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Rupert Stadler Audi-Chef setzt auf die Lust am SUV

Audi-Chef Rupert Stadler kündigt ein Modellfeuerwerk im SUV-Segment an, stellt seine Globalisierungsoffensive vor und erklärt, warum klassisches Carsharing für Audi kein Thema ist.

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Foto vom Audi-Chef Rupert Stadler

WirtschaftsWoche: Herr Stadler, etwa ein Jahr ist es her, dass Ursula Piëch in den Aufsichtsrat von Audi eingezogen ist. Wie hat sich das auf die Arbeit in dem Gremium ausgewirkt?

Rupert Stadler: Frau Piëch kennt unser Unternehmen seit vielen Jahren hautnah, sowohl aus der Zeit, als ihr Mann hier bei Audi Vorstandschef war, als auch aus der Konzernperspektive. Sie ist sehr nah dran am Geschehen. Insofern ist sie für uns ein absoluter Zugewinn.

Kritik haben Sie von ihr im Aufsichtsrat also noch nicht zu hören bekommen?

Diese Frage ist falsch adressiert. Ich sitze dem Vorstand vor, nicht dem Aufsichtsrat.

Dann frage ich Sie direkt. Audi hat im ersten Quartal den Umsatz um sieben Prozent gesteigert, den Absatz um elf Prozent, das operative Ergebnis aber nur um 0,5 Prozent. Ist das nicht sehr mager?

Audi hat in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Bei der operativen Rendite sind wir mit 10,1 Prozent vor BMW und Mercedes klar der Champion. 2013 haben wir toll abgeschnitten mit einem Absatz von über 1,5 Millionen Autos. Diese Marke hatten wir uns erst für 2015 gesetzt.

Dafür scheint nun aber die Puste auszugehen.

Wie kommen Sie darauf? Wir hatten in den ersten vier Monaten ein Absatzplus von rund zwölf Prozent, wachsen auf allen Weltmärkten, sind Premiummarke Nummer eins in Europa und China. Ebenso wichtig ist unsere hohe Ertragskraft. Wir tätigen unsere Investitionen aus einer sehr soliden Cash-Flow-Position heraus.

Dennoch ist das Konzernergebnis vor Steuern im ersten Quartal gesunken. Und für das Gesamtjahr erwarten Sie einen Umsatz, der nur leicht über Vorjahr liegen wird. Wie erklären Sie das?

Das operative Ergebnis ist stabil geblieben, trotz der enorm hohen Vorleistungen, die wir im Moment erbringen. Und bei der operativen Umsatzrendite markieren wir die Spitze im Wettbewerbsumfeld.

Sie lehnen sich also zufrieden zurück?

Das werden Sie weder bei mir noch bei einem der mehr als 70.000 Audianer erleben. Unser Umfeld ändert sich fast täglich, aber wir gehen unseren Weg in aller Ruhe und Klarheit. Bis 2020 durchlaufen wir eine weitere Produktoffensive und das größte Investitionsprogramm unserer Geschichte.

VW-Chef Martin Winterkorn hat kürzlich Extrarunden angekündigt, um schneller auf gesellschaftliche und technische Veränderungen zu reagieren. Gibt es auch für Audi Extrarunden?

Unsere Branche befindet sich in einer Phase des Umbruchs, gleichzeitig ist der Wettbewerb so intensiv wie nie. Wir erleben, wie sich politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ständig verändern. Neben der notwendigen Aufmerksamkeit für die Tagesarbeit haben wir daher unseren Blick auch sehr weit in die Zukunft gerichtet und dafür unter anderem vor fünf Jahren die Urban-Future-Initiative gestartet. Mit diesem Programm erforschen wir, wie individuelle Mobilität in Megastädten effizienter und zukunftsorientiert gestaltet werden kann.

