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Premiere des Kadjar Wie Renault dem SUV-Boom hinterher rennt

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SUVs torpedieren CO2-Bemühungen

Die Offroad-Fähigkeiten stehen für die meisten Käufer jedoch im Hintergrund, wie Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer weiß. „SUV genießen insbesondere bei älteren Autofahrern sehr hohe Attraktivität. Die bessere Übersicht, da SUV eben höher aufbauen, die bessere Ergonomie oder Bequemlichkeit mit dem einfacheren Einstieg und die erlebte oder empfundene Sportlichkeit, abgeleitet durch die Geländewagen-Historie, sind wichtige Kaufmotive“, sagt Dudenhöffer. „SUV verbinden Praktikabilität mit Emotion und sind damit eine ideale Kombination, um Neuwagenkäufern den Mund wässrig zu machen.“

Audi würde ebenfalls gerne sein Modellangebot um ein SUV-Coupé ausbauen, schließlich ist fast jeder dritte Audi mittlerweile ein SUV. Doch die Ingolstädter stehen vor einem ungewöhnlichen Problem: Ein SUV, dass sich als dynamischer Ableger zwischen den vorhandenen Modellen Q3 und Q5 einreihen soll, müsste in der Marketing-Logik Q4 heißen. Doch die Namensrechte für Q4 und Q2 liegen bei Alfa Romeo – die Italiener bezeichnen so seit Jahren ihre Autos mit Allrad- und Frontantrieb.

SUVs verbrauchen mehr

Und die Italiener – allen voran der Chef der Alfa-Mutter FCA, Sergio Marchionne – haben kein Interesse daran, die Markenrechte an Audi abzutreten. So müssen die Ingolstädter den für 2016 geplanten Q2 als Q1 auf den Markt bringen. Eine Lösung für den möglichen Q4 ist noch nicht in Sicht. Die Verkaufszahlen von Audi wird der Q-Streit auf absehbare Zeit aber nicht beeinflussen.

So sehr sich die Hersteller über den guten Absatz ihrer SUV-Modelle freuen, an anderer Stelle wird der Ansturm auf die Geländelimousinen für sie zu einem ernsthaften Problem – bei der CO2-Bilanz. SUVs verbrauchen mehr als leichtere oder windschnittigere Wagen. Angesichts der niedrigen Spritpreise scheint das aber für viele Käufer kein Hindernis zu sein.

Sieben Spritspartipps

Sprich: Die Beliebtheit der SUVs bremst die Bemühungen der Autobauer nach sparsameren Flotten aus. Laut einer Studie des Center of Automotive Management aus Bergisch Gladbach sank der CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr nur noch um 2,6 Prozent auf durchschnittlich 133 Gramm pro Kilometer – die geringste Verbesserung seit Jahren.

Im Kampf für mehr Klimaschutz dürfen die Flotten 2021 laut EU-Vorgabe im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen – aktuell liegen die Autobauer noch 40 Prozent über diesem Zielwert. „Im hohen Maße sind die sich verlangsamenden CO2-Verbesserungen den SUV-Nachfrageverschiebungen geschuldet“, sagt Studienleiter Stefan Bratzel.

Auto



In Zahlen ausgedrückt: Während ein Mittelklasse-Modell 128 Gramm ausstößt und eine größere Limousine der oberen Mittelklasse 138 Gramm, kommen SUVs mit 141 Gramm und reine Geländewagen mit 166 Gramm auf höhere Werte. Und wegen ihres inzwischen großen Marktanteils ist der Effekt auf den Flottenverbrauch eines Herstellers enorm.

Damit die Pseudo-Geländewagen den Herstellern weiter dicke Gewinne und keine CO2-Strafzahlungen bescheren sind die Ingenieure und Strategen der Konzerne gefragt: Entweder müssen die SUVs deutlich weniger verbrauchen oder die Kunden dazu gebracht werden, wieder kleinere und leichtere Autos zu kaufen. Welche von beiden Optionen einfacher ist, dürfte wohl in den Sternen stehen.

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