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ShareNow-Chef „Ich hatte keine Angst vor der Fusion von Car2go und DriveNow“

Carsharing Quelle: ShareNow

Aus Car2go und DriveNow wurde im Februar ein Unternehmen. Olivier Reppert erklärt im Interview, ob sich das gelohnt hat, wieso er von einer Hochzeit und nicht von einer Fusion spricht – und warum er Chef geworden ist.

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WirtschaftsWoche: Herr Reppert, auf der neuen Webseite von ShareNow prangt ein Zitat von Ihnen. Sie sagen dort, dass sich die Kunden noch wenige Monate gedulden sollen, das würde sich lohnen. Worauf sollen sie warten?
Olivier Reppert: Viele der Kunden wollten sofort im Februar, als unter anderem DriveNow und Car2go fusioniert wurden, Ergebnisse sehen. Das war schlicht nicht möglich, da wir vorher kartellrechtlich gar nicht zusammenarbeiten durften, während im Hintergrund bereits zwischen BMW und Daimler verhandelt wurde und die Presse über eine Fusion berichtete. Deshalb rufe ich dort zur Geduld auf. Wir arbeiten jetzt gerade an einem gemeinsamen Produkt.

Wie sieht dieses „Produkt“ konkret aus?
Das wird eine gemeinsame Carsharing-App sein. Zurzeit bieten wir nämlich noch die Apps Car2go und DriveNow getrennt voneinander an. Allerdings enthalten beide einen Deeplink.

Was ist denn ein Deeplink?
Sie finden seit Februar in der DriveNow-App auch Fahrzeuge von Car2go und umgekehrt. Wir haben das Angebot ganz bewusst nicht komplett auf ShareNow umgestellt, den Namen kannte im Februar ja noch keiner. Car2go und DriveNow waren aber auch dank Daimler und BMW im Rücken vielen Großstädtern ein Begriff. Wir wären blöd, wenn wir diese Namen jetzt in der Übergangsphase nicht noch nutzen würden.

Olivier Reppert ist Chef von ShareNow Quelle: ShareNow

Wie lange müssen die Kunden denn noch warten, bis sie nur noch in Fahrzeugen von ShareNow unterwegs sein werden?
Eines Tages werden Sie aufwachen und statt zwei Apps nur noch eine ShareNow-App auf dem Smartphone haben. Genauere Angaben kann ich dazu noch nicht machen.

Warum nicht?
Carsharing ist wahnsinnig komplex. Bereits dann, wenn man nur ein Unternehmen führt, das weiß ich aus meiner Zeit als Chef von Car2go. Wenn nun zwei Unternehmen heiraten, die vorher nie etwas miteinander zu tun gehabt haben, erhöht das die Komplexität nochmals. Deshalb braucht es einfach seine Zeit, bis wir ein für unsere vier Millionen Kunden simples und fehlerfreies Carsharing-Angebot aufgebaut haben. Wie komplex das Ganze ist, sehen Sie derzeit bei neuen Wettbewerbern, die groß ankündigen, zum Datum XY in einer Stadt zu starten, aber das dann nicht einhalten – sie haben Carsharing unterschätzt. Wir werden unsere Kunden nicht mit einem Paukenschlag erschrecken, sondern sie langsam an die neue Plattform heranführen. Das machen wir seit der Hochzeit im Februar.

Sie sprechen von einer Hochzeit statt einer Fusion?
Ja, tatsächlich.

Aber geht es nicht vielmehr darum, zum größten Carsharing-Anbieter der Welt aufzusteigen und somit Konkurrenten wie Sixt oder auch Uber auf Abstand zu halten? Das klingt gar nicht so romantisch.  
Nein, ich spreche vor allem von einer Hochzeit, weil das Ziel dasselbe ist: Obwohl Car2go und DriveNow erbitterte Konkurrenten waren, wollen beide die Mobilität in den Städten verändern. Das hat auch die Mitarbeiter beider Unternehmen, die für das gleiche Ziel gekämpft haben, sofort zusammengeschweißt und kommt für mich durchaus einer Hochzeit gleich.

Woran machen Sie das genau fest?
Wir hatten ein Launch-Event in Berlin und die Mitarbeiter aus beiden Unternehmen waren aus dem Häuschen, sie haben den Schritt sofort mitgetragen. Niemand kam im Vorfeld zu mir und hat gesagt: „Hey Olivier, wenn wir fusionieren, dann bin ich weg.“ Mit dieser fast überschwänglich positiven Reaktion habe ich zwar auch nicht gerechnet. Doch Angst vor der Fusion hatte ich nicht, weil wir auch vorher im Wettbewerb immer respektvoll miteinander umgegangen sind.

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