Rennsport Es gibt handfeste Gründe für die Formel 1, nicht nur für Audi

Audi enthüllt vor dem Großen Preis von Belgien sein neues Formel-1-Auto Quelle: imago images

Seit Jahren ist Mercedes der einzige deutsche Autobauer in der Formel 1. Nun drängt auch Audi in die Rennserie. Das ist kein Rückzug in nostalgische Verbrenner-Welten, sondern wohl überlegtes Marketing.

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Audi in der Formel 1? Stumpfes „Im-Kreis-Rasen“ mit knatterndem Auspuff und gestressten Fahrern als Werbung für nahezu lautlose, elektrische und immer smartere, autonome Fahrzeuge? Geht’s noch? Wenn Sie so auf die Entscheidung von Audi reagiert haben, ab 2026 in der Formel 1 mitzufahren, dann haben wir etwas gemeinsam. Als ich zum ersten Mal von den Formel-1-Plänen bei Audi und Porsche gehört habe, dachte ich ähnlich. Und als BMW 2009 aus der Formel 1 ausstieg, hielt ich das für falsch – weil zu spät. 

Autobauer wollen mit möglichst klimafreundlichen E-Autos, neuen Mobilitätsdiensten und selbstfahrenden Fahrzeugen für den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zu den wichtigen Gestaltern der CO2-neutralen Wirtschaft gehören. Da kann man bei Radrennen und Marathons werben, nicht aber im Dunstkreis röhrender Boliden. Das schadet Automarken im Allgemeinen und Audi im Besonderen („Vorsprung durch Technik“), sendet an der Zielgruppe vorbei (ewiggestrige Formel 1-Fans kaufen keine modernen, elektrischen Audis) und kostet obendrein Milliarden. 
Das dachte ich. Aber man kann es auch anders sehen:

Umwelt: Wenn Audi 2026 einsteigt, muss die Hälfte der Leistung der Rennwagen aus dem Elektroantrieb kommen, die andere Hälfte aus einem mit klimaneutralen Kraftstoffen (E-Fuels) betriebenen Verbrennungsmotor. Die Autos sind damit tatsächlich recht sauber, zugleich aber extrem leistungsstark. Klar, ein Volkswandertag im Sauerland ist das grünere Event, aber die Formel 1 hat immerhin die Zeichen der Zeit erkannt. Und wer weiß, vielleicht wird sie langfristig ganz elektrisch, wenn die Fans den Lärm und die Abgaswolken nicht mehr vermissen. 2030 jedenfalls will die gesamte Serie CO2-neutral sein. 

Porsche, Siemens Energy und weitere Partner ziehen in Patagonien ein E-Fuel-Werk hoch. Satellitenbilder geben einen Eindruck von den Fortschritten: Bald könnte die erste echte Produktionsstätte ihre Arbeit aufnehmen.
von Thomas Stölzel

Marke: Wäre die Rennserie eine reine Verbrennershow, würde sie kaum auf Audis „Vorsprung durch Technik“-Anspruch einzahlen. Mit den neuen Regeln transportiert der Sport aber ein High-Tech-Image, das Audi gut gebrauchen kann. Denn Vorsprung durch Technik mussten die Kunden beim Ober-Diesel-Trickser Audi lange vermissen. Audi will in rund zehn Jahren fast nur noch E-Autos verkaufen, nachhaltig hergestellt, CO2-arm im Gebrauch und mit perfekten Recyclingmöglichkeiten am Ende des Autolebens. Aber: Diese grüne E-Mobilität soll nicht brav und langweilig daherkommen. Flink, schnell, sportlich soll es auch in der neuen Autowelt zugehen und das kann Audi mit seinem Formel-1-Engagement untermauern.

Kosten: Die Formel-1-Abenteuer deutscher Autobauer haben schon Milliarden Euro verbrannt. Das war auch eines der großen Hindernisse für den Einstieg von Audi. Doch Audi-Chef Markus Duesmann hat bei der Konzernmutter Volkswagen ein glaubwürdiges Konzept vorgelegt, wonach das Formel 1-Engagement mehr abwirft, als kostet. Weil auch andere F1-Teams derzeit knapp profitabel arbeiten, ist das nicht komplett unrealistisch. Geht die Rechnung auf, bekommt Audi jedenfalls viel Werbung für wenig Geld. Die Veranstalter helfen mit bei der Kostenkontrolle: Die Serie hat zusätzlich zur bereits bestehenden Kostendeckelung für Teams einen Kostendeckel für die Hersteller der Power Unit (Elektromotor, Batterie, Steuerungselektronik, Verbrennungsmotor) im Regelwerk verankert. 

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Marketing: Die Rennserie mag grün gesonnenen deutschen Verbrauchern anachronistisch erscheinen. Doch weltweit betrachtet ist der Sport gar nicht so sehr aus der Zeit gefallen. 1,6 Milliarden TV-Zuschauer zählte die Formel 1 im vergangenen Jahr, vier Prozent mehr als 2020. Die rein elektrische Konkurrenz-Serie Formel E kann mit 316 Millionen Zuschauern in der Saison 2021 da nicht mithalten. Das Formel-1-Finale von Abu Dhabi sahen 109 Millionen Menschen im Fernsehen, ein Plus von 29 Prozent. Mit fast 50 Millionen Zuschauern gab es rund 40 Prozent mehr Interessierte in den sozialen Medien. Den größten Zuwachs an Fans gab es laut Veranstalter in den Niederlanden (81 Prozent), USA (58 Prozent), Frankreich (48 Prozent), Italien (40 Prozent) und Großbritannien (39 Prozent). 

Es gibt also handfeste Gründe für die Formel 1. Für Audi kann sie das richtige Werbeumfeld sein. Vorausgesetzt, Audi kann die Kosten tatsächlich im Rahmen halten, kann die komplexen Herausforderungen beim Motorenbau meistern und verliert nicht ständig gegen Porsche – die zweite Marke des VW-Konzerns, die aus besagten Gründen in die Formel 1 drängt. 

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