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Sanierungsplan Opels letzter Ausweg

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Endlich ins Premiumsegment


Der 500.000ste Opel Insignia von der Fertigungslinie im Stammwerk Rüsselsheim. Der Insignia brachte Opel viel Lob ein - doch in der Krise verpuffte es. Foto:

Zweites Standbein des Stracke-Plans ist eine großangelegte Modelloffensive – auch mit Modellen in Segmenten, in denen Opel bisher nicht vertreten war: Opel will ins Premiumsegment vorstoßen. Nach dem Plan wird Opel bis zum Jahr 2016 in 23 neue Modelle investieren. Der kleine Geländewagen Mokka und der Stadtflitzer Adam soll jüngere Kunden ansprechen. Für Besserverdienende soll es eine Limousinen-Version des Kompaktwagens Astra geben und - einem Vorabbericht des Magazins „Auto Bild“ zufolge – soll es ein „Premium“-Cabriolet geben, dass oberhalb des Kompaktwagen Astras angesiedelt ist. Ein richtiger Weg, wie Experten meinen. Sie raten Opel, sich stärker an den Premiumherstellern zu orientieren.

"Neuentwicklungen konnten in der Krise nicht strahlen"

„Der große Fehler war, dass sich Opel in den vergangenen Jahren immer stärker als Billiganbieter positioniert hat, während andere im höheren Segment Fuß gefasst haben“, sagt Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet. „Du kannst tolle Autos bauen, wenn du damit kein Geld verdienst, bist du pleite“, benennt der Autoexperte Opels Dilemma.

Opel hatte mit dem Insignia bereits den Schritt in die obere, lukrativere Mittelklasse gemacht. Der Wagen hatte überall viel Lob geerntet. Auch der Ampera sollte den Aufbruch in ein neues Opel-Zeitalter einläuten. „Das Problem ist, dass die Neuentwicklungen in der Krise nicht strahlen können“, sagt Bratzel. Gemeint ist nicht nur die Absatzkrise in Europa, unter der alle Hersteller von Peugeot, Renault über Fiat bis hin zu VW leiden. Doch bei Opel schrumpfen die Verkäufe noch mehr als bei anderen: Der Marktanteil sank von Januar bis Mai in Europa binnen Jahresfrist unter die Marke von sieben Prozent.

Loser-Image abschütteln

Mit den neuen Modellen sollen neue Kunden kommen, die die Verkaufszahlen nach oben treiben. Das muss Stracke aber gelingen, ohne die Stammkundschaft zu verprellen. Opels Preisphilosophie werde darauf gerichtet sein, erschwingliche Autos zu verkaufen sagte Stracke erst kürzlich. „Und wir haben den Fokus auf unserer Marke verloren – die Kunden müssen verstehen, wofür Opel steht“. Dass Opel ein mittelschweres Image-Problem hat, belegen zahlreiche Umfragen. In einer aktuellen Studie des Automotive Institute for Management (AIM) an der European Business School in Oestrich-Winkel rangiert Opel in der Gunst der Autofahrer zusammen mit Renault und Fiat am Ende der Skala – weit hinter den Spitzenreitern Porsche, Mini und Audi, aber auch deutlich hinter Nissan oder Hyundai.

Welche Automarken die Deutschen lieben
Forscher des Automotive Institute for Management (AIM) an der European Business School in Oestrich-Winkel haben den Wert von Automarken aus Sicht der Kunden bestimmt. Fast 1400 Kunden von 15 Automarken wurden dafür befragt. In die Bewertung flossen die Beurteilung der Markenstärke, Kundenbindung sowie Qualität und Service mit ein. Die Beurteilung dieser Dimensionen erfolgte mit Werten von 1 = ganz schwach bis 7 = ganz stark. Die Gesamtwertung ergibt sich aus den Mittelwerten der einzelnen Bereiche. Und hier das Ergebnis... Quelle: dpa
Platz 15: FiatWertung: 5,05 Der kleine Cinquecento ist ein Sympathieträger, der Rest eher mau. Gibt’s den Bravo eigentlich noch? Quelle: Reuters
Platz 14: RenaultWertung: 5,38 Pionier bei Elektroautos, aber die Alltagsware ist eher grau. Wofür steht die Marke? Quelle: Renault
Platz 13: FordWertung: 5,41 Nur noch knapp hinter Opel und schon auf der Überholspur mit einer konsistenten Modellpolitik und sparsamen Motoren. Quelle: obs
Platz 12: OpelWertung: 5,42 Zuverlässige und ansehnliche Produkte, aber die Marke hat ein Loser-Image Quelle: dpa
Platz 11: PeugeotWertung: 5,45 Mit Umwelttechnik und Hybridantrieben können die Franzosen punkten, mit der Qualität weniger. Quelle: REUTERS
Platz 10: HyundaiWertung: 5,49 Der Emporkömmling aus Korea. Noch ist der Preis der wichtigste Kaufgrund. Quelle: REUTERS

„Opel ist weder Fisch noch Fleisch, der Marke mangelt es an einem klaren Profil“, kritisiert Franz-Rudolf Esch, der als Leiter des AIM die Studie initiierte. Wenn Opel derzeit ein Image verkörpert, dann das der Loser-Marke. Die anhaltenden Debatten um Werksschließungen haben dazu geführt, dass sich die Kunden lieber anderen Marken mit positiveren Schlagzeilen zuwenden. Imagewandel – neue Kunden gewinnen – alte dennoch nicht verprellen. Stracke hat einen Maßnahmenstrauß gebunden, aus dem einige Dornen ragen. Allein auf die neuen Modelle, die hoffentlich irgendwann in der Zukunft zahlreiche neue Käufer finden, kann der Opel-Chef nicht setzen. Sparen ist angesagt.

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