Diese Wirtschaftspromis standen 2015 vor Gericht
Deutsche Bank Das wohl spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren 2015 war wohl der Deutsche-Bank-Prozess. Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Manager des Branchenprimus stehen seit April vor dem Landgericht München. Sie sind wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Sie sollen Richter betrogen haben, um die Deutsche Bank vor Schadenersatzzahlungen an den Medienunternehmer Leo Kirch zu bewahren. Fitschen sieht sich zu Unrecht verfolgt. Er habe nie gelogen oder betrogen, versicherte er vor Gericht. Auch die anderen Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück. Der Prozess könnte bereits im Januar 2016 zu Ende gehen. Quelle: dpa
Sal. OppenheimDer Sal.-Oppenheim-Prozess ist ein Symbol für den tiefen Fall von Edelbankern. Zwei Jahren saßen die vier Ex-Chefs der Kölner Nobelbank auf der Anklagebank. Im Juli wurden sie verurteilt, einer von ihnen soll ins Gefängnis. Die beiden bekanntesten, der Ex-Sprecher Matthias Graf von Krockow und der Erbe Christopher von Oppenheim (Foto), kamen mit Bewährungsstrafen davon. Quelle: REUTERS
Sal. OppenheimWiederum ihr ehemaliger Geschäftspartner, der Immobilienmanager Josef Esch, den viele als den eigentlichen Strippenzieher sehen, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Spitze der einst größten Privatbank Europas hatte sich nach Überzeugung des Kölner Landgerichts der gemeinschaftlich begangenen Untreue in einem besonders schwerem Fall schuldig gemacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft und zwei der Ex-Banker haben Revision eingelegt. Quelle: dpa
PorscheDie Übernahme von Volkswagen sollte in den Jahren 2008 und 2009 das Meisterstück des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking werden. Doch die Sache ging schief, der einstige Topmanager verlor seinen Posten. Seit November diesen Jahres muss sich der 63-Jährige vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Quelle: dpa
PorscheSowohl Wendelin Wiedeking als auch seinem Finanzvorstand Holger Härter (Foto) wird Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen versucht haben, den Kurs der VW-Aktie zu beeinflussen. Quelle: REUTERS
Hanns W. FeigenUmringt von Star-Verteidigern, wie etwa Hanns W. Feigen, sitzt Wiedeking in stoischer Ruhe im Gerichtssaal. Er und Härter haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Planmäßig dauert der Prozess bis Anfang 2016. Anwalt Hanns W. Feigen stand schon Steuersünder Uli Hoeneß juristisch bei, auch der Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen lässt sich von ihm vertreten. Quelle: dpa
ArcandorThomas Middelhoff, der frühere Chef des Handelskonzerns Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook), und weiteren Ex-Vorständen droht wohl im kommenden Jahr ein weiterer Strafprozess. Ermittler halten Millionen-Boni aus den Jahren 2006 bis 2009 angesichts der Firmenpleite für nicht gerechtfertigt. Die Staatsanwaltschaft Bochum habe Klage gegen Middelhoff sowie fünf weitere Ex-Vorstände und neun frühere Aufsichtsräte beim Landgericht Essen eingereicht. Der Vorwurf: Untreue in besonders schwerem Fall und Beihilfe. Erst im vergangenen Jahr musste sich der frühere Top-Manager wegen Untreue und Steuerhinterziehung verantworten. Nach 35 Verhandlungstagen verurteilte ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Gegen das Urteil hat Middelhoff Revision eingelegt. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes steht noch aus. Quelle: dpa

Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter stehen seit Oktober wegen Marktmanipulation vor Gericht. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die Beschuldigten mit Pressemitteilungen zwischen März und Oktober 2008 den Plan einer Übernahme des viel größeren VW-Konzerns zunächst wahrheitswidrig abgestritten hätten, um Anleger in die Irre zu führen. Mit der Bekanntgabe des Plans am 26. Oktober 2008 hätten sie den VW-Aktienkurs nach oben treiben wollen, um Verlust aus milliardenschweren Optionsgeschäften zu vermeiden.

Porsche und die Hedgefonds

Wiedeking und Härter hatten die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe für Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter sowie Geldbußen für die beiden und den VW-Großaktionär Porsche SE gefordert.

Ein Sprecher der Wiedeking-Verteidiger Hanns Feigen und Walther Graf erklärte, eine erneute Beweisaufnahme sei hilfreich, weil damit auch jüngste, neu erhobene Vorwürfe ausgeräumt werden könnten. So könne ein zügiges Ende des Prozesses mit einem Freispruch erreicht werden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, mit dem Plädoyer keine neue Hypothese aufgestellt zu haben. "Wir halten den Sachverhalt nach den bisher eingeführten Beweismitteln für aufgeklärt." Die Porsche SE lehnte eine Stellungnahme ab.

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