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Rasanter Preisanstieg Preis-Explosion bei Mietwagen: „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht gesehen“

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Doppelte Belastung an Geldmangel und teuren Autos

Auch die Autohersteller zögerten wie nie zuvor. Zum einen wollten sie für die Autos mehr Geld als früher. „Wegen der erhöhten Risiken haben sie die Zahlungsziele für Neuwagen verschärft“, sagt Frieder Bechtel, der bei Billiger-Mietwagen.de das Management der Vertriebspartner leitet. Gleichzeitig konnten und wollten die Autobauer auch weniger Wagen zur Verfügung stellen.

Dafür sorgt zum einen der Mangel an Rechenchips für die immer mehr computerisierten Autos, weswegen fast alle Hersteller die Produktion kürzen mussten. Gleichzeitig setzen die Autobauer vermehrt auf aus ihrer Sicht lukrativere Absatzwege als die Vermieter wie eigene Leasingangebote oder Autoabos, die wie kürzere Leasingverträge bis zu einem Jahr lang laufen. „Das konkurriert mit dem Verkauf an die Autovermieter“, sagt Billiger-mietwagen-Manager Bechtel.

Die Folgen der doppelten Belastung aus Geldmangel und teureren Autos sind weltweit kleinere Flotten. So verkaufte Hertz laut Studie der Ratingagentur Fitch bereits rund 194.000 seiner einst 473.000 Autos und will bis September 2021 weitere 121.000 loswerden. Damit wäre das Unternehmen auf rund ein Drittel seiner Größe geschrumpft. Auch der viele Jahre stark wachsende Münchner Anbieter Sixt hatte zuletzt mit gut 93.000 Fahrzeugen fast 38.000 Autos weniger im Angebot als vor einem Jahr.



Das schlägt vor allem auf die Ferienziele durch. Während die Vermietungsriesen Großstädte und Flughäfen noch vergleichsweise gut ausstatten, kürzen sie besonders das Angebot auf den oft nur mühsam mit Autos zu beliefernden Ferieninseln. So berichtet Ramón Reus, Präsident des Balearischen Mietwagenverbandes Aevab, dass seine Mitglieder auf Mallorca derzeit nur 30.000 Fahrzeuge haben. Und selbst wenn wie versprochen bald 10.000 weitere Wagen kommen, ist dies deutlich weniger als vor der Coronapandemie, wo es durchschnittlich 100.000 Autos waren.

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Eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Anders als andere Produkte lassen sich die Autos schwer von einer Überflussregion in eine Mangelzone verlagern. „Es ist bereits fast zu aufwändig ein Auto von einem Teil des Landes in einen anderen zu bringen“, so ein Branchenkenner, „Und aus Skandinavien ans Mittelmeer ist es praktisch unmöglich.“ Aber auch im kommenden Jahr wird das Angebot wohl kaum wachsen. „Weil sich weder die finanzielle Lage der Vermieter noch das Neuwagen-Angebot wesentlich bessern, können nur wenige ihre Flotten entscheidend erweitern.

Das das ist den gebeutelten Unternehmen auch nicht ganz unrecht, gesteht Michael Brabec, Geschäftsführer des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands. „Hohe Mietwagenpreise sind für die Unternehmen derzeit eher Segen als Fluch.“

Mehr zum Thema: Am Mietwagenmarkt brodelt es: Kleine Firmen rollen die Branche mit neuen Mobilitätskonzepten auf.

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