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Produktions-Vorstand Warum es Renschler nach 25 Jahren Daimler reichte

Andreas Renschler galt bei Daimler bis zum vergangenen Jahr als Kronprinz. Doch der Traum von der Beförderung an die Konzernspitze platzte – nun sucht er einen Neuanfang außerhalb des Konzerns, dem er über 25 Jahre lang diente.

Foto von Andreas Renschler Quelle: dpa

 

So richtig bei der Sache war Andreas Renschler schon eine ganze Weile nicht mehr. Seinen Auftritt auf der Detroit Motor Show vor zwei Wochen spulte der 55-Jährige locker-routiniert herunter, aber das Roundtable-Gespräch mit ihm brachte keine großen Erkenntnisgewinne mehr: Er las eine kleine Rede ab, die ihm sein Pressesprecher vorbereitet hatte, ließ noch ein halbes Dutzend Fragen zu – dann war die Zeit um. Zu dem Zeitpunkt, lässt sich heute vermuten, wusste der Daimler-Vorstand für Produktion und Einkauf sowie das Geschäftsfeld Mercedes Vans vermutlich bereits, dass seine Zeit bei Daimler nach fast 25 Jahren bald zu Ende gehen würde.

Freunde von ihm hatten schon zum Jahreswechsel Hinweise, dass „der Andreas etwas ausbrütet“. Das Grübeln war ihm deutlich anzumerken. Heute wissen sie: Renschler beschäftigte weniger das bevorstehende Abitur seiner Tochter als vielmehr die Frage, ob er den Verlockungen der Headhunter nachgeben und einen Neuanfang bei einem anderen Unternehmen wagen sollte.

Seine Situation hat er dabei sicher wie immer nüchtern und eingehend analysiert – und die Konsequenzen gezogen: Am Dienstagabend gab Daimler im Anschluss an eine Vorstandssitzung – in der es um die nächste Generation von A- und B-Klasse ging und an der Renschler schon nicht mehr teilnahm – überraschend bekannt, dass der Daimler-Veteran mit sofortiger Wirkung seine Ämter niederlegt und den Konzern verlässt. Am nächsten Morgen war sein Bild bereits von der Daimler-Website gelöscht.

Die Hoffnung, eines Tages Dieter Zetsche als Chef des Daimler-Konzerns zu beerben, hatte Renschler bereits im April vergangenen Jahres begraben. Damals hatte er aus heiterem Himmel von der Entscheidung des Aufsichtsrats erfahren, dass er den geliebten Job des Nutzfahrzeug-Chefs abzugeben und gegen den Knochenjob des Produktionsvorstands zu tauschen habe. Schon damals hatte der Bauernsohn aus Ditzingen spontan den Befehl am liebsten verweigert und den Job hingeschmissen.

Renschler, die Allzweckwaffe

Aber wer macht das schon, wenn der Vertrag noch bis 2018 läuft und keine reizvolle Alternative in Sicht ist? Also hatte er sich knurrend gefügt, sich in die neue Aufgabe hineingearbeitet und so beispielsweise den Serienanlauf der neuen S-Klasse noch zu einem Erfolg gemacht – trotz der Probleme mit einigen Zulieferern, die ihm sein Vorgänger Wolfgang Bernhard hinterlassen hatte.

Seine zupackende Art und seine rasche Auffassungsgabe hatten Renschler in 25 Jahren beim Daimler zu einer Art Allzweckwaffe werden lassen. Schon mit 31 Jahren hatte ihn der frühere Mercedes-Chef Werner Niefer mit hochkarätigen wie schwierigen Aufgaben betraut. Er arbeitete Strategien für den Transportermarkt aus, eruierte die Marktchancen für einen Geländewagen neuer Prägung – und durfte anschließend in den USA den Aufbau eines neuen Werks für die M-Klasse leiten.

Nach der Fusion mit Chrysler wurde er zum Verantwortlichen für die Produktentwicklung ernannt. Der Spaßfaktor war hier deutlich niedriger: Schier endlose Sitzungen und Konferenzen, Berge von Papier, dazu ein Aktionsfeld, das mit Tretminen gepflastert war. Sein Zigarettenkonsum stieg damals steil an. Renschler war deshalb ganz froh, als ihn Mercedes-Chef Jürgen Hubbert erlöste und ihn zum Chef des Kleinwagenherstellers Smart machte.

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