Schummel-Motoren bei VW und Audi Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Von den Abgas-Manipulationen bei VW sind allein in Deutschland 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen. Mindestens. Was Autofahrer jetzt wissen müssen.

Was VWs Schummel-Motoren für Verbraucher bedeuten. Quelle: dpa

Welche Autos sind in Deutschland betroffen?

Viele deutsche Autofahrer sitzen in einem Wagen, in dessen Motor die Manipulationssoftware installiert ist. Bundesverkehrsminister Dobrindt geht von mindestens 2,8 Millionen betroffenen Fahrzeuge der 1,6- und 2-Liter-Diesel-Klasse aus. Möglicherweise sind auch 1,2-Liter-Fahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge betroffen.

Damit ist zwar noch nicht bewiesen, dass die Software in Deutschland auch aktiviert wurde. Klar ist aber, dass sie in den USA eingesetzt wurde, um bei den strengeren Abgastests zu betrügen.

Um welche Modelle geht es?

VW hat eine versprochene Liste der Autos noch immer nicht veröffentlicht. Der Motor mit der Schummel-Software hat die Bezeichnung “EA 189” und ist weltweit in 11 Millionen Fahrzeugen verbaut. Dazu zählen neben unterschiedlichen VW-Modellen aus mehreren Baujahren (darunter wohl Golf VI, Passat VII, Tiguan I und Jetta) auch viele Modelle der Tochtermarken. Innerhalb des Konzerns teilen sich die Unternehmen nämlich etliche Bauteile, darunter Motoren und Getriebe.

Audi hat den Motor in den Ausführungen von A1, A3, A4, A6 verbaut. Allein in Deutschland sind deshalb 577.000 Audis betroffen - weltweit 2,1 Millionen. Betroffen sind auch rund 700.000 Fahrzeuge der Marke Seat. Und ein Sprecher von Skoda bestätigte, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den betroffenen Motoren ausgerüstet worden. Audi hat als erste der VW-Konzernmarken eine Website eingerichtet, über die sich die Kunden schnell darüber informieren können, ob ihr Auto "infolge von Unregelmäßigkeiten mit der verwendeten Software betroffen ist". Dazu müssen die Audi-Kunden die Fahrgestellnummer ihres Autos eingeben. Vorerst wird der Service nur in Deutschland angeboten, im Laufe der kommenden Woche soll die Funktion laut einem Unternehmenssprecher auch weltweit über die nationalen Audi-Websites zur Verfügung gestellt werden.

Entwarnung gibt der Konzern für alle VW-Neuwagen, die die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Sie sind nicht betroffen.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Kann ich mit diesen Autos noch wie gewohnt fahren?

Ja.

Was macht VW denn jetzt?

Die Fahrzeuge werden in die Werkstatt zurückgerufen. "Die betroffenen Kunden werden in einem ersten Schritt informiert, dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert werden kann", teilte VW am Dienstag mit. Die Schummel-Software fliegt also raus.

Verkehrsrecht-Anwalt Martin Andreae hatte im Interview bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass VW-Kunden (unter bestimmten Bedingungen) ohnehin erstmal ein “Nacherfüllungsrecht” hätten. Vereinfacht: Das Auto muss können, was versprochen - und sogar groß beworben war. Darauf kann der Käufer den Verkäufer festnageln.

Das ist übrigens im ersten Schritt gar nicht VW selbst, sondern der Autohändler. Also heißt es bei jeder Rechtsfrage: “Zum VW-Händler gehen und ihn mit Fragen nerven”, wie Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), empfiehlt.

Wann muss mein Auto in die Werkstatt?

Ganz so schnell wohl nicht. Erstmal will VW die Maßnahmen und Lösungen mit den Behörden durchgehen. Das soll im Oktober geschehen. Die Kunden von VW und den Tochtermarken "werden in den nächsten Wochen und Monaten darüber informiert", so der Konzern.

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