WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös „Entscheidung über das SUV fällt 2015“

Exklusiv

Mit 4.063 verkauften Fahrzeugen hat Rolls-Royce 2014 das fünfte Rekordjahr in Folge eingefahren. Im Interview blickt Unternehmenschef Torsten Müller-Ötvös nach vorne und spricht über eine mögliche SUV-Baureihe.

Lamborghini baut SUV in Italien
Die VW -Sportwagentochter Lamborghini will den Markt für Geländewagen aufmischen. Vorstandschef Stephan Winkelmann kündigte am Mittwoch im Beisein von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi in Rom den Bau eines Luxus-SUV an, der 2018 zu den Händlern rollen soll. Luxuriöse Geländewagen sind derzeit vor allem in den USA und Asien stark gefragt. Erstmals wurde der Geländewagen von Lamborghini vor drei Jahren als Studie mit dem Namen Urus auf der Automesse in China einem größeren Publikum vorgestellt (im Bild). Zuletzt war spekuliert worden, er könnte bereits 2017 auf den Markt kommen. In der Branche wird vermutet, dass sich der Lamborghini-SUV die Plattform mit dem Audi Q7, dem VW Touareg und dem Porsche Cayenne teilen soll, von denen VW im vergangenen Jahr fast 200.000 Stück verkauft hat. Quelle: REUTERS
Lamborghini rechnet mit einem jährlichen Verkauf von rund 3.000 Exemplaren seines Luxus-SUVs. Dadurch würde sich der Absatz von zuletzt 2.530 Fahrzeugen mehr als verdoppeln. Bislang baut Lamborghini zwei Sportwagentypen – den Huracan als Nachfolger des Gallardo und den Aventador. In die Erweiterung seines Werks in Sant'Agata Bolognese und die Entwicklung des Geländewagens steckt Lamborghini nach eigenen Angaben einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dadurch sollen bis zu 500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt beschäftigt die Marke mit dem Kampfstier im Logo rund 1.100 Mitarbeiter, die meisten davon in seinem Stammwerk in Norditalien. Im Gegenzug für die Investition soll Lamborghini bis zu 90 Millionen Euro an Steuervergünstigungen und anderen Subventionen erhalten. Quelle: dpa
Das Lambo-SUV könnte laut den Experten von IHS Automotive aber nur zum Teil in Italien gefertigt werden. Im slowakischen Werk in Bratislava konzentriert der VW-Konzern die Fertigung der großen Luxus-SUVs, wie etwa dem Porsche Cayenne, Audi Q7 oder Bentley Bentayga. Beim Lamborghini könnte es ähnlich laufen wie bei Cayenne und Bentayga: In Bratislava wird die Karosserie gefertigt, zur Endmontage werden die Autos dann in das jeweilige Werk der Marke gebracht. Bei Bentley könnte der Bentayga bereits bald Zuwachs erhalten. Im Interview mit dem britischen Fachmagazin "Autocar" sagte Rolf Frech, Entwicklungschef der Nobelmarke, dass die Entwicklung eines weiteren SUV-Modells durchaus im Bereich des Möglichen liege.  "Autocar"  spekuliert, dass sich die Bentley-Designer dabei am BMW X6 orientieren könnten. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, betonte Frech. Quelle: AP
Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer will von dem SUV rund 3.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen – zum fürstlichen Preis von mindestens 200.000 Euro. Extrawünsche bei Lack, Leder oder sonstiger Ausstattung treiben den Preis weiter nach oben. Quelle: dapd
Bislang hat Bentley nur diese schemenhafte Aufnahme des SUV-Modells veröffentlicht, das „Bentayga“ heißen wird. Das gaben die Briten im Januar auf der Automesse in Detroit bekannt. Ebenso das Datum für den Marktstart: Die Serienversion wird erstmals auf der IAA im Herbst diesen Jahres gezeigt, 2016 soll der Bentayga dann bei den Bentley-Händlern stehen. Quelle: Bentley Motors Limited
Einen Ausblick auf die SUV-Vorstellungen der Briten gab die Studie EXP 9F, den Bentley 2012 auf den Automessen in Genf und Peking zeigte. Das kantige und etwas unproportioniert wirkende Design polarisierte – und das vollkommen bewusst: Bentley wollte provozieren und so die Medien und potenzielle Kunden dazu antreiben, ihre eigenen Vorstellungen von einem Bentley-SUV kundzutun. Quelle: REUTERS
Im vergangenen September kam vom Vorstand die Produktionsfreigabe – allerdings mit einem entschärften Design. Die Front wird sich – wie auf dem sandigen Foto zu erkennen – am typischen Vier-Augen-Gesicht der Marke orientieren. Die gesamte Linienführung wird wohl deutlich filigraner ausfallen. Für den standesgemäßen Vortrieb soll der aus dem VW-Konzern bekannte W12-Motor sorgen, der in dem SUV bis zu 610 PS leisten könnte. Quelle: Bentley Motors Limited

Herr Müller-Ötvös, Ihr selbst gestecktes Ziel war es, 4.000 Rolls-Royce im Jahr 2014 zu verkaufen. Hat es geklappt?
Jawohl, wir haben diese Marke mit 4.063 Fahrzeugen recht komfortabel durchbrochen. Ich bin über das Ergebnis sehr erfreut. Ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zu 2013 und das fünfte Rekordjahr in Folge sind sehr zufriedenstellend. Wenn man die letzten fünf Jahre Revue passieren lässt, haben wir das Volumen der Marke Rolls-Royce vervierfacht. Ich glaube, das ist eine ganz gute Erfolgsstory.

