WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rekordgewinn BMW - kommt jetzt der Elektroschock?

Reithofer hat sich mit i3 und i8 ein Denkmal geschaffen. Längst wird gefrotzelt, statt Audi solle BMW mit "Vorsprung durch Technik" werben. Doch wie lange kann BMW auf den Durchbruch der Elektroflitzer warten?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Jetzt rollt der BMW i3 zum Händler
Eben noch auf dem IAA-Stand jetzt auf der Showbühne der Händler: Am 16. November ist Marktstart für den neuen BMW i3. BMW teilte im Vorfeld mit, es lägen schon mehrere Tausend Bestellabsichten vor. Der BMW i3 ist das weltweit erste von Beginn an für Elektromobilität konzipierte Premium-Automobil für emissionsfreies Fahren im urbanen Umfeld. Für dieses Modell hat der Autohersteller die Produktion in seinem Werk Leipzig komplett umgestellt. Quelle: AP
Mit dem i3 startete BMW im Werk Leipzig die Produktion seines ersten elektrischen Modells in Großserie. BMW hat das Leipziger Werk für die Elektro-Serienproduktion erheblich ausgebaut. Rund 400 Millionen Euro steckte der Autobauer nach eigenen Angaben in die Werkserweiterung. Der BMW i3 feierte auf der Messe IAA seine Publikumspremiere. Quelle: dpa
Das Elektroauto i3 verfügt über eine Leistung von 125 kW/170 PS und wird von einer tief und mittig im Unterboden angeordneten Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgt. Ebenso wie die außergewöhnlich leichte und dabei extrem steife CFK-Fahrgastzelle werden auch der Elektroantrieb und der Energiespeicher von der BMW Group entwickelt und produziert. Quelle: dpa
Der nur 1.195 Kilogramm (Leergewicht nach DIN) schwere BMW i3 kommt im Alltagsverkehr auf eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometer. Auf Wunsch übernimmt ein Zweizylinder-Verbrennungsmotor die Funktion eines Range Extenders, mit dem die Reichweite auf bis zu 300 Kilometer ausgedehnt werden kann. Quelle: dpa
Der BMW i3 basiert auf einer neuen, als LifeDrive-Konzept bezeichneten Fahrzeugarchitektur. Sie ermöglicht ein visionäres, von einer eigenständigen Formensprache geprägtes Design sowie ein großzügiges Raumangebot auf vier Sitzplätzen. Quelle: dpa
Charakteristisch für die Marke BMW i ist der in der gesamten Wertschöpfungskette verankerte Gedanke der Nachhaltigkeit. So wird bereits bei der Herstellung der Carbonfasern für die Fahrgastzellen in Moses Lake ausschließlich aus Wasserkraft gewonnene Energie eingesetzt. Im BMW Werk Leipzig wird der für die Produktion von BMW i Automobilen benötigte Strom zu 100 Prozent von eigens dafür errichteten Windkraftanlagen erzeugt. Auf den Markt kommt das Elektroauto voraussichtlich im Herbst 2013. Der BMW i3 startet bei 35.000 Euro - ohne den kleinen Motor zur Reichweitenverlängerung. Quelle: dpa
Ein weiterer Star auf der IAA wird der BMW i8 Hybrid-Sportwagen sein. Der lockt mit der Dynamik eines Hochleistungssportwagens mit Verbrauchs- und Emissionswerten auf Kleinwagenniveau. Quelle: dpa

IAA 2013: Nahezu lautlos rollten die blank polierten i3 an den Besuchern vorbei. Tauchten auf der ansteigenden und wieder abfallenden Strecke rund um den zweistöckigen BMW-Messe-Stand auf und wieder ab, drehten ihre Runde auf dem Außengelände und zogen erneut eine Schleife vorbei an den Neugierigen, die sich drängten, um einen Blick auf die ersten Elektroflitzer eines deutschen Premiumherstellers zu erhaschen.

