WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rekordumsatz, Rekordverlust Tesla steht voll unter Strom

Der kalifornische Elektroautohersteller Tesla macht trotz Rekordumsatz auch einen Rekordverlust. Die größte Investition, eine gigantische Batteriefabrik, steht jedoch kurz bevor.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die schnellsten Elektroflitzer
Audi R8 e-tron Erst sollte er nicht in Serie gehen, jetzt kommt er doch. Der Audi R8 e-tron. Auf der Teststrecke fährt er bis zu 200 km/h Spitze. Quelle: Audi
BMW i8Der E-Hybrid-Flitzer aus München ist vorne dabei, wenn es um Schnelligkeit geht. Mit Hybridunterstützung liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 250 Km/h, rein elektrisch sind es 120 Stundenkilometer. Quelle: BMW
Porsche Panamera S E-HybridZumindest mit Hybridunterstützung istder Porsche Klassenbester. Auf 270 km/h bringt er es, rein elektrisch auf 135 km/h. Der Spaß hat seinen Preis. Ab 110.409 Euro ist der E-Porsche zu haben. Quelle: Porsche
Tesla RoadsterWer sagt, dass Elektroautos nur was für Öko-Latschen-Träger sind und nicht schnell und sexy sein können? Der Tesla Roadster beweist das Gegenteil. Mit 288 PS kommt er in 3,7 Sekunden von 0 auf 97 Stundenkilometer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei vollen 201 km/h. Quelle: Tesla
Volvo V60 HybridEin sparsamer Dieselmotor plus ein emissionsfreier und effizienter E-Motor samt großer Batterie, das ist der neue Volvo V60 D6 AWD. Er kombiniert einen 215 PS starken Fünfzylinder-Diesel mit einem 70 PS-Synchronmotor. So kommt der Diesel-Hybrid auf eine Systemleistung von 280 PS. Von null auf hundert beschleunigt der zwei Tonnen schwer Schwede in sieben Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: Satte 230 km/h. Quelle: Volvo
Tesla Model SDer Markenbruder Tesla S unterscheidet sich was die Spitzengeschwindigkeit angeht kaum - er bringt es auf 200 Stundenkilometer. Quelle: Tesla
Jetcar ElektroSieht nicht nur interessantaus, ist auch schnell: Auf 160 km/h Spitzengeschwindigkeit bringt es das Jetcar. Quelle: Presse

Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla machte im zweiten Quartal 2014 trotz eines kräftigen Umsatzanstiegs deutlich höhere Verluste. Der Fehlbetrag verdoppelte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr auf 61,9 Millionen US-Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte. Tesla verweist auf hohe Investitionen zur Modernisierung und zum Ausbau des Fertigungswerks in Fremont sowie dem Aufbau eines Schnellladenetzes.

Der Umsatz stieg um 90 Prozent von 402 Millionen auf 769,3 Millionen Dollar. Tesla verkaufte im zweiten Quartal 2014 die Rekordzahl von 7579 E-Autos. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen mit 7800 Fahrzeugen einen weiteren Rekord. Für Gesamtjahr erwartet Tesla 35 000 Auslieferungen vom Model S, das in der günstigsten Variante 70.000 Dollar kostet. Vorausgesetzt „makroökonomischen Schocks“ bleiben aus, werden es Ende 2015 über 100.000 Fahrzeuge sein, hofft Musk, der mit seinem Raumfahrt-Unternehmen Space X auch in den Satellitenmarkt eingestiegen ist. 2013 verkaufte Tesla noch lediglich 22 500 Fahrzeuge.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

Auch in Deutschland befindet sich Tesla auf Expansionskurs. Gerade baut das Unternehmen sein Netz an Ladestationen aus und arbeitet dafür mit der Deutschen Bahn zusammen.

Standort-Poker

Aber Tesla-Gründer Elon Musk mag es gerne richtig groß: Im Westen der USA will er zusammen mit dem japanischen Elektronik-Giganten Panasonic die größte Lithium-Ionen-Zellfabrik der Welt bauen. Die heißt deshalb auch Gigafactory und soll mit bis zu 400 Hektar doppelt so groß wie der Stadtstaat Monaco werden.  Bis 2020 soll sie rund fünf Milliarden US-Dollar kosten und etwa 6500 Arbeitsplätze schaffen.

