Reformen beim Autokonzern Daimlers Umbaupläne bergen Sprengstoff

Exklusiv

Schlanker, schneller, effektiver: Daimler überarbeitet seine Strukturen. 30.000 Beschäftigte erhalten neue Aufgaben - der Plan birgt Konfliktpotenzial.

Neue Richtung: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG Quelle: dpa

Wenn der Computer immer langsamer wird, hilft oft nur noch eine Defragmentierung der Festplatte: Verstreute Datenblöcke werden dann nach logischen Aspekten neu zusammengeführt. Das beschleunigt den Zugriff und erhöht die Arbeitsgeschwindigkeit des gesamten Systems.

Von einer Defragmentierung des Daimler-Konzerns mag Susanne Hahn zwar nicht reden. Aber die Strukturreform, an der die 38-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin und Personalexpertin seit inzwischen seit acht Monaten arbeitet, läuft im Endeffekt darauf hinaus – die komplette Neuorganisation der Führungsaufgaben im Daimler-Konzern unterhalb des Vorstandes nach einem Jahrzehnt des globalen Wachstums, aber auch der Trennung von Geschäftsfeldern und Partnern wie etwa Chrysler.

An Kunden orientieren

„Die Herausforderung ist, den Konzern noch kundenorientierter aufzustellen – über alle Geschäftsfelder hinweg und nach einheitlichen, einfachen Prinzipien“, erklärt die frühere Assistentin von Personalchef Wilfried Porth, die nun für die weltweite Konzernorganisation von Daimler und die Personalplanung im Konzern verantwortet.

Das sind die innovativsten Autostandorte der Welt
BMW drückt beim Ausbau seines weltweiten Produktionsnetzwerks aufs Tempo. Laut einem Bericht des " Handelsblatt" prüft der Konzern intensiv den Bau eines zweiten großen Werks in Übersee, der Favorit soll Mexiko sein. Gebaut werden sollen dort die Kompakten der Einser- und Dreier-Reihe sowie der Mini. Der neue Standort würde BMW mindestens eine Milliarde Dollar kosten, berichtet das Blatt weiter. Mit einem Ausbau in Startanburg und dem angedachten neuen Werk wolle BMW sein Produktionsvolumen in Amerika auf mehr als 600.000 Autos pro Jahr verdoppeln. Ein Blick auf die innovativsten Auto-Standorte der Welt: Quelle: AP
Russland"Wie wettbewerbsfähig sind Ihrer Meinung nach folgende Automobilstandorte hinsichtlich ihrer Innovationskraft?", lautete eine der Fragen, die die Berater von Ernst & Young den Managern von 300 Unternehmen aus der europäischen Automobilbranche stellten. Im Falle Russlands antworteten sieben Prozent mit "sehr wettbewerbsfähig", 24 Prozent sagten "wettbewerbsfähig". Quelle: dpa-tmn
FrankreichFrankreich gehört nach wie vor zu den bedeutendsten Automobilstandorte der Welt. Allerdings hat das Land sehr unter der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt gelitten. Das zeigt sich in den Bewertungen der Europäischen Automanager: In den Bereichen Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität verlor Frankreich als Standort zwischen sieben und 21 Prozentpunkten. 34 Prozent der Befragten halten Frankreich in puncto Innovation für wettbewerbsfähig beziehungsweise sehr wettbewerbsfähig. Das reicht für Platz neun. Quelle: AP
Schweden43 Prozent der Manager aus der Automobilbranche halten Schweden als Automobilstandort für wettbewerbsfähig bis sehr wettbewerbsfähig, was die Innovationskraft anbelangt. Besser schneiden die skandinavischen Autobauer bei der Qualität ihrer Produkte ab: 2013 landet Schweden auf dem dritten Platz des Produktqualitäts-Rankings. Quelle: dpa
IndienIn Indien haben derzeit 14 Automobilhersteller ihren Hauptsitz, darunter Ashok Leyland, Bajaj Auto oder Tata Motors. Tata Motors ist der größte Automobilhersteller Indiens. Was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in puncto Produktionskosten angeht, belegt Indien sogar den zweiten Platz. Nur bei der Innovation sind die befragten Manager skeptischer. Da reicht es nur für Platz sieben. Quelle: obs
BrasilienBrasilien ist der viertgrößte Autoproduzent der Welt. Doch nur zehn Prozent der Automobilhersteller halten den Standort für "sehr wettbewerbsfähig", 39 Prozent schätzen das Land immerhin als wettbewerbsfähig ein, was die Innovationsfähigkeit anbelangt. Quelle: dpa
USA56 Prozent der Automanager sind der Meinung, dass die Vereinigten Staaten als Automobilstandort 2013 in Sachen Produktqualität wettbewerbsfähig sind. 13 Prozent schätzen den Standort als "sehr wettbewerbsfähig" ein. Im Vergleich zu 2011 entspricht das einem Zuwachs von sieben Prozent. Damals hielten etwas weniger als die Hälfte der Automanager die USA für einen wettbewerbsfähigen Standort in der Kategorie Innovationskraft. Quelle: AP
ChinaFür China sind die europäischen Autobauer geteilter Meinung: 60 Prozent der Befragten bezeichnet die Innovationskraft des chinesischen Autostandorts als wettbewerbsfähig beziehungsweise sehr wettbewerbsfähig. Im Gesamtvergleich gibt es dafür den vierten Platz. Quelle: dpa
SüdkoreaSatte 61 Prozent der europäischen Befragten bescheinigen Südkorea eine hohe Wettbewerbsfähigkeit in der Kategorie Innovationskraft. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 40 Prozent. Jeder Fünfte spricht davon, dass Land sei sogar "sehr wettbewerbsfähig". Dafür gibt es im Ländervergleich Rang drei. Quelle: REUTERS
JapanMit einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten seit 2011 landet Japan in der Kategorie Innovationskraft auf dem zweiten Rang. 65 Prozent der befragten Automanager halten das asiatische Land für wettbewerbsfähig. 24 Prozent schätzen Japan sogar als "sehr wettbewerbsfähig" ein. Quelle: dpa
DeutschlandSatte 81 Prozent der Befragten schätzen die deutsche Innovationskraft als "wettbewerbsfähig bis sehr wettbewerbsfähig" ein. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich damit kaum etwas verändert: Damals hielten 79 Prozent der Automanager den Automobilstandort Deutschland hinsichtlich seiner Innovationskraft für wettbewerbsfähig. Quelle: dapd