Der i3 und sein sportlicher großer Bruder i8 waren im vergangenen Jahr fraglos ein Highlight der Internationalen Automobilausstellung. BMW-Chef Norbert Reithofer präsentierte voller Stolz die grünen Vorzeigemodelle, mit denen Smog und Großstadtlärm der Vergangenheit angehören sollen. Damit sicherte er sich die Bewunderung und den Respekt der Fachwelt. Reithofers Strategie, voll auf den Elektroantrieb zu setzen, ist mutig, "sehr viel mutiger als alle anderen", bescheinigt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Doch wann beginnt sie, sich auszuzahlen?

Außer Spesen nichts gewesen?

BMW hat Milliarden in die Entwicklung der Elektromodelle gesteckt. Allein die Erweiterung des Werks in Leipzig kostete 400 Millionen Euro. Für 11.000 Modelle liegen Bestellungen vor - diese Zahl nennt BMW seit Verkaufsstart im November 2013, nicht mehr und nicht weniger. Lässt das schon auf Stillstand schließen? Ist der erste Hype nach der großen Präsentation und einer millionenschweren Marketing-Kampagne schon verflogen? War's das mit der deutschen Premium-Elektromobilität? Fünf Minuten Ruhm, ein warmes Lächeln von Kanzlerin Angela Merkel, die sich eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutschen Straßen wünscht - und dann außer Spesen nichts gewesen?

BMWs Super-Hybrid-Sportler i8 im Detail
Im September 2013 stellte BMW den i8 auf der IAA vor. BMW-Chef Norbert Reithofer präsentierte dort das grüne Vorzeigemodell, mit dem Smog und Großstadtlärm der Vergangenheit angehören sollen. Im April hat BMW mit der Serienproduktion begonnen und im Juni 2014 rollen die neuen Elektroautos zum Händler. Vorbestellungen nimmt der Autobauer bereits seit Herbst 2013 entgegen. Schon jetzt sei absehbar, dass die Nachfrage in der Anlaufphase die Produktion deutlich übersteigen wird. Ein guter Grund, einmal zu schauen, was der Neue aus München so drauf hat. Quelle: Presse
Das Plug-in-Hybrid-System des i8 setzt sich aus einem Dreizylinder-Ottomotor mit einer Höchstleistung von 170 Kilowatt (231 PS) und einem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmetern sowie einem Hybrid-Synchron-Elektromotor mit einer Höchstleistung von 96 Kilowatt (131 PS) und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern zusammen. Quelle: Presse
Zur eDrive-Technologie gehört außerdem ein Lithium-Ionen-Hochvoltspeicher mit 5,2 Kilowattstunden und ein intelligentes Energiemanagement mit einer Gesamtleistung von 266 Kilowatt (362 PS). Quelle: Presse
Der Aufladevorgang der Batterie dauert zwischen zwei und drei Stunden. Die Lithium-Ionen-Batterie kann sowohl an einer ganz gewöhnlichen Steckdose als auch an speziellen Ladestationen für Elektroautos aufgeladen werden. Dazu gehört neben der öffentlichen Ladestation an Tankstellen auch die BMW i Wallbox. Quelle: Presse
Der i8 beschleunigt dank seines Antriebskonzeptes "eDrive" in 4,4 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Dabei verbraucht er im Durchschnitt nur 2,1 Liter Super pro 100 Kilometer. Im Berufsverkehr verbraucht der Wagen bei vollständig geladener Batterie weniger als fünf Liter Sprit. Quelle: Presse
Wer nicht nur innerhalb der Stadt, sondern auch auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs ist, verbraucht immer noch weniger als sieben Liter Sprit auf 100 Kilometern. Und auch auf längeren Strecken mit höherer Geschwindigkeit sind immer noch weniger als acht Liter Verbrauch drin. Damit fallen die Verbrauchswerte des Plug-in-Hybrid-Modells insgesamt um rund 50 Prozent niedriger aus als bei herkömmlich angetriebenen Sportfahrzeugen. Quelle: Presse
Darüber hinaus verbraucht der i8 auf 100 Kilometern durchschnittlich 11,9 Kilowattstunden Strom und kommt auf eine CO2-Emission von 49 Gramm pro Kilometer. Quelle: Presse

