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Rekordgewinn BMW - kommt jetzt der Elektroschock?

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Muss Reithofer seinen Mut teuer bezahlen?


Was der neue BMW X5 zu bieten hat
Der weltweite Bestseller bei den großen SUV heißt BMW X5. Seit 1999 haben ihn die Bayern über 1,3 Millionen Mal produziert und intern "The Boss" genannt. Im November rollt die dritte Modellgeneration an den Start. Quelle: Presse
Der neue X5 verändert sich in den Abmessungen kaum. Mit 4,89 Metern Länge ist er um drei Zentimeter gewachsen, in der Silhouette bleibt er seiner Linie treu. Quelle: Presse
Beim neuen X5 verbaut BMW erstmals eine dreigeteilte Rücksitzlehne, die im Verhältnis 40:20:40 umklappbar ist. Das Ladevolumen beträgt 650 Liter bis zu 1.870 Litern mit umgelegten Sitzen. Quelle: Presse
Die neuen Materialien im Innenraum schaffen ein Wohlfühl-Ambiente, wie es in dieser Klasse nur schwer zu finden ist. Quelle: Presse
Zum Markstart hat der X5-Kunde die Wahl unter drei Motoren: zwei 3,0-Liter-Diesel-Sechszylinder mit 190 kW/258 PS und 280 kW/381 PS sowie einem 4,4-Liter-V8-Benziner mit 331 kW/450 PS. Quelle: Presse
Auch in der dritten Generation geriert sich „The Boss“, wie der Fünftürer BMW-intern genannt wird, als Gefährt für alle Lebenslagen Quelle: BMW
Äußerlich braucht es möglicherweise einen zweiten Blick, um die Veränderungen zu erkennen Quelle: BMW

Frank Schwope, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank: "Für mich gilt der Slogan "Vorsprung durch Technik" zur Zeit für BMW." Er erwarte sich in den kommenden Jahren noch viel von den mutigen Münchnern. Die NordLB hat aktuell die Empfehlung ausgegeben, das Papier zu halten. BMW hat 2013 einen Rekordgewinn von 5,3 Milliarden Euro eingefahren und will mit 2,60 Euro pro Stammaktie die höchste Dividende der Firmengeschichte ausschütten. Beim Absatz liegen die Münchner erneut vor Daimler und Audi, bei der Marge dazwischen. "Wir rechnen damit, dass das auch 2014 der Fall sein wird", sagt Analyst Schwope. Zum Jahresende will der BMW-Chef weltweit über zwei Millionen Autos verkauft haben. Bei derzeit schon 1,964 Millionen Einheiten müsse schon "ein Wunder passieren", wenn BMW das nicht schaffe, so Schwope.

BMW 2013 auf einen Blick

"Elektroauto geht der Strom aus"

Für ähnlich unwahrscheinlich hält der Analyst eine komplett ausbleibende Nachfrage nach Elektromobilen in der Zukunft. "Dann hätte man in Leipzig eine Fabrik, die man nicht mehr braucht und abschreiben müsste", zeigt er Risiken auf. Schwope geht jedoch von einem gegenteiligen Szenario aus: "Die Elektromobilität wird sich in den 2020-Jahren durchsetzen."

Nicht jeder ist so optimistisch. Eine Studie des CAR Center of Automotive Management geht von einem abnehmenden Interesse an Elektro-Fahrzeugen aus. CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert, dass bereits 2014 mit rund 11.000 Zulassungen das Spitzenjahr für Elektroautos werden wird. "Schon 2015 werden die Zulassungen zurückgehen. Dem Elektroauto geht der Strom aus."

Um den Absatz der E-Flitzer anzukurbeln müsste der Staat mit dicken Kaufprämien winken. Eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Online-Fahrzeugmarkts "mobile.de" ergab, dass gut 55 Prozent der Autofahrer in einer solchen Prämie einen echten Impulsgeber für den Absatz alternativ betriebener Fahrzeuge sehen. Im Schnitt hielten die Befragten einen Zuschuss von 3500 Euro für ausreichend. Milliarden für ein Subventionsprogramm für die Automobilindustrie à la Abwrackprämie wird Berlin aber sicher nicht locker machen. Dafür geht es den deutschen Premiumherstellern viel zu gut. Eine Anschubfinanzierung mit Steuergeldern für eine florierende Branche wäre den Bürgern kaum zu vermitteln.

