Porsche-Prozess Wiedeking wehrt sich gegen Vorwürfe

Haben Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter im VW-Übernahmekrimi Anleger bewusst getäuscht? Das muss jetzt das Landgericht Stuttgart klären. Wiedeking selbst hält sich für unschuldig.

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vor Gericht: Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe sind möglich. Quelle: dpa

Der wegen Marktmanipulation beim VW -Übernahmepoker angeklagte Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat in seiner Verteidigungsrede vor Gericht mit dem früheren Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch abgerechnet. Er weise die Annahme der Staatsanwaltschaft zurück, es habe mit Piëch als Miteigner von Porsche und VW heimliches Einvernehmen zu einer VW-Übernahme geherrscht, erklärte Wiedeking am Donnerstag zum Auftakt des Strafprozesses vor dem Landgericht Stuttgart. Piëch habe über ihn einst geäußert, er lasse sich sein Lebenswerk nicht von einem angestellten Manager ruinieren - trotzdem halte es die Staatsanwaltschaft für möglich, dass er sich mit Piëch verschworen habe, sagte Wiedeking: "Die mir unterstellte Nähe zu Ferdinand Piëch, ich betonte das ausdrücklich, schmerzt mich richtig."

Die Staatsanwaltschaft wirft Wiedeking und seinem damaligen Finanzchef Holger Härter vor, Anleger im Übernahmepoker um VW 2008 mit Falschinformationen gezielt in die Irre geführt zu haben. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Holding Porsche SE habe unter ihrer Führung erst am 26. Oktober 2008 bekannt gegeben, ihren VW-Anteil auf eine Beherrschungsmehrheit von 75 Prozent aufstocken zu wollen, obwohl dies spätestens im März 2008 beschlossen worden sei. Wiedeking betonte, dass diese tatsächlich länger diskutierte Strategie nur mit dem Segen der Familien Realität werden konnte. Einen Beschluss des Aufsichtsrates dazu habe es aber erst Ende Oktober gegeben.

Strafverfahren in den Streitigkeiten um die Übernahmeschlacht Porsche - VW

Zuvor habe Piëch sich im Ringen um den Einfluss Porsches auf den viel größeren Wolfsburger Konzern lange gesträubt, schilderte Wiedeking weiter. Der Porsche-Enkel und Miteigner des Familienimperiums habe seine Verwandtschaft und die Porsche-Manager im Unklaren gelassen, Wiedeking Knüppel zwischen die Beine geworfen und dann plötzlich seine Meinung geändert. Nach außen sei die Familie geschlossen aufgetreten. "Intern hatten sie große Schwierigkeiten und misstrauten einander", sagte Wiedeking. Piëch war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er soll zwar mit seinem Cousin Wolfgang Porsche, damals wie heute Aufsichtsratschef der Porsche SE, am 14. Januar als Zeuge vor Gericht erscheinen. Doch da die Staatsanwaltschaft kürzlich ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur Marktmanipulation gegen die Porsche-Aufsichtsräte einstellte, haben sie nach Ansicht der Wiedeking-Verteidiger ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Wiedeking war auf Betreiben Piëchs nach dem Scheitern der Übernahme von Volkswagen im Sommer 2009 gefeuert worden. Denn am Ende des Übernahmepokers drohte Porsche der Bankrott, VW drehte den Spieß um und übernahm den Sportwagenbauer als Marke. Die Porsche SE wurde mit etwas über 50 Prozent Hauptaktionär von VW.

In seinen 17 Jahren als Porsche-Chef hatte Wiedeking die einst angeschlagene Sportwagenschmiede zum rentabelsten Autobauer der Welt gemacht. "In meiner Zeit wurde die Familie zu Milliardären", sagte Wiedeking. Er selbst war mit einem Jahressalär von bis zu 100 Millionen Euro der bestverdienende Vorstandschef in Europa.

Wiedeking ist von Freispruch überzeugt

Nun drohen dem 63-Jährigen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Allerdings rechnet der selbstbewusst auftretende Wiedeking damit nicht. "Ich habe mir in der Sache nichts vorzuwerfen und bin davon überzeugt, von den haltlosen Vorwürfen freigesprochen zu werden", sagte er zum Abschluss seiner mehr als einstündigen Rede vor Gericht.

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Porsche erhöhte der Anklageschrift zufolge damals die Beteiligung an VW vor allem mit Optionsgeschäften über die Maple Bank. Die Dementis hätten den Kurs gedämpft und andere Anleger davon abgehalten, VW-Aktien zu kaufen. Wiedeking sagte, das sei eine "fernliegende und absurde Verschwörungstheorie." Als der Kurs der VW-Aktie im Herbst 2008 einbrach, habe Porsche bis zu sechs Milliarden Euro für die Optionen nachschießen müssen, erklärten die Strafverfolger. Die Enthüllung des Plans habe den Kurs deshalb nach oben treiben sollen. Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf einen sinkenden VW-Kurs gewettet hatten, mussten sich damals um jeden Preis eindecken. Dutzende Fonds haben Porsche deshalb in auf insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro Schadenersatz verklagt.

Ex-Finanzchef Härter, der im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht bereits wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, erklärte, die Nachschusspflicht habe bis zu diesem Zeitpunkt bei 530 Millionen Euro gelegen. Anders als die Staatsanwaltschaft behauptet, habe Porsche kein Liquiditätsengpass gedroht. Alle Optionsgeschäfte vor Oktober 2008 seien "nur sorgfältiges Handeln eines Kaufmanns" gewesen.

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