Reifenkonzern vor Übernahme Pirelli soll chinesisch werden

Der italienische Reifenkonzern Pirelli wird wohl von einem chinesischen Chemiekonzern übernommen. ChemChina lässt sich das Geschäft über sieben Milliarden Euro kosten.

Pirelli rüstet nicht nur die Formel 1 mit Reifen aus Quelle: AP

Chinas größter staatlicher Chemiekonzern will den italienischen Reifenhersteller Pirelli übernehmen. ChemChina gab am Sonntag bekannt, 26,2 Prozent des Pirelli-Großaktionärs Camfin kaufen zu wollen. Anschließend folgt ein Gebot für den Rest des italienischen Traditionsunternehmens. Mit der Übernahme erhält ChemChina Zugang zur Technologie für die Herstellung von Premium-Reifen. Pirelli wiederum kann mit einer größeren Präsenz im Wachstumsmarkt China rechnen.

Der Finanzinvestor Camfin wird wiederrum von der Familie des Pirelli-Vorsitzenden Marco Tronchetti kontrolliert. Die Italiener wollen zu einem Preis von 15 Euro je Aktie verkaufen, womit der fünftgrößte Reifenhersteller der Welt rund 7,1 Milliarden Euro wert wäre. "Die Partnerschaft mit einem globalen Akteur wie ChemChina stellt eine große Möglichkeit für Pirelli dar", erklärte Camfin.

Die Top Ten der größten Reifenhersteller

Der in Peking ansässige ChemChina-Konzern besitzt neben anderen Zweigen auch eine eigene Reifenherstellung. Durch den Wirtschaftsaufschwung im eigenen Land mit ausreichend Geld ausgestattet, versuchen chinesische Konzerne, sich breitgefächert und fernab ihres Stammgeschäfts Firmen im Ausland anzueignen. Während sich das Wachstum in der Heimat verlangsamt hat, wird Europa als attraktiver Markt angesehen, der durch den derzeit relativ schwachen Euro und den aus ihrer Sicht geringeren politischen Widerstand gegen Großübernahmen im Vergleich zu den USA begünstigt ist.

Trotz der erklärten Absicht, den Pirelli-Sitz samt Forschung und Entwicklung in Italien zu belassen, fürchten einige um das Erbe des 1872 gegründeten Traditionsunternehmens. Dabei sind bereits heute mehr als 46 Prozent in der Hand von institutionellen Investoren. Und Camfin gehört zur Hälfte dem russischen Rosneft-Konzern. Experten sehen auch genau hier den Grund für die aktuellen Übernahmeverhandlungen: Mit dem niedrigen Ölpreis und den Russland-Sanktionen läuft es bei Rosneft nicht gut – der Verkauf soll jetzt Geld in die Kassen spülen.


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