Das Kraftfahrtbundesamt zählte im vergangenen Jahr insgesamt 559 Zulassungen auf deutschen Straßen, in den ersten beiden Monaten 2014 waren es 408. Das ist überschaubar. Grund zur Panik sieht Bratzel deshalb nicht. Erst in der zweiten Jahreshälfte, so der Auto-Experte, werde man sehen, wie der i3 beim "normalen Publikum" ankomme. "Jetzt sind noch die Early Adopters dran", analysiert Bratzel. Also solche Kundentypen, die neuen Technologien aus Neugier und Spaß am Fortschritt besonders aufgeschlossen gegenüberstehen und deshalb als Erste ausprobieren. Dafür sind diese Kunden auch bereit, etwas mehr ausgeben.

Fakt ist: Mit 35.000 Euro Basispreis und einer Reichweite von rund 150 Kilometern ist der BMW i3 nicht konkurrenzfähig mit Benzin- oder Diesel-Modellen ähnlicher Ausstattung und Größe. Öffentliche Elektrotankstellen sind nach wie vor dünn gesät. Wer einen i3 kauft, braucht dazu die passende Garage. Anders als über Nacht an der hauseigenen Zapfsäule lässt sich der vier bis acht Stunden lange Ladevorgang in der Praxis kaum realisieren. Wegen seiner geringen Reichweite lässt sich der i3 nur als Zweit- oder Drittwagen verwenden. Wer kann sich das leisten?

Dass der i3 eine Breitenwirkung entfaltet, kann sich Bratzel nicht vorstellen: "Ich bin da im Moment sehr skeptisch." BMW müsste mehrere Zehntausend der Elektromodelle verkaufen, damit sich die Anfangsinvestitionen rechnen. "30.000 bis 50.000 pro Jahr müssten es schon sein, damit BMW zufrieden sein kann", überschlägt Bratzel. Selbst wenn es den Bayern gelänge, 100.000 Stromer zu verkaufen, was derzeit noch utopisch scheint, fiele die Menge bei weltweit zwei Millionen verkaufter Autos kaum ins Gewicht. "Der Verkauf der Elektrofahrzeuge wird sich in den ersten Jahren sicher nicht rechnen", betont Bratzel.

Über Reithofers Aussage, er verdiene mit jedem i3 Geld, muss der Branchen-Experte schmunzeln. "Da rechnet er die Investitionen nicht hinein, die gehören aber mit dazu." So lange der Markt für die Stromer nicht anspringt, muss Reithofer sich mit geringen Verkaufszahlen begnügen, profitiert dafür aber von einem sagenhaften Image als Deutschlands mutigster Premiumautobauer.

Muss Reithofer seinen Mut teuer bezahlen?


Was der neue BMW X5 zu bieten hat
Der weltweite Bestseller bei den großen SUV heißt BMW X5. Seit 1999 haben ihn die Bayern über 1,3 Millionen Mal produziert und intern "The Boss" genannt. Im November rollt die dritte Modellgeneration an den Start. Quelle: Presse
Der neue X5 verändert sich in den Abmessungen kaum. Mit 4,89 Metern Länge ist er um drei Zentimeter gewachsen, in der Silhouette bleibt er seiner Linie treu. Quelle: Presse
Beim neuen X5 verbaut BMW erstmals eine dreigeteilte Rücksitzlehne, die im Verhältnis 40:20:40 umklappbar ist. Das Ladevolumen beträgt 650 Liter bis zu 1.870 Litern mit umgelegten Sitzen. Quelle: Presse
Die neuen Materialien im Innenraum schaffen ein Wohlfühl-Ambiente, wie es in dieser Klasse nur schwer zu finden ist. Quelle: Presse
Zum Markstart hat der X5-Kunde die Wahl unter drei Motoren: zwei 3,0-Liter-Diesel-Sechszylinder mit 190 kW/258 PS und 280 kW/381 PS sowie einem 4,4-Liter-V8-Benziner mit 331 kW/450 PS. Quelle: Presse
Auch in der dritten Generation geriert sich „The Boss“, wie der Fünftürer BMW-intern genannt wird, als Gefährt für alle Lebenslagen Quelle: BMW
Äußerlich braucht es möglicherweise einen zweiten Blick, um die Veränderungen zu erkennen Quelle: BMW

