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Restwerte von Elektroautos „Ein gebrauchtes E-Auto steht etwa 30 Tage länger beim Händler als ein Verbrenner“

E-Autos auf Halde: Gebrauchte BMW i3 warten auf neue Besitzer Quelle: imago images

Dank Umweltprämie kaufen immer mehr Menschen Elektroautos. Die Aussichten der Gebrauchtpreise von Verbrennern seien trotzdem gut, sagt Restwerte-Experte Andreas Geilenbrügge. E-Autos hätten für Händler dagegen Nachteile.

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Andreas Geilenbrügge ist bei Schwacke Abteilungsleiter für Restwerte und Prognosen.

WirtschaftsWoche: Herr Geilenbrügge, dank der Umweltprämie kaufen die Menschen immer mehr Elektroautos. Was bedeutet das für die Gebrauchtwagenpreise von Dieseln und Benzinern?
Andreas Geilenbrügge: Aktuell ist das Preisniveau für gebrauchte Verbrennerautos höher als vor der Pandemie. Das liegt unter anderem daran, dass seit Beginn der Dieselkrise 2016 in der gesamten Branche deutlich weniger Diesel zugelassen worden sind. Dazu stand während Corona die Neuproduktion still, die Autohäuser waren teils geschlossen – es konnten weniger Autos neu zugelassen werden und so kommen jetzt weniger junge gebrauchte Autos auf den Markt. Es gibt also insgesamt weniger Angebotsmenge. Aber die Nachfrage ist einigermaßen stabil geblieben. Das hält die Preise für Gebrauchtwagen oben. Und die aktuellen Produktionsausfälle durch die Chipproduktion tun ihr Übriges.

Seit das Homeoffice begonnen hat, fahren die Menschen ihre Autos weniger. Welchen Einfluss hat Corona auf die Preise?
Das stimmt. Die Autos kommen heute mit weniger Kilometern auf dem Tacho zurück aus der Nutzung, als zum Zulassungszeitpunkt kalkuliert. Im Schnitt ist der Tachostand rund 5000 Kilometer niedriger als vor der Krise und in manchen Kalkulationen angenommen. Und weniger Laufleistung macht ein Fahrzeug natürlich teurer. Auch das hält das Angebotspreisniveau von Gebrauchten ein paar hundert Euro höher als üblich.

Wie ist Ihre Prognose für die Entwicklung der Restwerte?
Die Aussichten für Verbrennerautos sind aktuell recht optimistisch. Bis 2025 wird sich die Nachfrage einigermaßen stabil entwickeln, wenn keine einschneidenden staatlichen Maßnahmen ergriffen werden. Das ist gut für Verkäufer – aber natürlich nicht für Käufer. Diesel sehen wir in der Preisentwicklung übrigens stabiler als Benziner. Die Nachfrage nach solchen Autos ist seit 2016 stetig gesunken, aber dennoch ungebrochen.

Wie sieht die Lage bei Plug-in-Hybriden aus, mit denen man mit Sprit und Strom fahren kann?
Die Aussichten sind aus unserer Sicht getrübt! Aktuell sind diese Modelle die Neuzulassungstreiber für viele Autobauer. Mit ihnen versuchen sie ihre Flotten-Emissions-Ziele einzuhalten, weil der Benzinverbrauch und damit der CO2-Ausstoß durch den Testzyklus auf dem Papier gering erscheint. Viele Dienstwagenfahrer nutzen diese Autos zudem gerne, vor allem, weil sie darauf eine geringere Dienstwagensteuer zahlen müssen. Doch wenn diese großen Mengen an Plug-in-Hybriden aus dem Leasing auf den Gebrauchtwagenmarkt zurück kommen, wird es dafür voraussichtlich zu wenig Nachfrage geben.

Warum?
Weil es für gebrauchte Plug-in-Hybride, die ja üblicherweise eher von privaten Nutzern gekauft werden, keine Kauf- und Nutzungsanreize wie Prämien oder Steuervorteile mehr gibt. Weil sie in ein paar Jahren technisch mit neuen Antriebs- und Batterie-Generationen konfrontiert sind. Und weil sie aufgrund ihres Antriebskonzeptes real einen höheren Spritverbrauch haben, wenn sie nicht optimal elektrisch bewegt werden.

Wer trägt hier das Risiko?
Überwiegend Händler, Leasinggesellschaften und teilweise auch die Autobauer selbst.

Werden Plug-in-Hybride zum Ladenhüter?
Das kann passieren. Sie werden vermutlich als weniger umweltfreundlich wahrgenommen und ihre Betriebskosten bieten kaum Vorteile.

Was fordern Sie?
Als Marktbeobachter sind wir neutral und können nur Empfehlungen geben, was zu stabilen Restwerten beiträgt. Eine Prämie auch für Gebrauchte könnte zumindest für eine gewisse Zeit die Nachfrage stärken. Hilfreich könnte es auch sein, automobil genutzten Strom steuerlich zu fördern, wie man es seit Jahren beispielsweise mit Dieselkraftstoff tut. Zusammengefasst hilft alles, das den Betrieb eines Elektrofahrzeugs attraktiv macht, deren Gebrauchtwagenpreisen.



Womit wir bei den neuen E-Autos wären, die heute verkauft werden. Die kommen auch irgendwann auf den Markt und sind dann technisch überholt… Wie ergeht es reinen Stromern künftig?
Die Nachfrage wächst auch dort nicht parallel mit dem zunehmenden Angebot von Gebrauchten. Das drückt auf die Preise. Was die Technologie angeht, so erwarten wir im Verlauf bis zum Jahr 2025, dass die Sprünge bei Kapazität und Reichweite nicht mehr so groß sein werden wie in den vergangenen Jahren. Aber der batterieelektrische Antrieb wird bleiben, während Plug-Ins eher eine Brückentechnologie darstellen.

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Sehen Sie Unterschiede bei den Standzeiten, also den Tagen, die ein Auto beim Händler steht, bis es verkauft ist?
Ja, und zwar deutliche. Im Schnitt dauert es je nach Modell teils bis zu 140 Tage, bis ein gebrauchter Stromer verkauft werden kann. Ein E-Auto steht damit heute etwa 30 Tage länger beim Händler als ein Verbrenner, bis es verkauft worden ist. Und die Lücke könnte noch größer werden – und sich auf bis zu 40 Tage erhöhen. Und jeder Tag mehr kostet den Händler Geld, denn die Autos blockieren Platz und Kreditlinien.

Mehr zum Thema: Trotz Nachteilen für Gebrauchtwagenhändler bringt der EU-Klimapakt den Durchbruch des Elektroautos. Doch Fragen bleiben: zu Kosten, Reichweite, Sicherheit, Emissionen. Daten des ADAC geben Antworten.

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