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Porsche-Prozess Die tückischen Geschäfte des Wendelin W.

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Vorwurf I: Die Porsche-Vorstände sollen gelogen haben

Im September 2005 entschieden die Vorstände von Porsche, sich am ungleich größeren Autokonzern VW zu beteiligen. 20 Prozent der Aktien sollten es zunächst sein. Ab März 2008 aber wollten die Stuttgarter mehr. Der Porsche-Aufsichtsrat beschloss, den Anteil an VW auf über 50 Prozent aufzustocken. So steht es im Protokoll der Sitzung, und so wurde es auch öffentlich kundgetan. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Porsche-Vertreter sich da schon insgeheim darauf verständigt hatten, mehr als 75 Prozent kaufen zu wollen – ohne den anderen Anlegern etwas davon zu sagen.

Mindestens fünf Mal dementierten die Vorstände oder ihre Sprecher in den folgenden Monaten immer wieder aufkommende Gerüchte, Porsche strebe eine Dreiviertelmehrheit an. Durch diese Dementi könnte Porsche andere Anleger in ihrem Kaufverhalten beeinflusst und so den Markt manipuliert haben, meinen die Ankläger heute.

Dass das Gericht dem zustimmt, ist allerdings fraglich. Schon 2012 wollte die Staatsanwaltschaft Härter und Wiedeking deswegen den Prozess machen. Die Richter am Landgericht verhinderten das zunächst, weil ihnen die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Indizien für eine „heimliche Beschlusslage“ der Porsche-Gremien zu dünn erschienen. Das Oberlandesgericht sah das etwas anders und wies das Landgericht an, den Porsche-Vorständen den Prozess zu machen.

Die Aufsichtsräte aber müssen sich keiner Hauptverhandlung stellen. Die Staatsanwaltschaft selbst verzichtete auf eine Anklage, weil sie eben keine Belege für eine „verdeckte Beschlusslage“ finden konnte. Dass ihr die Indizien aber reichen, um den Vorstand anzuklagen, ist zumindest eigentümlich.

Vorwurf II: Porsche konnte den VW-Deal nicht bezahlen

Am 26. Oktober 2008 verkündete Porsche per Pressemitteilung nicht nur, mehr als 75 Prozent der VW-Aktien kaufen zu wollen, sondern auch, schon Aktien und Optionen im Gesamtumfang von 74,1 Prozent zu besitzen. Damit erweckte Porsche bei Anlegern den Eindruck, dass kaum noch VW-Aktien am Markt zu haben waren. Diese griffen daraufhin umso eiliger zu und trieben den VW-Kurs von 200 auf zeitweise mehr als 1000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft meint: Mit der Pressemitteilung hätten die Porsche-Vorstände anderen Anlegern nur vorgegaukelt, dass VW-Aktien knapp sind. Porsche sei zu diesem Zeitpunkt schon so klamm gewesen, dass sie die Kauf-Optionen gar nicht mehr lang hätte halten können. Wäre das den anderen Anlegern klar gewesen, hätten sie niemals panisch gekauft und somit auch den Aktienkurs nicht hoch getrieben.

Porsche und die Hedgefonds

Die Pressemitteilung sei also irreführend gewesen, meint die Staatsanwaltschaft. Die Porsche SE hat das stets abgestritten. Aus dem Lager der Angeklagten heißt es zudem, dass das Unternehmen noch Geldreserven gehabt habe und damit keineswegs zu klamm war, um an den Kaufoptionen festzuhalten. Neben zwei Milliarden Euro in bar, hätte Porsche noch seine bis dato unbelasteten VW-Aktien als Sicherheit verwenden können. Darüber hinaus hätte die deutsche Tochter der kanadischen Maple Bank, mit der Porsche Derivategeschäfte abwickelte, von Porsche ohnehin noch 4,5 Milliarden Euro als Sicherheit gehabt. Einen Teil davon hätte der Stuttgarter Konzern Ende Oktober zurückerhalten.

Dass die Lage tatsächlich so entspannt war, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Fakt ist: Nicht nur der VW-Kurs war in diesen Tagen schon von etwa 400 auf etwa 210 Euro gefallen, die Aktienmärkte weltweit drohten zu kollabieren. Schließlich war in den USA die Investmentbank Lehman pleitegegangen. Für Porsche war das eine Katastrophe.

Porsche hielt seinerzeit Optionen zum Kauf von VW-Aktien (Call-Optionen) und hatte Verkaufsoptionen (Put-Optionen) verkauft. Vertragspartner war die deutsche Niederlassung der kanadischen Maple Bank.

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