Erweiterung auf rund 60 Modelle

Die Stärken und Schwächen von Audi
Schwache ErtragsentwicklungFür das Jahr 2013 präsentierte Stadler einen Gewinn nach Steuern von vier Milliarden Euro – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Hohe Investitionen in neue Fabriken machten sich da bemerkbar, auch negative Währungseffekte drückten den Gewinn. Stadler will 2014 Gas geben. Die Frage ist womit? Denn im Gegensatz zu Daimler fehlt dem Audi-Chef in diesem Jahr die große Modelloffensive. Quelle: dpa
Audi-Chef Stadler betrachtet die Konkurrenz Quelle: dpa
Konkurrenz macht SchlagzeilenNeben BMW macht auch Daimler Schlagzeilen. Zunehmende Verkaufszahlen, eine gute Resonanz an der Börse und eine Flut an Modellen lassen den Autobauer gut dastehen. Dagegen wirkt Audi wieder passiv. Quelle: REUTERS
Audi-Chef Stadler mit einem e-tron Spyder 2010 in Paris Quelle: dpa
Mangelnde Design-Unterschiede bei Audi-Modellen Quelle: AP
Der neue Audi TTS
Vertrag verlängertVolkswagen hat den Vertrag Stadlers als Mitglied im VW-Konzernvorstand um fünf Jahre verlängert. Stadlers Vertrag als Chef von Audi läuft noch bis Ende 2016. Nach der Verlängerung des Vorstands-Vertrags ist die Verlängerung seines Postens als Audi-Chef nur noch eine Frage von Wochen. Quelle: dpa

Winterkorn will Lebenszyklen verkürzen, auch Modelle aussortieren. Haben Sie schon die Audi-Modellpalette überprüft?

Das machen wir permanent. Solche Fragen wird aber jede Marke selbst zu entscheiden haben. Es gibt Modelle von Audi, die sich nach neun Jahren Lebensdauer immer noch gut verkaufen. Warum soll man da vorzeitig einen Modellwechsel vornehmen? Für unsere Marke sehen wir noch viele Potenziale. Heute haben wir in unserem Portfolio etwa 50 verschiedene Modelle und Derivate. Wir werden dieses Modellangebot in den kommenden Jahren in Richtung 60 erweitern. Vor diesem Hintergrund fragen wir uns natürlich immer wieder: Wie viel Potenzial hat der Cabrio-Markt, wo gibt es Chancen für ein Coupé, was gibt das Sportwagensegment noch her und der Markt für SUVs? Bei steigendem Wachstum und zunehmender Globalisierung einer Marke muss man sich solchen Fragen natürlich noch intensiver stellen.

Audi produziert Autos in Spanien, in China, bald auch in Mexiko...

Wir waren noch nie so international wie heute. Dieses Jahr werden wir zum ersten Mal mehr Autos im Ausland produzieren als in Deutschland. Wir werden in zwei Jahren allein unter der Marke Audi 13 Produktionsstandorte weltweit betreiben. Dafür investieren wir bis 2018 insgesamt 22 Milliarden Euro.

Aber doch wohl nicht nur in neue Werke.

Auch in neue Technologiefelder, von denen man heute noch nicht genau weiß, welche Wirkungen sie erzeugen werden. Derzeit müssen so viele Dinge gleichzeitig angepackt werden wie noch nie in der Automobilgeschichte. Das ist trotz aller Herausforderungen die reizvollste Phase, die es in einer Unternehmensentwicklung gibt. Unser Ziel ist es, bis 2020 über zwei Millionen Autos weltweit zu verkaufen.

Das Ziel des Programms „Audi 2020“ hatten Sie schon vor vier Jahren verkündet. Werden Sie noch mal nachlegen?

Unsere Strategie hat alle Zutaten, uns auch über die Zwei-Millionen-Grenze zu tragen. Wir brauchen kein grundsätzlich neues Programm. Es geht jetzt darum, die nächsten Etappen zu realisieren, wie etwa die Internationalisierung unserer Produktion und die zweite Stufe der Modelloffensive. Das ist ein rollierender Prozess, der ständig auf neue Rahmenbedingungen reagiert.

Beispielsweise auf neue Wettbewerbssituationen: Mercedes kommt näher.

Wettbewerb belebt das Geschäft. Aber es ist auch wichtig, das Lenkrad ruhig zu halten und mit unserer Marke auf dem klar gesteckten Kurs zu bleiben. Das zeigt sich gerade auf dem Gebiet der Elektromobilität.

Hat da Audi einen klaren Kurs? Erst hieß es, mit Elektroautos sei kein Geschäft zu machen. Nun forciert Audi die Arbeit wieder daran. Was denn nun?

