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Prognose für 2013 gesenkt Daimler hofft auf neue A-Klasse und ein Wunder

Die Konjunkturschwäche verschärft die Krise von Daimler. Neue Produkte und Effizienzsteigerungen sollen in der zweiten Jahreshälfte die Wende bringen. Doch geht die Rechnung auf?

Wie Daimler-Chef Dieter Zetsche bekannt geben musste, ist der Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres massiv eingebrochen. Nun versucht der Konzern mit neuen Produkten und Effizienzsteigerungen entgegen zu steuern. Quelle: REUTERS

Die Mercedes-Niederlassung Berlin wirbt mit einem "blauen Wunder": Einer nagelneuen A-Klasse in Südseeblau und mit einer Luxusausstattung, die unter anderem Xenonscheinwerfer , Leichtmetallräder und eine Sitzheizung umfasst. Der Listenpreis für den Wagen beträgt normalerweise knapp 30.000 Euro. Doch wer sich sputet - das Angebot ist natürlich limitiert - bekommt den Wagen in der Werksniederlassung "unglaubliche" (Werbung) 5.000 Euro billiger. Das entspricht einem Rabatt von 17 Prozent. Da staunt der Laie - und wundert sich der Fachmann. Offenbar ist der Pulsschlag doch nicht so stark, dass die erst kürzlich gestartete neue Generation der A-Klasse ohne Schrittmacher auskommen kann.

Die Brandherde des Dieter Zetsche
Citan versagt beim Crash-TestDie Zusammenarbeit zwischen Mercedes und Renault kratzt schwer am Image der deutschen Premiummarke. Das erste gemeinsame Produkt, der Kastenwagen Citan offenbart beim Euro-NCAP-Crashtest schwere Sicherheitsmängel. Statt wie üblich fünf gab es für den Mercedes nur drei Sterne. Der Kopfairbag verfing sich beim simulierten Frontalzusammenstoß. Und das harte Armaturenbrett hätte im Ernstfall den Insassen ernste Verletzungen zugefügt. Der Citan schnitt hier sogar noch schlechter ab als der Kangoo. Quelle: Screenshot
Ein Audi auf einer Rennstrecke Quelle: Audi
Ein schöner alter Mercedes Quelle: dpa/dpaweb
Dieter Zetsche und Carlos Ghosn Quelle: REUTERS
Kein starker GroßaktionärWährend bei BMW Johanna Quandt und ihren Kindern Stefan Quandt und Susanne Klatten gut 48 Prozent der Stimmrechte halten, fehlt Daimler ein solch starker Großaktionär. Kuwait ist mit einem Anteil von 7,6 Prozent Daimler größter Einzelaktionär. Erst im vergangenen Oktober trennte sich der bis dahin bedeutendste Aktionär, das Scheichtum Abu Dhabi, von seinen Anteilen. Der Staatsfonds Aabar besitzt nun keine direkten Stimmrechte mehr an dem Dax-Konzern. Dafür ist der chinesische Staatsfond CIC bei den Schwaben eingestiegen, allerdings ebenfalls nur mit knapp drei Prozent. Eine starke Schutzmacht im Rücken fehlt Zetsche damit nach wie vor. Quelle: dpa
Qualm kommt aus einem Auspuff Quelle: AP
Schwaches KleinwagensegmentBMW setzte 2012 mehr als 528.000 BMW 1er und Minis ab - das Kleinwagensegment der Bayern läuft wie geschnitten Brot. In Stuttgart sind es deutlich magerer aus - 2012 verkaufte Daimler 337.000 Smarts. Und BMW schafft es für die Mini-Flitzer stattliche Preise zu verlangen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Daimlers Smart kann da nicht mithalten. Ob seine Elektroversion den Durchbruch auf dem Kleinwagenmarkt oder Carsharingmarkt bringt, steht noch in den Sternen. Quelle: dpa

Eine Art blaues Wunder erlebt derzeit auch Dieter Zetsche: Wie der Daimler-Chef gestern Morgen bekannt geben musste, sind in den ersten drei Monaten des Jahres der Gewinn massiv eingebrochen. In den ersten Wurde im vergangenen Jahr im ersten Quartal noch ein Konzernergebnis von 1,4 Milliarden Euro erzielt, waren es in diesem Jahr nur noch 564 Millionen. Schuld daran trägt neben den erheblichen Investitionen in neue Produkte vor allem die konjunkturbedingt schwache Entwicklung wichtiger Märkte in Westeuropa. Die Automärkte in Frankreich, Italien und auch Deutschland bewegen sich im Rückwärtsgang, auf dem Wachstumsmarkt China kommt Mercedes nur langsam voran.

Der Ergebnisrückgang, erläuterte Finanzvorstand Bodo Uebber in einer Telefonkonferenz, spiegele eine Verschiebung der regionalen Absatzstruktur und einen veränderten Modell-Mix bei Mercedes Cars wieder: Statt großer Autos wie der S- und E-Klasse verkauft Mercedes kompakte Fahrzeuge wie die A- und B-Klasse, mit denen sich bauartbedingt weniger starke Gewinne erzielen lassen und mit denen man sich zudem in einem Haifischbecken bewegt: Mit der A-Klasse konkurriert man nicht nur mit Audi A3 und Einser-BMW, sondern auch mit VW Golf, Opel Astra oder Hyundai i30.

Und wenn die neue A-Klasse dann auch noch in einschlägigen Vergleichstests der Fachzeitschriften sogar gegen preiswertere Konkurrenten wie etwa einen Seat Leon das Nachsehen hat, kommen die Autokäufer ins Grübeln - und muss sich der Vertrieb blaue Wunder einfallen lassen. Man verkauft dadurch vielleicht einige Hundert Autos mehr und fährt den einen oder anderen Absatzrekord ein - aber unter dem Strich steht dann eben eine Umsatzrendite von nur noch 3,3 Prozent bei Mercedes-Benz Cars wie in diesem ersten Quartal 2013.

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