WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Spardruck bei Daimler Källenius: „Wir schärfen unseren Kurs nach“

Im ersten Halbjahr ist der Absatz der Pkw-Marke Mercedes-Benz um knapp 19 Prozent auf 870.000 Fahrzeuge gesunken. Quelle: dpa

Auf der Hauptversammlung von Daimler hat Konzernchef Ola Källenius angesichts des Geschäftseinbruchs in der Coronakrise höhere Kostensenkungen angekündigt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Daimler-Chef Ola Källenius hat angesichts des Geschäftseinbruchs in der Coronakrise höhere Kostensenkungen angekündigt. Die bisherigen Effizienzziele hätten nur die Transformation hin zu Elektroautos abgedeckt, aber keine weltweite Rezession. „Deswegen schärfen wir unseren Kurs nach“, erklärte Källenius am Mittwoch zum Auftakt der virtuell abgehaltenen Hauptversammlung. Der Vorstand habe ein Programm zur Verbesserung der Kostenstruktur verabschiedet, das alle Bereiche des Unternehmens umfasse, ergänzte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Neue Zahlen dazu wurden in der Mitteilung nicht genannt.

Im November hatte der neue Daimler-Chef Pläne vorgestellt, nach denen von 2020 bis 2022 mehr als anderthalb Milliarden Euro eingespart werden sollten. Die Personalkosten sollten durch den Wegfall von mehr als 10.000 der weltweit 300.000 Stellen um 1,4 Milliarden Euro sinken. Seither hat die Covid-19-Pandemie die Lage in der Autoindustrie dramatisch verschlechtert.

Der Autobauer muss nun seine Produktionskapazitäten entsprechend der geringeren Nachfrage reduzieren. „Die Krise hat uns gezeigt, wir müssen uns fokussieren“, sagte Finanzchef Harald Wilhelm am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung. Der Kapazitäts-Foodprint müsse reduziert werden. Als Beispiel verwies er auf den angekündigten Verkauf des Smart-Werkes im französischen Hambach. Die Kosten sollten in diesem Jahr gegenüber 2019 deutlich sinken. Für Investitionen sei eine Obergrenze festgelegt worden. Die Gewinnschwelle dadurch früher zu erreichen, sei oberstes Ziel.

Nach Prognose des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wird der weltweite Pkw-Absatz in diesem Jahr um 17 Prozent auf knapp 66 Millionen einbrechen.

Im ersten Halbjahr sei der Absatz der Pkw-Marke Mercedes-Benz um knapp 19 Prozent auf knapp 870.000 Fahrzeuge gesunken, erklärte Daimler weiter. „Im zweiten Quartal hat Mercedes-Benz bereits wieder etwas Boden gutgemacht“, betonte Källenius. In China habe die Marke mit dem Stern von April bis Juni ihren zweitbesten Quartalsabsatz erreicht. „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass andere Märkte an diese Entwicklung Schritt für Schritt anknüpfen können“, ergänzte der Schwede. Die Verkaufszahl von Mercedes-Benz und Smart sank im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 462.000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahresquartal - in China stieg er um ein Fünftel auf gut 207.000. Die Pandemie und das insgesamt schon schwächere Marktumfeld habe bei Lkw in den ersten sechs Monaten zu einem Absatzminus von 38 Prozent auf rund 150.000 Fahrzeugen geführt. Ein Lichtblick sei hier das Anziehen der Auftragseingänge in allen Märkten.

Daimler bekräftigte, im zweiten Quartal werde es einen bereinigten operativen Verlust geben bei einem deutlichen Umsatzrückgang. Für das Gesamtjahr gab Källenius weiterhin keine präzisen Prognosen ab. Absatz, Umsatz und das Ergebnis des Konzerns dürften unter Vorjahr liegen, bekräftigte der Daimler-Chef. „Zur Wahrheit gehört auch: Der Weg zum Vorkrisenniveau ist noch lang.“

Ein Thema auf der Hauptversammlung sind auch die wachsenden Kostenrisiken im Dieselskandal. Im vergangenen Jahr musste der Dax-Konzern rund vier Milliarden Euro für Rückstellungen, Bußgeld und Rückrufkosten deshalb aufwenden. Das Nettoergebnis sackte um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro ab, nachdem der Gewinn schon 2018 um knapp 30 Prozent gesunken war.

Aufsichtsratchef Bischoff erklärte, eine unabhängige Anwaltskanzlei untersuche, ob Vorstandsmitglieder für die Manipulation von Diesel-Abgasen verantwortlich sind. Aufsichtsrat und Vorstand wollten alles Erdenkliche tun, um die Sachverhalte aufzuklären und erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. Investmentfonds aus Deutschland kritisierten im Vorfeld des Aktionärstreffens die Diesel-Lasten und ein zu langsames Umstellen auf Elektromobilität. Sie kritisierten deshalb den Plan, den langjährigen Daimler-Chef und Källenius-Vorgänger Dieter Zetsche im kommenden Jahr als Aufsichtsratschef zu installieren.

Mehr zum Thema
Seit 13 Jahren wacht Manfred Bischoff als Chef des Aufsichtsrats über Daimler. Am Ende seiner Amtszeit muss er radikal mit der Vergangenheit brechen – und das Problem Dieter Zetsche lösen. Leichtfallen wird ihm das nicht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%