Russland-Krise Opel stoppt Produktion in Russland

Aufgrund der Absatzkrise in Russland stoppt Opel die Produktion im Werk in St. Petersburg. Betroffen sind 1000 Mitarbeiter. Auch VW und Ford leiden unter den Folgen der Ukraine-Krise.

Ein Stoppschild neben dem Opel-Logo. Quelle: dpa

Die Folgen der Ukraine-Krise und der Sanktionen des Westens machen den Autobauern in Russland immer stärker zu schaffen. Die Opel-Mutter General Motors legt für zwei Monate die Produktion in dem Land still, weil der Absatz dort rasant schrumpft und die schwache Landeswährung Rubel die Erlöse schmälert. GM hält daher die Bänder im Werk in St. Petersburg von Mitte März bis Mitte Mai an und schickt etwa 1000 Mitarbeiter vorübergehend nach Hause, wie ein Sprecher am Freitag sagte. Zudem erhöht der US-Konzern die Preise.

Auch der US-Rivale Ford und Volkswagen leiden unter der nachlassenden Nachfrage in dem riesigen Schwellenland und können ihre Fabriken dort kaum auslasten. Die Rubel-Abwertung kostete VW nach Betriebsratsangaben im abgelaufenen Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Über die genaue Höhe machte Betriebsratschef Bernd Osterloh keine Angaben. Er fügte lediglich hinzu, dass VW keine Verluste verbuchte habe. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr die Produktion in seinem Werk in Kaluga südwestlich von Moskau für mehrere Tage ruhen zu lassen.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

Ford hat wegen der schwachen Konjunktur in Russland seine Prognose für das Europageschäft im laufenden Jahr gesenkt. Dem GM-Rivalen macht ein starker Umsatzrückgang auf dem wichtigen russischen Markt Sorgen. Im vergangenen Jahr lag Russland mit 2,5 Millionen Pkw-Neuzulassung weltweit auf Rang sieben hinter Indien. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2014 etwas mehr drei Millionen Wagen zu registriert, das bedeutet Rang fünf.

GM am stärksten von Krise getroffen

Am stärksten ist General Motors von der Krise betroffen. Die Tochter Opel hat bereits im vergangenen Jahr die Produktion in Russland zurückgefahren und die Bänder vorübergehend gestoppt. Im September hatte GM damit begonnen, etwa ein Viertel der knapp 2000 Beschäftigten im Werk St. Petersburg abzubauen. Der Absatz der GM-Marken Opel, Chevrolet und Cadillac brach Verbandsangaben zufolge um 26 Prozent auf 258.000 Fahrzeuge ein.

Wo deutsche Unternehmen in Russland aktiv sind
E.On-Fahnen Quelle: REUTERS
Dimitri Medwedew und Peter Löscher Quelle: dpa
Dem Autobauer bröckelt in Russland die Nachfrage weg. Noch geht es ihm besser als der Konkurrenz. Martin Winterkorn hat einige Klimmzüge machen müssen - aber theoretisch ist das Ziel erreicht: Volkswagen könnte in Russland 300.000 Autos lokal fertigen lassen. Den Großteil stellen die Wolfsburger in ihrem eigenen Werk her, das 170 Kilometer südwestlich von Moskau in Kaluga liegt. Vor gut einem Jahr startete zudem die Lohnfertigung in Nischni Nowgorod östlich Moskau, wo der einstige Wolga-Hersteller GAZ dem deutschen Autoriesen als Lohnfertiger zu Diensten steht. Somit erfüllt Volkswagen alle Forderungen der russischen Regierung: Die zwingt den Autobauer per Dekret dazu, im Inland Kapazitäten aufzubauen und einen Großteil der Zulieferteile aus russischen Werken zu beziehen. Andernfalls könnten die Behörden Zollvorteile auf jene teuren Teile streichen, die weiterhin importiert werden. Der Kreml will damit ausländische Hersteller zur Wertschöpfung vor Ort zwingen und nimmt sich so China zum Vorbild, das mit dieser Politik schon in den Achtzigerjahren begonnen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Die Nachfrage in Russland bricht gerade weg - nicht im Traum kann Volkswagen die opulenten Kapazitäten auslasten. 2013 gingen die Verkäufe der Marke VW um etwa fünf Prozent auf 156.000 Fahrzeuge zurück. Wobei die Konkurrenz stärker im Minus war. Hinzu kommt jetzt die Sorge um die Entwicklungen auf der Krim. VW-Chef Martin Winterkorn sagte der WirtschaftsWoche: "Als großer Handelspartner blicekn wir mit Sorge in die Ukraine und nach Russland." Er verwies dabei nicht nur auf das VW-Werk in Kaluga, sondern auch auf die Nutzfahrzeugtochter MAN, die in St. Petersburg derzeit ein eigenes Werk hochfährt. Der Lkw-Markt ist von der Rezession betroffen, da die Baukonjunktur schwächelt. Quelle: dpa

Allein bei Opel belief sich der Rückgang laut der GM-Tochter auf mehr als ein Fünftel. Über alle Hersteller hinweg sackten die Verkäufe nach Branchenangaben um 10,3 Prozent ab. Für das laufende Jahr rechnet der Verband der Europäischen Wirtschaft in Russland (AEB) beim Pkw-Absatz mit einem Minus von 24 Prozent - eine Prognose, die viele Hersteller noch für optimistisch halten.

GM hatte die Aktivitäten in Russland erst unlängst Opel zugeschlagen, um das defizitäre Europa-Geschäft zu stärken. Damals war man davon ausgegangen, das Russland demnächst Deutschland als größten europäischen Pkw-Markt ablösen wird. Erfüllt hat sich die Prognose bisher nicht. Derzeit sind viele Verbraucher in dem Land wegen der Sanktionen des Westens und es Streits mit der Ukraine verunsichert.

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