WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rekordgewinn BMW - kommt jetzt der Elektroschock?

Seite 3/3

Produktqualität in Gefahr


Mehr als nur ein Ableger
Die „4“ im Typenschild des neuen BMW 4er Coupé soll "für eine neue Ära des Coupés bei BMW" stehen, heißt es gewohnt vollmundig aus der PR-Abteilung des Autoherstellers. Dabei zeichnen die Münchener eine Entwicklung nach, die Audi mit dem A3 und dem A5 vorgemacht hat: Während Limousine und Kombi in der Baureihe bleiben, wird aus Cabrio und Coupé eine eigene Linie. Ziel: höherwertige Positionierung der Premiumfahrzeuge, bei denen mehr Emotionen als Nutzwert im Vordergrund stehen. Dass BMW für den Zweitürer seiner beliebtesten Baureihe eine neue Bezeichnung kreiert hat, resultiert nicht zuletzt aus dem drastischen Rückgang der Käufergunst bei den Coupés. Bestritt der Zweitürer 2008 noch 31 Prozent aller Dreier-Verkäufe, war 2012 nun noch jeder zehnte 3er ein Zweitürer. Mit eigenständigem Auftritt, ausgefeilteren dynamischen Potential und edlerem Ambiente soll der 4er nicht nur neue Lust am Zweitürer wecken, sondern der Marke und ihrer Mittelklasse einen spürbaren Imageschub verpassen. Quelle: Presse
BMW sagt aber, nicht nur das durchaus eigenständige Design, sondern auch eine stärkere technische Differenzierung zur 3er-Reihe kennzeichne den Herausforderer von Mercedes-C-Klasse- und Audis diversen Coupés. Quelle: Presse
So ist das 4er Coupé gegenüber dem BMW 3er Coupé in Breite und Radstand sichtbar gewachsen, wobei die sportlich gestreckte Coupé-Silhouette nun deutlich flacher verläuft. Quelle: Presse
Im Vergleich zum Vorgänger weist das neue BMW 4er Coupé einen längeren Radstand, eine breitere Spur und eine Tieferlegung auf, die den Schwerpunkt auf unter 500 Millimeter senkt und damit den tiefsten Schwerpunkt des aktuellen Modellprogrammes von BMW markiert. Quelle: Presse
Das Gesicht mit den charakteristischen BMW-Designmerkmalen wie Doppelniere, Doppelrundscheinwerfer und großem Lufteinlass in der Frontschürze zeigt natürlich die Verwandtschaft zur 3er-Familie, ist aber auch sportlicher, dynamischer geworden. Quelle: Presse
Als neue Elemente weist das 4er Coupé hinter den vorderen Radläufen sogenannte Air Breather auf, die den Luftwiderstand im Bereich der Radhäuser reduzieren. In der flach gestalteten Heckansicht mit betont horizontaler Linienführung kommen die muskulösen Radhäuser und die breite zur Geltung. Quelle: Presse
Das Fahrerlebnis soll von Dynamik und guten Handling-Eigenschaften geprägt sein. Die von Antriebseinflüssen freie elektromechanische Lenkung, die ausgewogene Achslastverteilung (50:50), der Feinschliff im Windkanal und der Leichtbau bilden dafür die Basis. Quelle: Presse

Verlassen kann sich BMW dagegen auf seine starke Position in den USA und China. Dort wuchs der Premiumhersteller im vergangenen Jahr um acht beziehungsweise um fast 20 Prozent. China ist mit 391.000 verkauften Exemplaren damit zum größten Einzelmarkt der Bayern geworden. "Der Markt ist nahezu unerschöpflich", prognostiziert Analyst Schoper. Studien gehen von rund 500 Millionen noch fehlenden Fahrzeugen aus - bis eine Fahrzeug-pro-Personen-Quote ähnlich der in Europa erreicht ist. Dass Mercedes jetzt auch in China mächtig Gas gibt, sieht Schoper locker: "Wenn eine Kneipe in der Straße aufmacht ist es gut, zwei sind aber besser". Die Konkurrenten stören sich hier nicht nur, sie pushten sich auch gegenseitig, solange der Markt nicht ausgereizt sei.

Spart BMW an der falschen Stelle?

Achtsamkeit mahnt CAM-Leiter Bratzel dagegen bei zwei Kernelementen der Strategie des Premium-Autobauers an: Produktqualität und Innovation. Das Center of Automotive Management wertet jährlich die Zahl und Art der Rückrufe in den Vereinigten Staaten aus. Die USA sind aufgrund der Größe, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Autohersteller. In den letzten drei Jahren musste BMW immer häufiger Autos wegen sicherheitsrelevanten Mängeln in die Werkstätten rufen und schnitt unter den deutschen Herstellern am schlechtesten ab. "Das lässt sich als Indikator für ein nachlässiges Qualitätsmanagement deuten." Reiße die Negativserie nicht ab, müsse man ein Muster dahinter vermuten und nach den Gründen suchen.

Spart BMW an der falschen Stelle? Noch lassen sich keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Sicher ist: Steuert BMW jetzt nicht gegen, könnte eine wachsende Zahl von Rückrufen das Image des Premiumherstellers nachhaltig schädigen.

Auto



Aktuell sind Image und Markenpositionierung "herausragend" lobt Analyst Schoper. i3, i8, der Vorsprung im Leichtbau mit Karbonfaser-verstärktem Kunststoff und in der Spritspartechnologie machen BMW zum stärksten der drei deutschen Premiumhersteller. Bratzel sieht aber auch Schwächen. Vor zwei Jahren noch führte BMW die Innovationsstatistik des Forschungszentrums an. Nun hat Mercedes mit einer deutlich höheren Zahl an Neuheiten die Innovationsführerschaft übernommen. "BMW hat den i3 als Innovation professionell vermarktet, aber darunter litten andere Themen", beobachtet Bratzel. "Die ganze Aufmerksamkeit lag auf der Elektromobilität."

Die größte Herausforderung für die Bayern wird daher 2014 lauten: Haltet die Stuttgarter in Schach. Mercedes brennt in diesem Jahr ein Feuerwerk an Modellneuheiten ab, hat für seine neue S-und C-Klasse bereits hervorragende Kritiken bekommen und prescht mit Konzepten rund um das Thema vernetztes Fahren und Fahrassistenzsystemen nach vorne.

"BMW muss in diesem Bereich jetzt weitere Impulse setzen", fordert Bratzel. Elektrische werden es vorerst wohl keine mehr sein.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%