
Mit Stefan Müller, 55, ist am 1. März erstmals ein Deutscher im Vorstand der französischer Renault-Gruppe vertreten: Im siebenköpfigen Führungsteam von Konzernchef Carlos Ghosn kümmert sich der Betriebswirt und Vertriebsexperte um die Aufstellung der Marken Renault und Dacia auf den Weltmärkten. Müller hat in der Autoindustrie eine bewegte Karriere hinter sich. Er begann vor 30 Jahren im Vertrieb und Marketing von BMW und kümmerte sich später um den Aufbau des Vertriebsnetzes von BMW in Nordamerika. 1999 holte ihn Wolfgang Reitzle in die Premier Automotive Group des Ford Konzerns, wo zunächst als Markendirektor arbeitete und später Europa-Chef von Volvo Cars wurde. 2003, nach der Auflösung der PAG, wechselte Müller in die Vertriebsorganisation des Volkswagen-Konzerns. Nach einem Zwischenspiel in der Geschäftsführung des Automobilclubs ADAC wechselte er 2012 als Europachef zu Renault nach Paris, wo er schnell Anerkennung fand: Der Absatz von Renault und Dacia stieg unter seiner Regie von 1,03 Millionen auf 1,34 Millionen Fahrzeuge – eine Steigerung um über 30 Prozent. Im abgelaufenen Jahr eine der am stärksten wachsenden Automarken in Europa.
Im ersten Interview nach der Amtsübernahme schildert er, wie er die Marke Renault weltweit entwickeln will, welche Chancen er der Elektromobilität gibt – und warum er nichts von PS-starken Autos hält.
WirtschaftsWoche: Herr Müller, Sie haben am 1. März eine neue Aufgabe im Renault-Konzern übernommen: Sie wurden zum Chief Performance Officer befördert. Entschuldigen Sie, aber was macht ein CPO?
Stefan Müller: Der CPO ist für das operative Geschäft von Renault verantwortlich.
Zur Person
Stefan Müller, Jahrgang 1960, war ab 1986 im Vertrieb und Marketing bei BMW. Ab 1999 verantwortete er bei Volvo die Märkte Zentraleuropa und Deutschland und wechselte 2003 zum VW-Konzern. 2008 wurde Stefan Müller Geschäftsführer des deutschen Automobilclubs ADAC.
Seit dem 1. September 2012 war Stefan Müller im Renault-Vorstand für das wichtige Europa-Geschäft verantwortlich. Am 1. März dieses Jahres übernahm er die Position des Chief Performance Officer bei der französischen Gruppe.
Beschreiben Sie da nicht die Aufgabe des CEO, der bei Renault Carlos Ghosn heißt?
Nein. Carlos Ghosn ist der CEO und Präsident Renault und der Allianz von Renault mit Nissan. Zum Verständnis: Wir haben in der Renault Gruppe unser Geschäft in einer Matrix organisiert und weltweit in fünf Regionen eingeteilt. Und im Unterschied zu den Strukturen bei vielen anderen Autoherstellern, sind diese Regionen verantwortlich für das gesamte Geschäft – also Up- and Downstream.
Zu deutsch: Die Fertigung der Fahrzeuge und ihr Verkauf.
Ja, für Einkauf, Produktion, zum Teil fällt auch das Engineering darunter, wenn dieses lokal in der Region stattfindet. Dazu zählen auch die Produktplanung sowie Vertrieb und Marketing. Für diese fünf Regionen weltweit bin ich verantwortlich und somit für das gesamte operative Geschäft von Renault.
Wo liegen bei der Vielzahl der Aufgaben die größten Herausforderungen für Sie?
Ein Schwerpunkt ist die Erschließung neuer Märkte. Wir wollen endlich in China Fuß fassen. Das neue Werk in Wuhan spielt dabei eine wichtige Rolle. Dort produzieren wir aktuell das SUV Kadjar. Zum Jahresende kommt ein Crossover im D-Segment hinzu, das wir später auch in Europa anbieten wollen.
Sie sprechen vom Nachfolger des Koleos, der zusammen mit Nissan und Renault Samsung Motors produziert wird. Eine andere Herausforderung ist sicherlich Russland?
Die größere ist Indien. Wir haben dort eine gute Chance, nicht nur unseren Marktanteil zu vergrößern, sondern auch eine herausragende Position zu erreichen.