Frank Schwope, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank: "Für mich gilt der Slogan "Vorsprung durch Technik" zur Zeit für BMW." Er erwarte sich in den kommenden Jahren noch viel von den mutigen Münchnern. Die NordLB hat aktuell die Empfehlung ausgegeben, das Papier zu halten. BMW hat 2013 einen Rekordgewinn von 5,3 Milliarden Euro eingefahren und will mit 2,60 Euro pro Stammaktie die höchste Dividende der Firmengeschichte ausschütten. Beim Absatz liegen die Münchner erneut vor Daimler und Audi, bei der Marge dazwischen. "Wir rechnen damit, dass das auch 2014 der Fall sein wird", sagt Analyst Schwope. Zum Jahresende will der BMW-Chef weltweit über zwei Millionen Autos verkauft haben. Bei derzeit schon 1,964 Millionen Einheiten müsse schon "ein Wunder passieren", wenn BMW das nicht schaffe, so Schwope.

BMW 2013 auf einen Blick

"Elektroauto geht der Strom aus"

Für ähnlich unwahrscheinlich hält der Analyst eine komplett ausbleibende Nachfrage nach Elektromobilen in der Zukunft. "Dann hätte man in Leipzig eine Fabrik, die man nicht mehr braucht und abschreiben müsste", zeigt er Risiken auf. Schwope geht jedoch von einem gegenteiligen Szenario aus: "Die Elektromobilität wird sich in den 2020-Jahren durchsetzen."

Nicht jeder ist so optimistisch. Eine Studie des CAR Center of Automotive Management geht von einem abnehmenden Interesse an Elektro-Fahrzeugen aus. CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert, dass bereits 2014 mit rund 11.000 Zulassungen das Spitzenjahr für Elektroautos werden wird. "Schon 2015 werden die Zulassungen zurückgehen. Dem Elektroauto geht der Strom aus."

Um den Absatz der E-Flitzer anzukurbeln müsste der Staat mit dicken Kaufprämien winken. Eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Online-Fahrzeugmarkts "mobile.de" ergab, dass gut 55 Prozent der Autofahrer in einer solchen Prämie einen echten Impulsgeber für den Absatz alternativ betriebener Fahrzeuge sehen. Im Schnitt hielten die Befragten einen Zuschuss von 3500 Euro für ausreichend. Milliarden für ein Subventionsprogramm für die Automobilindustrie à la Abwrackprämie wird Berlin aber sicher nicht locker machen. Dafür geht es den deutschen Premiumherstellern viel zu gut. Eine Anschubfinanzierung mit Steuergeldern für eine florierende Branche wäre den Bürgern kaum zu vermitteln.

