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Porsche "Das ist unsäglich, das ist kriminell"

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Unklarheiten über VW und Porsche

Als Porsche auf einmal erklärte Zugriff auf 75 Prozent der VW-Aktien zu haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit VW anzustreben, explodierte der Kurs der VW-Aktien Quelle: dpa

Äußerungen Wulffs vor gut zweieinhalb Jahren gegenüber der WirtschaftsWoche deuten jedoch darauf hin, dass er früher als andere Aktionäre und früher, als es bislang öffentlich bekannt war, davon wusste, dass Porsche 75 Prozent an Volkswagen erwerben und damit den Konzern beherrschen wollte. Gerüchte in dieser Richtung waren schon Anfang 2008 laut geworden. Doch Porsche hatte jedes Mal, zum Beispiel im März 2008, dementiert, dass eine solche Absicht bestehe. Entsprechende Berichte seien bloße „Gedankenspiele von Investoren und Analysten“, hieß es damals aus Stuttgart. Diese Linie hielt der Sportwagenbauer Monate durch.

Plötzliche Wende

Neun Monate später, am Sonntag, dem 26. Oktober 2008, kam dann plötzlich die Wende. Entgegen allen bisherigen Beteuerungen erklärte Porsche auf einmal, Zugriff auf 75 Prozent der VW-Aktien zu haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit VW anzustreben.

Wulff und das Insiderwissen

Viele Anleger, die auf sinkende VW-Kurse gewettet hatten, versuchten zu Beginn der folgenden Woche panisch, VW-Aktien zu kaufen. Sie hatten geliehene Volkswagen-Papiere verkauft und mussten nun welche erwerben, um sie an die Besitzer zurückgeben zu können. Weil wegen der Zukäufe von Porsche aber kaum noch frei verfügbare VW-Aktien am Markt waren, explodierte der Kurs.

Anleger fühlten sich getäuscht

Hätten die Anleger früher von der Porsche-Absicht gewusst, VW übernehmen zu wollen, hätten sie kaum auf sinkende Kurse spekuliert und sich die Verluste weitgehend erspart.

Andere Anleger wiederum hatten sich nach dem Porsche-Dementi im Frühjahr 2008 von ihren VW-Aktien getrennt, weil sie nicht mehr mit einer Übernahme und damit steigenden Kursen rechneten. Auch sie fühlten sich durch die Porsche-Erklärung im Herbst 2008 getäuscht, weil ihnen durch den Verkauf der Papiere im Frühjahr Gewinne entgangen waren.

Porsche behauptet bis heute, dass es vor dem 26. Oktober 2008 keine Absicht gegeben habe, Volkswagen zu beherrschen. Den Vorwurf der Marktmanipulation weisen Porsche und VW zurück.

Nach Recherchen der WirtschaftsWoche besaß Wulff jedoch Insiderwissen, das ihn zu einem anderen Schluss kommen ließ. Erstmals zum Problem wurde dies für Wulff im Mai 2009. Damals berichtete die WirtschaftsWoche, seine Staatskanzlei habe von den Porsche-Plänen zur Übernahme von VW bereits bei einem Treffen mit Porsche-Anwälten am 25. Februar 2008 in Berlin erfahren, also acht Monate vor dem offiziellen Eingeständnis von Porsche.

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