Rolf Heyer Wie es auf dem Bochumer Opel-Gelände weitergeht

Der Kampf um den Produktionsstandort ist endgültig verloren. Im Bochumer Opel-Werk stehen die Bänder nach mehr als 52 Jahren still. Jetzt sollen Fördergelder in Millionenhöhe neue Unternehmen auf das Gelände locken.

Opel-Werksgelände in Bochum Quelle: dpa Picture-Alliance

WirtschaftsWoche: Die Schließung des Werks wurde zum Teil als „brutale, heftige, primitive, bösartige Scheidung“ bezeichnet. Ist es wirklich so schlimm für den Wirtschaftsstandort Bochum?
Rolf Heyer: Für Bochum bedeutet das den Ausfall einer wichtigen Kernproduktion. Der Standort wurde in den vergangenen Jahren ähnlich mit Nokia oder absehbar mit Outukumpu stark in Mitleidenschaft gezogen, da wichtige Kernindustrien die Stadt verlassen haben – aber nicht wegen des Standortes, sondern weil die Mobilfunk-, Stahl- und Automobilbranche unter dem großen Druck der Globalisierung leiden.

Zur Person

Alles drei waren Firmen, die nicht in Bochum heimisch waren.
Sicher hat es auch eine Rolle gespielt, dass Bochum jeweils nur die „verlängerte Werkbank“ der Unternehmen war, aber nicht deren Firmensitz. Auch die Diskussion um das Mercedes-Werk in Düsseldorf zeigt, dass es nicht um die Frage der Standortqualität geht, sondern wie sich Unternehmensentscheidungen bei Überkapazitäten und Rationalisierungen auswirken.

Wie sind die Auswirkungen auf umliegende Gemeinden und Städte?
Opel war immer ein regionaler Arbeitgeber, deshalb will ich auch nicht nur vom Standort Bochum sprechen, sondern vom Standort „Mittleres Ruhrgebiet“. Von den 2600 Arbeitern, die jetzt ihren Job verlieren, kommen viele aus dem Bochumer Umfeld, von Castrop-Rauxel über Herne bis Ennepetal. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, jetzt nicht nur einen Bochumer Standort aufzubauen, sondern einen von regionaler Bedeutung.

Rolf Heyer führt die Geschäfte der Gesellschaft „Perspektive 2022“, die die Weiternutzung des Opel-Werksgeländes verwalten soll. Quelle: PR

Ein erster Schritt könnte die Ansiedlung von DHL auf dem Werksgelände sein. DHL hat bereits im April einen Letter of Intent unterzeichnet, ein Verteilzentrum zu erreichten. Im September sollten die Verträge unterzeichnet werden - das ist aber nicht geschehen.

Hätten wir den Vertrag im September unterschrieben, hätten wir vieles offen lassen und mit einschränkenden Bedingungen versehen müssen. Wir hatten im September noch keinen Förderbescheid, den wir jetzt haben. Zudem war die Finanzierung der „Perspektive 2022“ über 2014 hinaus zu dem Zeitpunkt noch nicht gesichert. Inzwischen ist sie es.
Ein weiterer wesentlicher Punkt war, dass wir bei einem Verkauf im September ein Gelände übergeben hätten, das uns zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gehörte. Und es gibt Punkte, die erst im Frühjahr 2015 abschließend geklärt werden können. Deshalb peilen wir eine Vertragsunterzeichnung für Mai oder Juni 2015 an.

Opel in Bochum von 1962 bis 2014

Wieso erst so spät?
Beispielhaft sei genannt, dass wir während der laufenden Automobilproduktion keine Bodenuntersuchungen in dem Detailierungsgrad machen konnten, wie es auf einem ehemaligen Bergbaugelände erforderlich ist. Bislang wurde nur in einem Raster von 50 auf 50 Meter gebohrt. Dies gibt uns zwar gute Anhaltspunkte, ist aber nicht der Standard einer Untersuchung, den wir brauchen. Diese Untersuchungen werden im Frühjahr 2015 erfolgen.
Bis Mai werden wir viel genauer wissen, was auf und vor allem unter dem Gelände passiert ist. Wir können dann in den freigeräumten Hallen auch durch den Boden bohren. Das war neben einem laufenden Presswerk gar nicht möglich. Wir haben uns mit DHL darauf verständigt: je mehr Informationen wir haben, desto solider können auch die Verträge gemacht werden. Dass wir das verschoben haben, war auch meine Entscheidung. Als ich im August hier angefangen habe, war eine meiner ersten Anregungen, keinen Vertrag mit so vielen ungeklärten Punkten zu unterschreiben. An der Klärung arbeiten wir jetzt.

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