Wo BMW Konkurrent Audi überholt
Leichtbau mit KarbonSeit 2013 produziert BMW Karosserien aus Karbon in Serie. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 werden zum Großteil aus dem neuen, leichten Kohlefaser-Material gefertigt. Auch Audi setzt auf Leichtbau, doch die Tage der großen Innovationen liegen weit zurück. Der Audi A8 war 1994 die erste Serienlimousine mit einer Aluminiumkarosserie. Karbon kommt beim R 8 und RS 3 zum Einsatz - im großen Stil setzt man in Ingolstadt aber nicht auf die faserverstärkten Kunststoffe. Und während BMW-Großaktionärin Susanne Klatten über ihre Anteile an SGL Carbon den Zugang zum Werkstoff der Zukunft für den Autohersteller gesichert hat, bleibt es bei Audi seit 2011 bei einer Entwicklungspartnerschaft mit Voith. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
ElektroantriebErst kommt der i3, dann der i8 - BMW setzt voll auf den Elektroantrieb. Ob die Kunden diesen Mut belohnen, wird sich noch zeigen. Klar ist, BMW positioniert sich als innovativer Autobauer mit Visionen. Audi holt sich dagegen den Titel als größter Zauderer. Beim Elektrosportwagen R 8 e-tron und auch beim A 2 e-tron zogen die Ingolstädter den Stecker und setzen nun auf ein Sammelsurium an Antriebsarten - Plug-In-Hybride, Erdgas-Varianten, sparsame Diesel und Benziner. Ökonomisch wird Audi damit Ende wahrscheinlich sogar besser fahren - ihrem Image als technischer Vorreiter wird die VW-Tochter aber nicht mehr gerecht. Quelle: dpa
Lifestyle-KleinwagensegmentMit der britische Tochter Mini startete BMW seit 2001 im Premium-Kleinwagensegment so richtig durch und das mit Preisen, die deutlich über den Kosten für andere Stadtflitzer liegen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Mehr als 300.000 Stück setzte BMW 2012 ab. Dafür sorgen auch zig Abwandlungen und Ausstattungsvarianten bei Innenraum, Farbe und Lack. Den A1 nahm Audi erst 2010 ins Programm auf. Seit 2011 gibt es ihn als Sportback mit vier Türen. Weitere Varianten, die der BMW Mini längst bietet - wie etwa Kombi oder SUV bzw. Crossover - stehen noch aus. Auch wenn der A 1 eindeutig praxistauglicher ist und in der Verarbeitung mehr überzeugt als der Mini - in diesem Segment hat BMW die Nase vorn. Quelle: REUTERS
DesignIn jüngster Vergangenheit häufen sich die Kritikpunkte an der Optik der Audi-Modelle. A4 und A6 sind zu ähnlich, auch die SUV Q3 und Q5 unterscheiden sich kaum. Der nun geschasste Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, das Problem in Angriff zu nehmen - jetzt wird sich sein Nachfolger Ulrich Hackenberg um mehr Abwechslung bemühen. Insgesamt wirkt die Palette eher langweilig und brav als sportlich-elegant. Eine Ausnahme bildet der R 8 e-tron - den Elektrosportwagen hat Audi aber nicht in Serie gebracht. BMW beweist deutlich mehr Mut - auch wenn der Bruch mit Konventionen nicht immer gelingt. Gelungen ist den Münchenern aber der neue 3er. Obwohl mit dem 5er technisch verwandt, bleibt er optisch eigenständig. Quelle: BMW AG
Zweirad-SparteMotorräder von BMW sind beliebt – vor allem, weil sie vergleichsweise langweilig sind. Insbesondere die Tourenmaschinen a lá R 1200 GS sind bei Familienvätern mittleren Alters beliebt, weil sie zuverlässig, bequem und ohne sportliche Ambitionen leicht beherrschbar sind. ABS und große Koffer am Heck sind diesen Fahrern wichtig, den ausgedehnten Wüstentrip machen aber nur die Wenigsten. Das BMW die Modellpalette im Laufe der Jahre auch um Sportmaschinen und Chopper erweitert hat, hat dem Gummikuh-Image der bayrischen Zweiräder keinen Abbruch getan. Eine gänzlich andere Klientel bedient Audi mit der italienischen Marke Ducati:  Motorradleidenschaft pur. Wer eine feuerrote Ducati mit dem sprechenden Typennamen „Monster“ (siehe Foto) bewegt, will nicht bummeln und keine Kontinente durchqueren. Der will sich lieber in die Kurve legen, bis die Fußraste am Asphalt kratzt, den Motor fauchen lassen, bis die Reifen qualmen. Ducati-Fahrer haben ihren Spaß in engen Kehren und nicht auf Reisen. Dass die Maschinen aufregendes Design mit technischer Brillanz verbinden, macht sie für ihre Besitzer zum Non-Plus-Ultra. Immerhin: Bei den Zweirädern hat Audi mit Ducati das bessere Pferd im Stall. Quelle: REUTERS

Auch BMW muss nicht um seine Zukunft fürchten, wenn der Durchbruch bei der Elektromobilität noch einige Jahre auf sich warten lässt. Jedoch: die hohen Investitionssummen drückten zuletzt die Rendite im Autogeschäft auf 9,4 Prozent.