Torsten Müller-Ötvös, Jahrgang 1960, ist seit 2010 Geschäftsführer von Rolls-Royce. Zuvor hat er sich im BMW-Konzern unter anderem als Marketing-Manager für den Mini bewiesen. Quelle: BMW

Geht es 2015 direkt so weiter?
Ich bin „quietly confident“ wie die Engländer so schön sagen, dass es erneut ein gutes Jahr für Rolls-Royce wird. Ich bin unverändert optimistisch für den US-Markt und für den Nahen Osten. Wenn jetzt keine größeren Einbrüche und Zusammenbrüche in der Welt passieren, sollten wir 2015 zumindest ein Automobil mehr verkaufen als im letzten Jahr.  

2010 schnellte für Rolls-Royce-Verhältnisse ihr Absatz in die Höhe, weil Sie den Ghost als kleineres Modell unterhalb des Phantom eingeführt hatten. In den Jahren 2011 bis 2013 war das Wachstum eher moderat, 2014 gab es wieder einen großen Sprung. Wie erklären Sie sich das?
Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen haben wir mit dem Wraith nach der Markteinführung im Oktober 2013 das erste volle Jahr erlebt. Mich freut sehr, dass uns der Wraith 80 Prozent neue Kunden gebracht hat. Menschen, die davor noch kein Interesse an einem Rolls-Royce hatten – jetzt aber schon. Das ist ein maßgeblicher Treiber des Erfolgs.

Die umsatzstärksten Luxusgütersegmente 2014

Und die anderen Faktoren?
Der nordamerikanische Markt läuft sehr gut. Die anziehende Konjunktur hat das Verbrauchervertrauen in den USA wieder auf Rekordhöhe gebracht. Das hat unsere Verkäufe dort stark beflügelt. Gleiches gilt für den Mittleren Osten, aber auch für unseren britischen Heimatmarkt. Insgesamt eine Mischung aus dem passenden Produkt, konjunktureller Entwicklung und einer global sehr guten Position für Rolls-Royce Motor Cars.

Was unterscheidet den Käufer eines Wraith vom Phantom-Besitzer?
Kurz gesagt: Er ist deutlich jünger, Sportwagen-orientiert, Selbstfahrer. Wir haben den Wraith nicht umsonst als den „Ultimate Gentleman’s Grand Tourer“positioniert. Er ist der dynamischere und fahraktivere Bruder des Ghost – und zudem der stärkste je gebaute Rolls-Royce. Das sind Attribute, die den Käufer eines großen und gediegenen Phantom nicht ansprechen.

Wohin streben Sie mit Rolls-Royce?
Für die Marke sehen wir weiteres Wachstumspotenzial. Zum Beispiel mit dem Drophead Coupé des Wraith, das wir Mitte 2016 auf den Markt bringen werden. Neben dem bestätigten Fahrzeug gibt es auch noch Spekulationen um ein weiteres Modell, das kommen könnte. Zudem wächst die Zahl der Menschen mit hohem und sehr hohem Einkommen Jahr für Jahr um drei bis fünf Prozent. Deshalb mache ich mir um die Zukunft von Rolls-Royce keine Sorgen.

Mit den Spekulationen sprechen Sie das mögliche SUV-Modell an. Im vergangenen September  haben Sie gesagt, man setzte sich intensiv mit dem Thema auseinander und Sie seien zuversichtlich. Welche Fortschritte hat das Projekt in den vergangenen Monaten gemacht?
Für uns ist die große Fragestellung, wie ein solches Produkt aussehen muss, dass es zum einen ein echter Rolls-Royce ist, zum anderen aber auch die gewünschten Charakteristika aufweist, die für dieses Segment erforderlich sind. Dabei haben wir zahlreiche Erkenntnisse gewonnen. Bei der ein oder anderen Designfrage sind wird auch einen Schritt vorangekommen.

Wie sich unser Verständnis von Luxus verändert

Anspruchsvollen Kunden wird nicht gerade nachgesagt, viel Geduld zu haben. Wann wird die Entscheidung für oder gegen ein SUV-Modell fallen?
Wir haben noch nicht alle Fragen beantwortet. Ob wir auf alle Fragen eine final Antwort finden, werden wir noch in diesem Jahr wissen.

2015 gibt es also ein Ja oder Nein zum SUV?
Wir werden in diesem Jahr definitiv sagen, ob wir es machen oder nicht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%