Wo BMW Konkurrent Audi überholt
Leichtbau mit KarbonSeit 2013 produziert BMW Karosserien aus Karbon in Serie. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 werden zum Großteil aus dem neuen, leichten Kohlefaser-Material gefertigt. Auch Audi setzt auf Leichtbau, doch die Tage der großen Innovationen liegen weit zurück. Der Audi A8 war 1994 die erste Serienlimousine mit einer Aluminiumkarosserie. Karbon kommt beim R 8 und RS 3 zum Einsatz - im großen Stil setzt man in Ingolstadt aber nicht auf die faserverstärkten Kunststoffe. Und während BMW-Großaktionärin Susanne Klatten über ihre Anteile an SGL Carbon den Zugang zum Werkstoff der Zukunft für den Autohersteller gesichert hat, bleibt es bei Audi seit 2011 bei einer Entwicklungspartnerschaft mit Voith. Foto: Steffen Jahn/BMW Quelle: dpa
ElektroantriebErst kommt der i3, dann der i8 - BMW setzt voll auf den Elektroantrieb. Ob die Kunden diesen Mut belohnen, wird sich noch zeigen. Klar ist, BMW positioniert sich als innovativer Autobauer mit Visionen. Audi holt sich dagegen den Titel als größter Zauderer. Beim Elektrosportwagen R 8 e-tron und auch beim A 2 e-tron zogen die Ingolstädter den Stecker und setzen nun auf ein Sammelsurium an Antriebsarten - Plug-In-Hybride, Erdgas-Varianten, sparsame Diesel und Benziner. Ökonomisch wird Audi damit Ende wahrscheinlich sogar besser fahren - ihrem Image als technischer Vorreiter wird die VW-Tochter aber nicht mehr gerecht. Quelle: dpa
Lifestyle-KleinwagensegmentMit der britische Tochter Mini startete BMW seit 2001 im Premium-Kleinwagensegment so richtig durch und das mit Preisen, die deutlich über den Kosten für andere Stadtflitzer liegen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Mehr als 300.000 Stück setzte BMW 2012 ab. Dafür sorgen auch zig Abwandlungen und Ausstattungsvarianten bei Innenraum, Farbe und Lack. Den A1 nahm Audi erst 2010 ins Programm auf. Seit 2011 gibt es ihn als Sportback mit vier Türen. Weitere Varianten, die der BMW Mini längst bietet - wie etwa Kombi oder SUV bzw. Crossover - stehen noch aus. Auch wenn der A 1 eindeutig praxistauglicher ist und in der Verarbeitung mehr überzeugt als der Mini - in diesem Segment hat BMW die Nase vorn. Quelle: REUTERS
DesignIn jüngster Vergangenheit häufen sich die Kritikpunkte an der Optik der Audi-Modelle. A4 und A6 sind zu ähnlich, auch die SUV Q3 und Q5 unterscheiden sich kaum. Der nun geschasste Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, das Problem in Angriff zu nehmen - jetzt wird sich sein Nachfolger Ulrich Hackenberg um mehr Abwechslung bemühen. Insgesamt wirkt die Palette eher langweilig und brav als sportlich-elegant. Eine Ausnahme bildet der R 8 e-tron - den Elektrosportwagen hat Audi aber nicht in Serie gebracht. BMW beweist deutlich mehr Mut - auch wenn der Bruch mit Konventionen nicht immer gelingt. Gelungen ist den Münchenern aber der neue 3er. Obwohl mit dem 5er technisch verwandt, bleibt er optisch eigenständig. Quelle: BMW AG
Zweirad-SparteMotorräder von BMW sind beliebt – vor allem, weil sie vergleichsweise langweilig sind. Insbesondere die Tourenmaschinen a lá R 1200 GS sind bei Familienvätern mittleren Alters beliebt, weil sie zuverlässig, bequem und ohne sportliche Ambitionen leicht beherrschbar sind. ABS und große Koffer am Heck sind diesen Fahrern wichtig, den ausgedehnten Wüstentrip machen aber nur die Wenigsten. Das BMW die Modellpalette im Laufe der Jahre auch um Sportmaschinen und Chopper erweitert hat, hat dem Gummikuh-Image der bayrischen Zweiräder keinen Abbruch getan. Eine gänzlich andere Klientel bedient Audi mit der italienischen Marke Ducati:  Motorradleidenschaft pur. Wer eine feuerrote Ducati mit dem sprechenden Typennamen „Monster“ (siehe Foto) bewegt, will nicht bummeln und keine Kontinente durchqueren. Der will sich lieber in die Kurve legen, bis die Fußraste am Asphalt kratzt, den Motor fauchen lassen, bis die Reifen qualmen. Ducati-Fahrer haben ihren Spaß in engen Kehren und nicht auf Reisen. Dass die Maschinen aufregendes Design mit technischer Brillanz verbinden, macht sie für ihre Besitzer zum Non-Plus-Ultra. Immerhin: Bei den Zweirädern hat Audi mit Ducati das bessere Pferd im Stall. Quelle: REUTERS

Auch BMW muss nicht um seine Zukunft fürchten, wenn der Durchbruch bei der Elektromobilität noch einige Jahre auf sich warten lässt. Jedoch: die hohen Investitionssummen drückten zuletzt die Rendite im Autogeschäft auf 9,4 Prozent.

Van will nicht recht zu BMW passen

"BMW ist sehr gut aufgestellt", so das Urteil von Branchenexperte Bratzel. Die Produktpalette ist breit - gleichzeitig bedient sie viele Nischen. Allein den Lifestyle-Flitzer Mini gibt es schon in sieben verschiedenen Varianten von Cabrio bis Kompakt-SUV. Neuestes Modell in Reithofers Fuhrpark: Der Active Tourer. Ein Van-artiger Crossover für Familien und Best Ager mit viel Platzbedarf für Kinderwagen oder Sportausrüstung. "Der hohe Einstieg kommt bei der SUV-affinen Kundschaft sicher gut an", prophezeit Bratzel.

Ob allerdings ein Van zum BMW-Image passt, daran haben die befragten Experten doch ihre Zweifel. Bratzel: "Mit dem Van hat BMW mit allem gebrochen, von dem man sagte, es nie tun zu wollen." Für die Kundschaft ist der Active Tourer daher eine Überraschung - ob er wie BMW bei all seinen Modell verspricht "Freude am Fahren" vermittelt - sich genügend agil und sportlich zeigt, wird sich noch zeigen müssen.

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