Van will nicht recht zu BMW passen

"BMW ist sehr gut aufgestellt", so das Urteil von Branchenexperte Bratzel. Die Produktpalette ist breit - gleichzeitig bedient sie viele Nischen. Allein den Lifestyle-Flitzer Mini gibt es schon in sieben verschiedenen Varianten von Cabrio bis Kompakt-SUV. Neuestes Modell in Reithofers Fuhrpark: Der Active Tourer. Ein Van-artiger Crossover für Familien und Best Ager mit viel Platzbedarf für Kinderwagen oder Sportausrüstung. "Der hohe Einstieg kommt bei der SUV-affinen Kundschaft sicher gut an", prophezeit Bratzel.

Ob allerdings ein Van zum BMW-Image passt, daran haben die befragten Experten doch ihre Zweifel. Bratzel: "Mit dem Van hat BMW mit allem gebrochen, von dem man sagte, es nie tun zu wollen." Für die Kundschaft ist der Active Tourer daher eine Überraschung - ob er wie BMW bei all seinen Modell verspricht "Freude am Fahren" vermittelt - sich genügend agil und sportlich zeigt, wird sich noch zeigen müssen.

Produktqualität in Gefahr


Mehr als nur ein Ableger
Die „4“ im Typenschild des neuen BMW 4er Coupé soll "für eine neue Ära des Coupés bei BMW" stehen, heißt es gewohnt vollmundig aus der PR-Abteilung des Autoherstellers. Dabei zeichnen die Münchener eine Entwicklung nach, die Audi mit dem A3 und dem A5 vorgemacht hat: Während Limousine und Kombi in der Baureihe bleiben, wird aus Cabrio und Coupé eine eigene Linie. Ziel: höherwertige Positionierung der Premiumfahrzeuge, bei denen mehr Emotionen als Nutzwert im Vordergrund stehen. Dass BMW für den Zweitürer seiner beliebtesten Baureihe eine neue Bezeichnung kreiert hat, resultiert nicht zuletzt aus dem drastischen Rückgang der Käufergunst bei den Coupés. Bestritt der Zweitürer 2008 noch 31 Prozent aller Dreier-Verkäufe, war 2012 nun noch jeder zehnte 3er ein Zweitürer. Mit eigenständigem Auftritt, ausgefeilteren dynamischen Potential und edlerem Ambiente soll der 4er nicht nur neue Lust am Zweitürer wecken, sondern der Marke und ihrer Mittelklasse einen spürbaren Imageschub verpassen. Quelle: Presse
BMW sagt aber, nicht nur das durchaus eigenständige Design, sondern auch eine stärkere technische Differenzierung zur 3er-Reihe kennzeichne den Herausforderer von Mercedes-C-Klasse- und Audis diversen Coupés. Quelle: Presse
So ist das 4er Coupé gegenüber dem BMW 3er Coupé in Breite und Radstand sichtbar gewachsen, wobei die sportlich gestreckte Coupé-Silhouette nun deutlich flacher verläuft. Quelle: Presse
Im Vergleich zum Vorgänger weist das neue BMW 4er Coupé einen längeren Radstand, eine breitere Spur und eine Tieferlegung auf, die den Schwerpunkt auf unter 500 Millimeter senkt und damit den tiefsten Schwerpunkt des aktuellen Modellprogrammes von BMW markiert. Quelle: Presse
Das Gesicht mit den charakteristischen BMW-Designmerkmalen wie Doppelniere, Doppelrundscheinwerfer und großem Lufteinlass in der Frontschürze zeigt natürlich die Verwandtschaft zur 3er-Familie, ist aber auch sportlicher, dynamischer geworden. Quelle: Presse
Als neue Elemente weist das 4er Coupé hinter den vorderen Radläufen sogenannte Air Breather auf, die den Luftwiderstand im Bereich der Radhäuser reduzieren. In der flach gestalteten Heckansicht mit betont horizontaler Linienführung kommen die muskulösen Radhäuser und die breite zur Geltung. Quelle: Presse
Das Fahrerlebnis soll von Dynamik und guten Handling-Eigenschaften geprägt sein. Die von Antriebseinflüssen freie elektromechanische Lenkung, die ausgewogene Achslastverteilung (50:50), der Feinschliff im Windkanal und der Leichtbau bilden dafür die Basis. Quelle: Presse