Wenn viele Wege nach Rom führen, dann bringen uns viele Pfade zur Elektromobilität. Wir haben vor gut zwei Jahren den R8 e-tron nicht in Serie gehen lassen, weil wir mit einer Reichweite von 250 Kilometern nicht zufrieden waren. Den viel zitierten Stecker haben wir technologisch niemals gezogen. Heute sind wir beim R8 e-tron bei einer Reichweite von 450 Kilometern. Damit wird es ein Geschäftsmodell. Vom nächsten R8 wird es deshalb eine Variante mit Elektroantrieb geben.

Effizienz heißt bei Audi "Ultra"

Der Audi R8 e-tron
Der R8 e-tron auf Testfahrt: Der Flitzer von Audi geht leider nicht in Serie. Auf der Teststrecke fährt er bis zu 200 km/h Spitze. Quelle: Presse
Angedacht war eine Kleinserie von 100 Autos, die für 150.000 bis 200.000 Euro zu haben sein sollten. Daraus wird nun nichts. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen beendet Audi-Chef Rupert Stadler das Projekt. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Am sportlichen Design gibt es nichts auszusetzen. Was den Serienstart verhinderte, waren in erster Linie die zu hohen Kosten für den Akkublock - weit über 20.000 Euro. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Zwei Elektromotoren mit 280 kW (381 PS) hat der e-tron unter der Haube. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber
Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 48,6 kWh. Eine Ladung soll für 215 Kilometer reichen - deutlich weniger als beim Tesla Model S. Hier verspricht der Hersteller 483 Kilometer. Quelle: Presse
Von null auf hundert km/h in 4,2 Sekunden. Der R 8 hat noch mehr Power als der Tesla Model S. Der Amerikaner braucht 4,6 Sekunden. Quelle: Audi-Pressebild von Bernhard Huber

Das klingt nach einem kleinen Wunder.

Wunder gibt es in unserer Branche nicht. Technologischer Fortschritt muss hart erarbeitet werden, zum Beispiel bei den Batterien, dem bisher schwächsten Glied in der Kette. Wir haben deshalb entschieden, in der ersten Phase der Elektromobilität zunächst auf den Plug-in-Hybrid zu setzen. Der A3 e-tron bietet 50 Kilometer elektrische Reichweite, aber einen noch größeren Aktionsradius mit einem Verbrennungsmotor als zweitem Antrieb. In der Summe kommen sie auf über 900 Kilometer. Wir werden den neuen Q7 ebenfalls als Plug-in-Hybrid anbieten, auch den nächsten A6 und den nächsten A8. Und wenn sich die Zelltechnologie weiter so vielversprechend entwickelt, wird es auch bei Audi weitere reine Elektroautos geben.

Aber nicht mehr in diesem Jahr?

In diesem Jahr kommt der A3 e-tron auf den Markt. Er wird weltweit ausgerollt.

Dann sieht es aber in diesem Jahr mit Modellneuheiten von Audi mau aus. Außer dem neuen TT ist nichts zu erwarten, der Anlauf des neuen A4 wurde verschoben.

Wir sehen das anders. Wir haben neben dem neuen TT in diesem Jahr 16 verschiedene Derivate bestehender Modelle, die wir in Produktion und Vertrieb bringen. Wir arbeiten intensiv am Modularen Längsbaukasten. Ab 2015 zünden wir damit.

Nächstes Jahr, aber nicht dieses.

Das ist kein Thema , wenn wir trotzdem mit zwölf Prozent wachsen. Das zeigt, dass Audi eine überaus starke Marke mit sehr wettbewerbsfähigen Modellen ist. Wir haben sehr genau geplant, wann für welches neue Modell der richtige Zeitpunkt ist. Entscheidungen trifft man nicht mit Blick auf den Wettbewerb. Wichtig ist, das Ziel 2020 im Auge zu behalten und cool zu bleiben.

Der neue A4 sollte nach meinen Informationen im Herbst kommen. Nun kommt er erst 2015. Warum die Verzögerung?

Für jeden Modellwechsel gibt es ein zeitliches Fenster, und der A4 liegt innerhalb dieses Zeitrahmens.

Sie werben derzeit für besonders effiziente Modellvarianten namens Ultra. Will sich Audi etwa an die Spitze der Ökobewegung setzen?

Wir wollen mit Ultra dokumentieren, dass Audi die Speerspitze in Sachen Effizienz ist. Das wollen wir deutlich machen, bewusster und auch etwas lauter als bisher.