Noch pokert Musk jedoch um den besten Standort. Kandidaten sind Arizona, Nevada, Kalifornien, Texas  und New Mexico. „Bevor wir jede Menge Beton irgendwo reingießen wollen wir sicherstellen, dass alle Anreize und Prozeduren vorhanden sind“, sagt Musk. Das heißt:  Musk will für Tesla Subventionen. Wer gibt das billigste Land und sorgt für die Infrastruktur? Und der so eigenwillige wie charismatische Tesla-Chef will nicht durch übereifrige Verwaltungen und einschränkende Gesetze gestört werden: „Jetzt liegt der Ball auf der Seite des Gouverneurs von Nevada und der gesetzgebenden Kammern.“

Teslas Expansion geht weiter

Der Grund für den Eifer: Mit der riesigen Batteriefabrik will Tesla dem Markt für Elektromobile den entscheidenden Push verleihen: Mit der Fabrik soll es möglich sein, 500 000 Autos im Jahr herzustellen, derzeit verkauft Tesla lediglich 35 000 Autos pro Jahr. Panasonic liefert derzeit schon die Zellen für das aktuelle Model S von Tesla und wird auch das geplante SUV namens Modell X, das 2015 auf den Markt kommen soll,  bestücken.

Jetzt ist Tesla ein erster Erfolg auf dem Weg zur riesigen Batteriefabrik gelungen: Am Donnerstag haben die beiden Unternehmen im japanischen Osaka eine Vereinbarung zum Bau der Gigafactory unterzeichnet. Danach soll Tesla noch in diesem Jahr mit der Planung beginnen, die errichtetem Gebäude bauen und verwalten; Panasonic wird die Fabrik mit Maschinen ausstatten und die zylinderförmigen Lithium-Ion Batterie-Zellen herstellen.

Das sind die innovativsten Autostandorte der Welt
BMW drückt beim Ausbau seines weltweiten Produktionsnetzwerks aufs Tempo. Laut einem Bericht des " Handelsblatt" prüft der Konzern intensiv den Bau eines zweiten großen Werks in Übersee, der Favorit soll Mexiko sein. Gebaut werden sollen dort die Kompakten der Einser- und Dreier-Reihe sowie der Mini. Der neue Standort würde BMW mindestens eine Milliarde Dollar kosten, berichtet das Blatt weiter. Mit einem Ausbau in Startanburg und dem angedachten neuen Werk wolle BMW sein Produktionsvolumen in Amerika auf mehr als 600.000 Autos pro Jahr verdoppeln. Ein Blick auf die innovativsten Auto-Standorte der Welt: Quelle: AP
Russland"Wie wettbewerbsfähig sind Ihrer Meinung nach folgende Automobilstandorte hinsichtlich ihrer Innovationskraft?", lautete eine der Fragen, die die Berater von Ernst & Young den Managern von 300 Unternehmen aus der europäischen Automobilbranche stellten. Im Falle Russlands antworteten sieben Prozent mit "sehr wettbewerbsfähig", 24 Prozent sagten "wettbewerbsfähig". Quelle: dpa-tmn
FrankreichFrankreich gehört nach wie vor zu den bedeutendsten Automobilstandorte der Welt. Allerdings hat das Land sehr unter der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt gelitten. Das zeigt sich in den Bewertungen der Europäischen Automanager: In den Bereichen Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität verlor Frankreich als Standort zwischen sieben und 21 Prozentpunkten. 34 Prozent der Befragten halten Frankreich in puncto Innovation für wettbewerbsfähig beziehungsweise sehr wettbewerbsfähig. Das reicht für Platz neun. Quelle: AP
Schweden43 Prozent der Manager aus der Automobilbranche halten Schweden als Automobilstandort für wettbewerbsfähig bis sehr wettbewerbsfähig, was die Innovationskraft anbelangt. Besser schneiden die skandinavischen Autobauer bei der Qualität ihrer Produkte ab: 2013 landet Schweden auf dem dritten Platz des Produktqualitäts-Rankings. Quelle: dpa
IndienIn Indien haben derzeit 14 Automobilhersteller ihren Hauptsitz, darunter Ashok Leyland, Bajaj Auto oder Tata Motors. Tata Motors ist der größte Automobilhersteller Indiens. Was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in puncto Produktionskosten angeht, belegt Indien sogar den zweiten Platz. Nur bei der Innovation sind die befragten Manager skeptischer. Da reicht es nur für Platz sieben. Quelle: obs
BrasilienBrasilien ist der viertgrößte Autoproduzent der Welt. Doch nur zehn Prozent der Automobilhersteller halten den Standort für "sehr wettbewerbsfähig", 39 Prozent schätzen das Land immerhin als wettbewerbsfähig ein, was die Innovationsfähigkeit anbelangt. Quelle: dpa
USA56 Prozent der Automanager sind der Meinung, dass die Vereinigten Staaten als Automobilstandort 2013 in Sachen Produktqualität wettbewerbsfähig sind. 13 Prozent schätzen den Standort als "sehr wettbewerbsfähig" ein. Im Vergleich zu 2011 entspricht das einem Zuwachs von sieben Prozent. Damals hielten etwas weniger als die Hälfte der Automanager die USA für einen wettbewerbsfähigen Standort in der Kategorie Innovationskraft. Quelle: AP

