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Russischer Automarkt Der Porsche als Kriseninvestment

Der Rubel-Verfall treibt reiche Russen in die Autohäuser – Luxuswagen gelten als krisensicheres Investment. Welche Hersteller von dem plötzlichen Run profitieren.

Ein Porsche Macan als Geldanlage – in Russland ist das wegen des Rubel-Verfalls derzeit beliebt Quelle: dpa

23, 55 oder gar 63 Prozent – von solchen Wachstumsraten können Autobauer meist nur träumen. Infiniti, Porsche und Lexus konnten ihren Absatz im November aber genau um diese Raten steigern – auf dem russischen Markt.

Dabei lief es zuletzt in Russland nicht gut, wegen der Auswirkungen der Ukraine-Krise sank der Absatz von Januar bis November um 12 Prozent. Doch jetzt triebt der Verfall des Rubels reiche Russen in Einkaufszentren und Autohäuser.

Seit Jahresbeginn hat der Rubel fast 60 Prozent an Wert verloren, allein seit Anfang November sackte der Wechselkurs um mehr als 40 Prozent ab. Wer noch Rubel übrig hat, investiert die momentan lieber in Sachwerte – wie Premiumautos oder Luxusimmobilien.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

Wie der „Daily Telegraph“ unter Berufung auf Immobilienmakler berichtet, wollen derzeit viele Russen verstärkt Luxusimmobilien in London kaufen. Demnach geht es um Häuser im Zentrum der britischen Hauptstadt im Wert von jeweils mehr als 20 Millionen Pfund. Die Käufer seien vor allem Familien und Geschäftsleute, die aus Sicherheitsgründen nach großen, alleinstehenden Häusern suchten, so eine Maklerin in dem Bericht.

Eine Nummer kleiner investieren einige in ein Luxusauto statt der teuren Immobilie. „Zum Teil wollen einige der russischen Autokäufer ihr Geld in Sicherheit bringen und in Sachwerte investieren“, sagt Analyst Frank Schwope von der NordLB. „Ein anderer Teil sind aber vorgezogene Käufe, die für 2015 oder 2016 geplant waren. Dieser Hype wird wieder abflachen.“

Angst vor steigenden Neuwagenpreisen

Porsche, Lexus und Infiniti können sich dennoch über den Hype freuen – bei Infiniti-Händlern sind derzeit laut einem Sprecher fast alle vorhandenen Autos verkauft. Doch dabei haben die russischen Kunden künftig eine eingeschränkte Auswahl. Angesichts der Währungskurse stoppen General Motors (GM) und Jaguar Land Rover vorübergehend ihre Verkäufe in Russland. Die Opel-Mutter habe damit schon am 16. Dezember begonnen, teilte GM am Donnerstag mit. Wegen der Kursschwankungen beim Rubel wolle man die Geschäftsrisiken im Griff behalten, hieß es. Bereits bestellte Modelle der Marken Cadillac, Opel und Chevrolet würden aber noch zu den vereinbarten Preisen ausgeliefert. Jaguar Land Rover will seinen Verkauf bis zu diesem Freitag aussetzen.

„Die Nachfrage war in den vergangenen Wochen außergewöhnlich“, sagt Jörg Schreiber, Chef des russischen Autoverbands AEB. Er vermutet, dass auch die Verlängerung der Abwrackprämie in Russland den plötzlichen Run auf die Autohäuser unterstützt hat.

Der Hauptgrund aber dürfte die Angst vor stark steigenden Neuwagenpreisen sein, wenn die Hersteller auf die Wechselkurse reagieren. Autoexperten halten Preissprünge von bis zu 30 Prozent für möglich. „Die Händler werden ihre Preise relativ schnell anpassen, sonst drohen ihnen Verluste“, sagt Schwope.

Geschäfte mit Russland

Bislang haben die Autobauer ihre Preise nur moderat erhöht. Laut der „Moscow Times“ hat Mercedes die Preise je nach Modell zwischen zwei und elf Prozent gesteigert.

Ein Infiniti-Sprecher bestätigte dem „Manager Magazin“, dass die Nobelmarke von Nissan die Preise Mitte Dezember um vier Prozent angehoben hat. Modelle von Porsche haben seit kurzem einen fünf Prozent höheren Listenpreis. Damit liegen alle Preiserhöhungen – noch – weit unter dem Kursverfall des Rubels.

Nicht alle deutschen Marken sind gefragt

Porsche begründet sein extremes Verkaufsplus vor allem mit neuen Modellen. In Russland sind die Sportwagen wie der 911er oder Cayman weniger gefragt, auf dem Markt ziehen vor allem die SUVs. Seit Oktober ist die überarbeitete Version des großen Cayenne in Russland erhältlich, der kleinere Macan wird erst seit einigen Monaten verkauft.

Doch nicht alle deutschen Marken sind in Russland so gefragt wie Porsche. Daimler konnte nach einem starken ersten Halbjahr mit einem Plus von 20 Prozent im November nur noch um sieben Prozent zulegen, Volkswagen (-12 Prozent), Audi (-23 Prozent) und BMW (-24 Prozent) mussten hingegen Rückgänge verzeichnen. Sie scheinen in den Augen der russischen Autokäufer nicht so gut als Geldanlage zu taugen wie etwa ein Porsche.

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Doch NordLB-Analyst Schwope schätzt, dass sich die momentan ungewöhnlichen Verkaufszahlen wieder normalisieren – wenn sich die politische Lage ändert. „Die aktuelle Situation zwischen Russland und der Ukraine ist ein vorübergehender Konflikt, danach wird sich auch der Rubel wieder stabilisieren“, sagt Schwope. „Spätestens für 2016/2017 sehe ich bessere Zeiten.“

Doch auf eine allzu große Konstanz sollten sich die Autobauer nicht einstellen, der russische Automarkt sei schon immer sehr volatil. „Vor einigen Jahren war er kurz davor, Deutschland als wichtigsten europäischen Markt abzulösen, davon ist heute nichts mehr zu sehen.“

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