Renault-Elektro-Chef Normand Wann kommt der Durchbruch des Elektroautos?

Renault ist der größte Profiteur der Zulassungsprämie für E-Autos in Deutschland. Renault-Manager Gilles Normand sieht die Gesellschaft kurz vor der Verkehrswende – ein wenig Zeit braucht er aber noch.

Renault Zoë Quelle: Renault

Der Renault Zoë ist Deutschlands meistverkauftes Elektroauto. Seitdem die Franzosen die Kapazität der Batterie von 19 auf 40 kWh erhöht und damit die Reichweite des Kleinwagen auf gut 300 Kilometer im Alltagsverkehr gesteigert haben, hat die Nachfrage spürbar angezogen. Im ersten Quartal 2017 setzte Renault Deutschland 1201 Exemplare des viertürigen Stromers ab – doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Nachfrage ist inzwischen so hoch, dass Kunden bis zu sechs Monaten auf ihren Wagen warten müssen.

Gilles Normand, 55, ist seit Jahresbeginn in der Renault-Zentrale Paris für die gesamte Elektroauto-Sparte verantwortlich. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online erklärt er, warum nach seiner Auffassung die Verkehrswende – von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu rein elektrisch angetriebenen Autos – nicht mehr fern ist.

WirtschaftsWoche: Herr Normand, seit Jahresbeginn bekleiden Sie im Renault-Konzern den neu geschaffenen Posten eines Vorstandes für Elektromobilität. Welche Idee steckt dahinter?
Gilles Normand: Ganz einfach: Wir sind der Meinung, dass wir gerade einen Punkt haben, an dem die Entwicklung kippt…

Gilles Normand ist Elektro-Vorstand bei Renault. Quelle: Renault

Sie meinen einen Wendepunkt in der Geschichte des Automobils?
…in der Geschichte des Automobils und speziell in der Entwicklung der Elektromobilität. In den zurückliegenden Jahren mussten die Produkte mit viel Aufwand in den Markt gedrückt werden, um die Konsumenten von der Technologie zu überzeugen. Nun haben wir die Phase erreicht, wo Kunden gezielt nach Elektroautos fragen, wo der Wettbewerb wächst und wo wir von Push auf Pull wechseln können. In dieser Situation ist es wichtig, jemand im Vorstand von Renault zu haben, der seine Stimme für die Elektromobilität erhebt.

Und das können Sie?
Ich war in den vergangenen fünf Jahren viel in Asien unterwegs, wo die Elektromobilität schon eine starke Rolle spielt. In Korea produzieren wir bereits E-Mobile und bald auch in China.

Mehr Reichweite für weniger Angst
Renault Zoë Quelle: Renault
Renault Zoë Quelle: Renault
Renault Zoë Quelle: Renault
Renault Zoë Quelle: Renault
Renault Zoë Quelle: Renault
Renault Zoë Quelle: Renault

Nach Ihrem Lebenslauf haben Sie sich bislang aber noch nicht intensiv mit Elektrotechnik auseinander gesetzt. Sie sind demnach ein Spezialist für Verkauf und Marketing.
Das stimmt. Aber in Frankreich gibt es das Sprichwort: Für eine gute Mayonnaise braucht es nicht nur Öl, sondern auch Eier und andere Zutaten (lacht). Es geht ja beim Elektromobil nicht nur um die Technik. Es geht auch darum, diese Produkte in einer wettbewerbsintensiven Umwelt zu vermarkten. Und das lernt man in Asien.

Ihre Berufung bedeutet also, dass Elektromobilität wird für Renault künftig eine noch stärkere Rolle spielen wird als heute schon?
Das kann ich versprechen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von guten Gründen: Eine Reihe neuer Wettbewerber auch aus Deutschland drängen in den kommenden Jahren auf den Markt. Nach einschlägigen Prognosen könnte der Anteil der Elektromobile am Gesamtmarkt bis 2025 auf 25 Prozent anwachsen. Gleichzeitig investieren viele Zulieferer in die Technik, was die Komponenten und damit die E-Mobile in den kommenden Jahren stark verbilligen sollte. Und ein wachsendes Angebot bei sinkenden Preisen wird dafür sorgen, dass sich mehr und mehr Kunden für solche Fahrzeuge interessieren werden. Es bewegt sich alles in die richtige Richtung.

Aktuell ist die Nachfrage nach E-Mobilen in Deutschland, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern aber noch sehr schwach…
In der Tat betrug der Anteil der Elektroautos am Gesamtmarkt 2016 gerade mal 0,6 Prozent. Aber es bewegt sich was. Dafür sorgen Förderprogramme, der Aufbau der Ladeinfrastruktur, auch politischer Druck: In Norwegen kommen Elektromobile bereits auf einen Marktanteil von 15 Prozent. In Frankreich kommt der Zoë bereits auf einen Marktanteil von 8 Prozent in der Kompaktklasse. Das ist schon nicht mehr marginal. Und die Zuwachsraten sind beeindruckend. Die Verkäufe unserer Elektroautos sind 2016 um rund 60 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen. Und im vergangenen Januar stiegen unsere Verkäufe von Elektroautos in Europa um über 80 Prozent über Vorjahr. Die Zahlen zeigen: Wir befinden uns immer noch in einer Übergangszeit – aber wir sind kurz davor abzuheben.

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