Tesla wird diese Zellen zu Batterie-Modulen packen und die anspruchsvolle Steuerung entwickeln. Die endgültige Entscheidung, ob und wie viel Geld Panasonic investiert, soll jedoch später fallen. Die Rede ist von rund einer Milliarde US-Dollar, zwei Milliarden will Tesla selbst beisteuern, der Rest soll von Investoren und dem Staat kommen. Panasonic will sich derweil genau anschauen, wie stark der Markt für Elektromobile wächst.

Aber Musk sagt: „Wir haben kein Nachfrageproblem“. Teslas Ziel ist klar: Die geplante Eröffnung des Werks im Jahr 2017 soll mit dem Start der dritten Modellgeneration zusammenfallen. Das sogenannte Modell 3, eine Stufenhecklimousine, soll bei einer Reichweite von rund 400 Kilometer wesentlich günstiger sein als das aktuelle Modell S. Das kostet derzeit wenigstens 66 000 Euro, beim Modell 3 soll es nur noch die Hälfte sein. Dafür müssen die Batterien, der teuerste Teil der Elektroautos,  deutlich billiger werden.  Das, so rechnen Branchenexperten, könnte der Durchbruch für Elektromobile auf dem Massenmarkt sein.

Diese Luxus-Autos kommen 2014 außerdem auf den Markt

Bereits jetzt geht der Expansionskurs Teslas weiter: Schon in der kommenden Woche wird eine zusätzliche Produktionsstraße im Stammwerk im kalifornischen Fremont die Arbeit aufnehmen, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können. Sie erstellt wahlweise das Modell S oder das neue Modell X.

Keine Frage: Der Erfolg auf dem Markt zieht einen Rattenschwanz von Investitionen nach sich. Auch wenn Elektrowagen grundsätzlich als wartungsärmer als Autos mit Verbrennungsmotoren gelten – sie haben keine Kupplung, Kolben, Zylinder, Auspuff und Katalysatoren – müssen sie ab und an in die Werkstatt zur Reparatur und Wartung. Die  Elektroautos können aber nicht einfach bei jeder Autowerkstatt abgegeben werden.

Auto



Tesla betreibt deshalb eigene Verkaufs- und Wartungsstationen. Laut Musk werden die Aufträge im Schnitt heute in weniger als einem Tag erledigt. Meistens holt das Wartungsteam einen Wagen beim Kunden, ab und bringt ihn vor Feierabend zurück. Die Arbeit in den Werkstätten sei dabei organisiert wie bei einem Formel 1-Boxenstopp, wenn ein Rennwagen einfährt. Dafür hat sich Tesla extra von den Formel-1-Crews zeigen lassen, wie die Schnelligkeit organisiert werden kann.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%