„Wir haben viel mehr Kooperationen und Joint Ventures, wir haben ein größeres, internationaleres Produktionsnetzwerk und eine größere Produktpalette als jemals zuvor. Zudem sind die Kundenansprüche gewachsen. Es geht nun darum, dem Konzern eine klare Richtung zu geben und so auf die Zukunft vorzubereiten“, fasst Hahn die Aufgabe zusammen, die ihr im September vergangenen Jahres vom Daimler-Vorstand übertragen wurde.

Nach unzähligen Workshops und intensiven Diskussionen mit Mitarbeitern im Intranet gehen die beiden Strukturreformen, die Hahn zusammen mit dem Change-Management-Experten Fredmund Malik von der Universität St. Gallen entwickelt hat, in diesen Wochen in die Umsetzungsphase.

Schlanker, schneller, effektiver: Unter dem Schlagwort „Customer Dedication“, zu deutsch: Kundenorientierung, werden in den kommenden Monaten rund 30.000 der insgesamt 275.000 Daimler-Beschäftigten in der Verwaltung, aber auch im Vertrieb „bewegt“, wie es die Projektleiterin formuliert.

Neue Aufgaben, neue Chefs

Führungskräfte kriegen neue Aufgaben, Mitarbeiter neue Vorgesetzte; Aufgaben werden neu verteilt und zugeordnet, in Deutschland, aber auch an allen anderen Standorten des Konzerns weltweit.

„Wir wollen schlagkräftiger werden. Wir wollen flachere Hierarchien, weniger Berichtswesen und schnellere Entscheidungen“, sagt Hahn. Das gelte für den Vertrieb ebenso wie für die Verwaltung des Unternehmens, die Finanz- und Personalabteilung in Stuttgart oder die Landesorganisationen von Daimler im Ausland.

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