Qualitätskrise Toyotas Lehren aus dem Rückruf-Desaster

Der amerikanische Toyota-Spezialist Jeffrey K. Liker zieht die Lehren aus den Millionenrückrufen der Japaner 2010.

US-Behörde untersucht Dodge wegen Wegrollgefahr
Behörde untersucht weitere Fiat-Chrysler-Wagen Quelle: AP
BMW ruft Autos zurück Quelle: dpa
Toyota - Millionen fehlerhafter AirbagsToyota ruft weltweit weitere 5,8 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit Airbags des Zulieferers Takata zurück. In Europa müssten 1,47 Millionen Autos zurück in die Werkstätten, teilte der japanische Konzern am Mittwoch mit. Allein in Deutschland seien knapp 118.000 Fahrzeuge betroffen. Dabei geht es unter anderem um die Modelle Corolla und Yaris, vorwiegend älterer Baujahre, sagte ein Sprecher. In Japan sollen die Besitzer von rund 1,15 Millionen Fahrzeugen in Werkstätten vorstellig werden. Weltweit haben Autohersteller bereits mehr als 100 Millionen Autos zurückgerufen, um die fehlerhaften Airbags auszutauschen. Quelle: dpa
VW und Audi rufen wegen Feuergefahr 281.000 Autos in USA zurück Volkswagen ruft 281.500 Fahrzeuge in den USA wegen möglicher Brandgefahr zurück. Es geht Fahrzeuge der Marken VW und Audi, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens an die Börsenaufsicht vom 7. Oktober hervorgeht. Bei den Fahrzeugen könne in Folge von Lecks Benzin austreten und Feuer ausbrechen. Allerdings seien entsprechende Vorfälle noch nicht berichtet worden. Auch habe es keine Verletzten gegeben. Quelle: dpa
Fiat Chrysler ruft fast zwei Millionen Fahrzeuge zurück Quelle: dpa
General Motors ruft über 4 Millionen Fahrzeuge zurückGeneral Motors ruft wegen eines Defekts an der Airbag-Software weltweit mehr als vier Millionen Fahrzeuge zurück. In seltenen Fällen könne der Bordcomputer in den Testmodus umschalten, erklärte der US-Autobauer am Freitag in Detroit. Die vorderen Airbags würden dann im Fall eines Unfalls nicht auslösen. Auch die Sitzgurte funktionierten möglicherweise nicht. Der Fehler werde mit mindestens einem Todesfall und drei Verletzten in Verbindung gebracht. GM werde die betroffenen Kunden informieren und die Software kostenfrei aktualisieren, teilte das Unternehmen mit. Der Rückruf der 4,28 Millionen betrifft unter anderem bestimmte Modelle von Buick, Chevrolet und Cadillac der Modelljahre 2014-2017, allein 3,6 Millionen davon in den USA. Quelle: dpa
Mazda ruft 2,2 Millionen Fahrzeuge zurück Mazda ruft wegen Problemen mit der Heckklappe weltweit 2,2 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Rostschutzlackierung der Heckklappenaufhängung sei nicht ausreichend, erklärte der japanische Autohersteller am Donnerstag. Im Laufe der Zeit könne daher mit Streusalz vermischtes Wasser dazu führen, dass die Aufhängung bricht und die Heckklappe abfällt. Berichte über Unfälle oder Verletzte lägen jedoch nicht vor. Der Rückruf betrifft bestimmte Modelle des Kompaktwagens Mazda 3 der Jahrgänge 2010 bis 2013 sowie Vans des Typs Mazda 5 von 2012 bis 2015. Ebenfalls betroffen sind bestimmte Modelle des CX-5 von 2013 bis 2016 und des SUVs CX-3 von 2016. Händler tauschten beide Aufhängungen aus, erklärte Mazda. Kunden erhielten noch im September oder im Oktober nähere Informationen. Quelle: dapd

WirtschaftsWoche: Mr. Liker, Toyota musste im Jahr 2010 Millionen Fahrzeuge wegen loser Extra-Fußmatten und klemmender Gaspedale zurückrufen. Wie kam es zu dem Desaster?

Liker: In der Datenbank der US-Verkehrsbehörde standen zwischen den Jahren 2000 und 2010 relativ viele Fälle mit plötzlicher Tempo-Veränderung bei Toyota-Fahrzeugen. Rechtsanwälte und Reporter suchten daher nach Beweisen dafür, dass Toyota vertuschen wollte, dass die Elektronik und somit die Geschwindigkeit durch äußere Strahlung beeinflusst werde. Aber das war ein Mythos.

Jeffrey K. Liker, 59, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Michigan und Autor von acht Bestsellern über Toyota, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Warum hat Toyota trotzdem Millionen Autos zurückgerufen?

Das war eine Reaktion auf den politischen Druck, nachdem Toyota die Sache intern zu lange diskutiert hatte.

Welche Rolle spielten die damaligen Pläne der US-Regierung, den amerikanischen Autokonzern General Motors retten zu wollen, der immer mehr Absatz an Toyota verlor?

Die Zeugen bei der Anhörung im amerikanischen Kongress waren sehr befangen. Die Abgeordneten folterten die Vertreter von Toyota regelrecht. Die US-Verkehrsbehörde veröffentlichte ihre Untersuchung, wonach alle Fälle von plötzlicher Beschleunigung durch fehlerhafte Pedalbedienung verursacht wurden, erst mit einem halben Jahr Verspätung. Die Story war erst tot, als US-Verkehrsminister Ray LaHood erklärte, Toyota habe kein Elektronikproblem, Punkt, aus.

Es gab also keine Qualitätskrise bei Toyota?

Wenn man sich alle Qualitätsbewertungen von Toyota vor und nach den Rückrufen anschaut, gab es nur um die Kongress-Anhörung im Februar 2010 einen kleinen Einbruch. Aber schon im Herbst erhielt Toyota wieder die besten Qualitätsnoten unter allen Herstellern.

Hat Toyota richtig auf die Vorwürfe reagiert?

Die Konzernstrategie folgte der alten Toyota-Regel, dass man niemals jemanden anderen für seine Probleme verantwortlich macht als sich selbst. Das kostete Toyota kurzfristig einige Imagepunkte, war langfristig aber ein Erfolg.

Hat sich denn Toyota in den USA inzwischen wieder von dieser Kampagne erholt?

In Arbeit
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Toyota hat den früheren Marktanteil noch nicht erreicht. Bei einem ähnlichen Fall mit Audi dauerte es eine Generation, bis das Vertrauen wiederhergestellt war. Bei Toyota geht es offenbar viel schneller.

Was können andere Unternehmen aus dieser Krise lernen?

Liker: Toyota hätte viel eher erklären müssen, dass es Probleme mit klemmenden Gaspedalen gab. Wenn ein Unternehmen weiß, dass es ein Problem hat und dafür Beweise existieren, dann sollte es besser nicht abwarten, bis es deswegen untersucht wird.

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