Verlassen kann sich BMW dagegen auf seine starke Position in den USA und China. Dort wuchs der Premiumhersteller im vergangenen Jahr um acht beziehungsweise um fast 20 Prozent. China ist mit 391.000 verkauften Exemplaren damit zum größten Einzelmarkt der Bayern geworden. "Der Markt ist nahezu unerschöpflich", prognostiziert Analyst Schoper. Studien gehen von rund 500 Millionen noch fehlenden Fahrzeugen aus - bis eine Fahrzeug-pro-Personen-Quote ähnlich der in Europa erreicht ist. Dass Mercedes jetzt auch in China mächtig Gas gibt, sieht Schoper locker: "Wenn eine Kneipe in der Straße aufmacht ist es gut, zwei sind aber besser". Die Konkurrenten stören sich hier nicht nur, sie pushten sich auch gegenseitig, solange der Markt nicht ausgereizt sei.

Spart BMW an der falschen Stelle?

Achtsamkeit mahnt CAM-Leiter Bratzel dagegen bei zwei Kernelementen der Strategie des Premium-Autobauers an: Produktqualität und Innovation. Das Center of Automotive Management wertet jährlich die Zahl und Art der Rückrufe in den Vereinigten Staaten aus. Die USA sind aufgrund der Größe, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Autohersteller. In den letzten drei Jahren musste BMW immer häufiger Autos wegen sicherheitsrelevanten Mängeln in die Werkstätten rufen und schnitt unter den deutschen Herstellern am schlechtesten ab. "Das lässt sich als Indikator für ein nachlässiges Qualitätsmanagement deuten." Reiße die Negativserie nicht ab, müsse man ein Muster dahinter vermuten und nach den Gründen suchen.

Spart BMW an der falschen Stelle? Noch lassen sich keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Sicher ist: Steuert BMW jetzt nicht gegen, könnte eine wachsende Zahl von Rückrufen das Image des Premiumherstellers nachhaltig schädigen.

Auto



Aktuell sind Image und Markenpositionierung "herausragend" lobt Analyst Schoper. i3, i8, der Vorsprung im Leichtbau mit Karbonfaser-verstärktem Kunststoff und in der Spritspartechnologie machen BMW zum stärksten der drei deutschen Premiumhersteller. Bratzel sieht aber auch Schwächen. Vor zwei Jahren noch führte BMW die Innovationsstatistik des Forschungszentrums an. Nun hat Mercedes mit einer deutlich höheren Zahl an Neuheiten die Innovationsführerschaft übernommen. "BMW hat den i3 als Innovation professionell vermarktet, aber darunter litten andere Themen", beobachtet Bratzel. "Die ganze Aufmerksamkeit lag auf der Elektromobilität."

Die größte Herausforderung für die Bayern wird daher 2014 lauten: Haltet die Stuttgarter in Schach. Mercedes brennt in diesem Jahr ein Feuerwerk an Modellneuheiten ab, hat für seine neue S-und C-Klasse bereits hervorragende Kritiken bekommen und prescht mit Konzepten rund um das Thema vernetztes Fahren und Fahrassistenzsystemen nach vorne.

"BMW muss in diesem Bereich jetzt weitere Impulse setzen", fordert Bratzel. Elektrische werden es vorerst wohl keine mehr sein.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%