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Produktionsende im Bochumer Opel-Werk „Man hat uns hier verhungern lassen“

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Das britische Werk hat geschickter verhandelt

Doch das reichte nicht aus, ein weiteres Werk sollte die Produktion einstellen. Das ebenfalls bedrohte britische Werk Ellesmere Port habe dann geschickter verhandelt als Bochum – die Entscheidung fiel gegen das Ruhrgebiet. Ein Sanierungstarifvertrag sollte die Schließung der Bochumer Produktion mit – aus heutiger Sicht – relativ großzügigen Angeboten abfedern, aber die Bochumer Beschäftigten trauten ihrer Konzernführung nicht. Sie lehnten den Vertrag als einziges deutsches Werk im Frühjahr 2013 mit großer Mehrheit ab.

Dieses Nein gilt bei Kritikern als Sargnagel für das Werk, angelastet wird es Betriebsratschef Einenkel. Bei seinem entschlossenen Kampf für den Erhalt des Werks traf er oft nicht den richtigen Ton – und hat so das US-Management von General Motors erst recht verstimmt.

Mit Äußerungen wie „Wir werden denen keinen Grund geben, das Werk zu schließen. Das wird mit Bochum nicht gehen“ hat er laut der Meinung vieler Beobachter eine einvernehmliche Einigung verhindert.

So oder so: Die Schließung ist auch ein harter Schlag für die Region. Bochum leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Rund die Hälfte der Opel-Beschäftigten wohnt in Bochum selbst. Deshalb ist mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Verwaltungsgebäude unter Denkmalschutz – vorläufig

„Opel hat sich nicht nur mit der Gründung der Transfergesellschaft vernünftig verhalten“, sagt Dudenhöffer. „Ganz anders als Nokia, die damals in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Arbeiter in Bochum vor die Tür gesetzt hat.“ 2008 zog sich der Elektronikkonzern überraschend aus Bochum zurück, 2.300 Angestellte verloren ihre Arbeit.

Aus dem Opel-Werk sollen nach den Plänen der nordrhein-westfälischen Landesregierung ein Gewerbepark werden. Wenn die Autoproduktion endet, soll das riesige Werksgelände in innenstadtnaher Lage nicht zur Industrieruine werden wie so viele andere Anlagen an der Ruhr.

Die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft „Perspektive 2022“, an der die Stadt und Opel beteiligt sind, will rund 70 Hektar Werksgelände aufbereiten und neuen Investoren anbieten. Dafür seien zunächst acht Jahre und 50 Millionen Euro Entwicklungskosten einkalkuliert, sagt „Perspektive“-Geschäftsführer Rolf Heyer.

Auto



Vieles wird abgerissen. Die Arbeitsplätze der Zukunft entstünden danach nicht mehr in einem großen, sondern in einer bunten Palette von 50, 70 oder 100 kleineren Unternehmen, sagt Heyer. Geworben werde vor allem um Gewerbebetriebe mit Metallbezug, aber auch IT-Firmen seien denkbar. Die Post hat bereits angekündigt, 2016 ein Paketzentrum mit bis zu 600 Tarifarbeitsplätzen zu errichten.

Ein Zeugnis der einst blühenden Autofabrik könnte dauerhaft stehenbleiben: Das tausendfach fotografierte Bochumer Opel-Verwaltungsgebäude am Werk I mit dem gewaltigen Opel-Schriftzug auf dem Dach ist vor kurzem vom zuständigen Landschaftverband vorläufig unter Denkmalschutz gestellt worden.

Mit Material von dpa

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