Getrommelt, so scheint es, wird aber vor allem im Ausland. Ganz bewusst?

Weil wir dort große Potenziale haben. In China nehmen wir jetzt das Werk Foshan in Betrieb, wo der A3 produziert wird. Wir haben die Entscheidung zum Bau eines Werks für 150.000 Autos pro Jahr in Mexiko getroffen, mit dem wir vom Dollar unabhängiger werden und noch stärker in den USA Fuß fassen. Wir haben die Entscheidung getroffen, in Brasilien den Q3 und die A3-Limousine zu fertigen. Aber natürlich werden wir auch in Europa und in Deutschland weiter ein starkes Standbein haben.

SUV-Reihe soll wachsen

Dank China: Audi & Co mit Rekordmonat

Mit Foshan können Sie in China mehr als 700 000 Autos produzieren. Begeben Sie sich damit nicht in zu starke Abhängigkeit von diesem Markt?

Das Risiko, in China nicht dabei zu sein, ist viel größer, als dort ein aktiver Spieler zu sein. Wir haben uns entschieden, zusammen mit den Joint-Venture-Partnern bis zu 700.000 Autos pro Jahr lokal zu produzieren. Und in drei Jahren werden wir sicher über weiteres Potenzial reden. Der Anteil des Premiummarkts an den Gesamtzulassungen beträgt dort nur rund zehn Prozent, ist also ausbaufähig.

Wo sehen Sie noch Wachstum für Audi, wenn wir über die Modellpalette schauen?

Wir sind heute mit unseren Modellen der A-Reihe gut aufgestellt. Oben gibt es sicher um den A6 herum noch Wachstumschancen, etwa mit einem sportlichen Modell. Potenziale sehen wir vor allem im SUV-Bereich, der weltweit wächst. Wir werden deshalb unsere Q-Reihe deutlich verbreitern. Ab 2016 vermarkten wir den Q1, der in Ingolstadt gefertigt wird. Auch oberhalb des Q7 sehen wir gute Chancen für ein zusätzliches Produkt.

Audi TT Offroad Concept auf der Peking Auto Show. Quelle: dpa

Der Q7 ist doch schon ein riesiges Auto. Darüber soll es noch was geben?

Daran arbeiten wir gerade. Zudem ist zwischen Q5 und Q7 und zwischen Q3 und Q5 noch Platz. Wir haben gerade in China eine TT-Studie mit vielen SUV-Attributen gezeigt. Die ersten Reaktionen sind sehr gut, das werden wir bei unserer Modellplanung berücksichtigen. Es gibt also noch einige Möglichkeiten für ertragsreiches Wachstum. Denn die SUV-Kunden geben gerne etwas mehr Geld aus für Ausstattung.

Den Audi-Mitarbeitern wird derzeit der A1 mit Sonderkonditionen geradezu aufgedrückt. Läuft der Verkauf so schlecht?

Keineswegs. Der A1 ist sehr stark und stabil im Markt unterwegs. In Kürze wird er eine Produktaufwertung bekommen. Dass wir ein solch attraktives Modell auch unseren Mitarbeitern anbieten, ist ganz normal. Das Verkaufsvolumen des A1 ist mit rund 120.000 Einheiten seit vier Jahren stabil, geplant war ehemals eine Jahresproduktion von 80.000 Autos. Das Ding sitzt.

In Arbeit
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Wann rollt Audi eigentlich sein Carsharing-Konzept aus? BMW und Daimler sind mit Drive Now und Car-to-Go weit voraus.

Seit drei, vier Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema.

Auf der Straße sieht man aber nicht viel.

Mit gutem Grund. Denn wir wollen unsere Autos nicht zu Flatrate-Konditionen in den Markt drücken. Ich will keine Audi-Modelle als rollende Litfaßsäulen in den Städten. Wir gehen dieses Thema anders an.

Nämlich?

Wir suchen unsere Bühne dort, wo unsere Kunden sind. So bieten wir zum Beispiel mit Audi Select in einem Pilotprojekt die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres drei unterschiedliche Automobile zu fahren. Sie können also für vier Monate ein A5-Cabriolet fahren, dann einen Q5 und anschließend einen R8. Für einen gewissen Mehrpreis bekommt der Audi-Kunde im Rahmen seines Leasingvertrags diese Flexibilität. Das tut unserer Marke gut und kommt bei Premiumkunden besser an.

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